Teil 1: Fallende Sterne

Aug 9, 2021 | TITELTHEMA

Eine warme Sommernacht, ein verträumter Blick zu zweit in den Himmel und dann noch eine Sternschnuppe – ein Moment, der „wunschlos glücklich“ wohl ziemlich nahekommt. Obwohl – der ein oder andere Wunsch lauert doch immer tief in uns, und wenn wir es schaffen, ihn zu formulieren, bevor die Sternschnuppe sich in nichts auflöst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass uns auch dieser
noch erfüllt wird.

Sternschnuppen

Eine Sternschnuppe zu sehen ist Glücksache. Eine Glücksache allerdings, die ein kleines bisschen planbar ist. Denn es gibt Nächte, in
denen sich die Sternschnuppen besonders gerne fallen lassen. Vor allem Mitte August, so zwischen dem 11. und 13.8., wenn der Himmel klar und die Umgebung lichtarm ist. Da können schon mal bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde über den Himmel regnen. „In diesem Fall fliegt die Erde nämlich durch die Reste eines Kometenschweifs hindurch“, erklärt Matthias Gräter von der Sternwarte in Nürnberg. „Die ganzen Staubteilchen und Eiskristalle aus dem Schweif werden beim Eintritt in die Atmosphäre zu Sternschnuppen.“ Staubteilchen? Diese wundervollen, zauberhaften, magischen fallenden Sterne sind nichts anderes als banaler Weltraumschmutz? „Tatsächlich ist eine Sternschnuppe ein kleines Steinchen oder Ähnliches, das beim Eintritt in die Erdatmosphäre mit einer Geschwindigkeit von über 30.000 km/h durch die Reibung sehr heiß wird, verglüht und für einen Moment als Lichtspur am Himmel zu sehen ist.“

Tipps für Sternschnuppenjäger

Die Perseiden zum Beispiel werden durch verglühende Bruchstücke des Kometen 109P/Swift-Tuttle ausgelöst. Ein Wissen, das Romantiker jetzt ganz schnell wieder in irgendeine Gehirnschublade schieben und sie zumachen sollten. Um sich innerlich lieber mit den Menschen aus grauer Vorzeit zu verbinden. Denn natürlich haben auch sie schon heftig über die seltsamen Erscheinungen am Himmel spekuliert. So wie ein Gewitter den Zorn der Götter ausdrückte oder Kometen besondere Ereignisse begleiteten, so waren sich zumindest die meisten unserer Vorfahren sicher: Ein Sternenregen kann nur ein Geschenk der Götter sein.

Sternschnuppen werden übrigens nach den Sternbildern benannt, aus denen sie zu kommen scheinen. „Wenn man die Spuren nach hinten verlängern würde, dann treffen sie sich alle in einem Punkt, und dieser Punkt liegt dann in einem Sternbild“, so der Hobbyastronom Gräter. „Das erscheint uns aber nur so, da die Erde mit der Flugrichtung um die Sonne in dem Moment gerade in Richtung des namensgebenden Sternbilds zeigt.“ Es ist also nicht notwendig, krampfhaft in eine Richtung zu blicken? „Nein, einfach einen dunklen Platz, am besten auf einer Anhöhe suchen und den Blick über den Sternenhimmel schweifen lassen. Denn auch wenn sie in einem Sternbild enden, sie treten überall in die Erdatmosphäre ein.“

Der Einfluss der Sterne

88 Sternbilder hat die Internationale Astronomische Union übrigens festgelegt, von der Eidechse über den Paradiesvogel bis hin zu den allgemein bekannten wie Jungfrau oder Schütze. Diese haben ihre Bedeutung für die Astrologie, weil babylonische Astronomen vor rund 2.500 Jahren die Sonnenbahn in zwölf (Monats-)Abschnitte einteilten und sie nach dem dort sichtbaren Sternbild benannten. Mithilfe dieser Sternbilder wird dann zum Beispiel bei einem Geburtshoroskop das Abbild der Planetenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt gedeutet – was verschiedene Persönlichkeitsanteile in unterschiedlichen Lebensbereichen sichtbar machen soll. „Die Sterne beeinflussen uns nicht und haben auch keine Wirkung auf uns wie zum Beispiel Heilmittel.“ Claudia Stickel vergleicht das mit einer Uhr oder einem Thermometer. Beide erschaffen auch weder Zeit noch Temperatur, sondern bilden sie lediglich ab. Eine Erfahrungswissenschaft nennt die Erlanger Heilpraktikerin die Astrologie, ähnlich der Akupunktur oder der Homöopathie.
„Ich persönlich finde das sehr hilfreich, um Ereignisse, Zusam-menhänge und mich selbst besser zu verstehen und entsprechend
zu handeln und zu verändern“, meint sie. Fügt aberhinzu: „Man kann auch ganz gut ohne Astrologie leben.“

Wünsch Dir was

Egal, ob wir an die Auswirkungen der Sterne auf unser Leben glauben oder nicht, das Universum übt auf uns alle eine gewisse Faszination aus: das Unergründliche, Unbegreifliche hat so etwas Magisches. So etwas Unendliches. „Es löst Ehrfurcht aus, ein Eingebundensein in etwas Größeres. Die Faszination ist die Sehnsucht nach dem Gefühl der Verbundenheit mit all dem. Ein Gefühl, das im Alltag oft verloren geht.“ Und das wir uns in Sternschnuppenmomenten einfach wieder zurückholen. Übrigens: Wer eine Sternschnuppe sieht, egal, aus welchem Sternbild, der darf sich etwas wünschen. Wobei es nicht ganz einfach ist, genau in dem Augenblick, in dem der Sternenstaub fällt, innerlich einen Wunsch zu formulieren. Dafür geht das Ganze meist viel zu schnell. Wenn es allerdings gelingt, ist es in der Regel ein Wunsch, der schon vorher tief in einem verwurzelt war. „Wenn wir etwas wirklich möchten, dann wird dieses Ziel viel konsequenter und mit mehr Energie verfolgt, so dass es wahrscheinlicher wird, dass es auch erreicht werden wird“, erklärt uns die Diplom-Psychologin Annemiek Willemsen aus Ansbach. Verraten darf man aber nicht, was man sich gewünscht hat. Denn sonst löst sich die Wunscherfüllung genauso schnell in Luft auf wie die Sternschnuppe selbst.

STERNSCHNUPPEN LASSEN SICH FAST DAS GANZE JAHR HINDURCH BEOBACHTEN

Januar: Quadrantiden
April: Lyriden
Mai: Eta-Aquariiden
August: Perseiden (11.8. – 13.8.2021)
Oktober: Draconiden (6.10. – 10.10.2021)
Orioniden (19.10. – 23.10.2021 in den Morgenstunden)
November: Leoniden (17.11. und 18.11.2021)
Dezember: Geminiden (13.12.2021) Ursiden (22.12. und 23.12.2021)

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