Insektenhotels

Aug 11, 2021 | LEBENSRAUM

Gewusel, Gewimmel, ein auf den ersten Blick unkoordiniertes Geschubse, auf den zweiten aber Ordnung und System. Könnte Tiergarten sein oder Tiergärtnertor, ist aber in diesem Fall ein Insektenhotel. Besser gesagt: eine Nisthilfe. So nämlich lautet der korrekte Begriff.
Text Sebastian Plischke

Was man den Krabblern und Fliegern Gutes tun kann, darum soll es heute hier gehen. Aber psst, nicht den Baumärkten und Supermärkten verraten, die wollen nämlich ihre größtenteils billig aus Abfallmaterialien zusammengeschusterten Buden ohne wahren Wohnwert an den arglosen Käufer bringen. ELMA-Leser wissen: Nicht mit uns!

Nisthilfen aus dem Baumarkt

Denn zwar sind sie meist schön anzusehen, diese kleinen Zwergenhäuschen mit den vielen Wohnungen, doch die meisten davon stehen oft leer. Gründe dafür gibt es einige. Zunächst einmal ist es so, dass Insekten anspruchsvoll sind, was den Baustoff ihrer Behausungen angeht. Hartholz darf es gerne sein (z. B. Buche oder Lärche), das unterliegt nämlich nicht wie die bei Kauf-Häusern
von der Baumarktstange verwendeten Weichhölzer (Kiefer, Fichte, Weide) der witterungsbedingten Rissbildung. Von mehr oder weniger ausgeprägter Harzneigung gerade bei Nadelhölzern einmal abgesehen. Das Ganze soll ja keine Klebefalle werden.

Hier will kein Insekt wohnen

Noch dazu bevorzugt das Insekt die Haustür quer zur Faser und nicht im sogenannten „Hirnholz“ (das ist die Fläche, auf der man auch die Jahresringe sehen kann). Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, kann das am noch stehenden oder auch am liegenden Baum gut beobachten. Dort finden sich dann mehr oder weniger kleine Löcher. Außerdem haben die kleinen Vielbeiner natürlich auch einen angeborenen Überlebenswillen. Dieser kommt beispielsweise dann zum Tragen, wenn es um das Betreten des Eigenheims und dort im Speziellen den Röhrchen aus Schilf, Bast oder Bambus geht. Das machen die Pollensammler unter ihnen (z. B. Bienen) nämlich rückwärts – wie sonst soll dieses Hüftgold auch ins Nest gelangen. Trifft das vollbepackte Hinterteil nun auf ausgefranste Schnittstellen, wie man sie an billigen Nisthilfen oft sieht, so bleiben dort garantiert ein oder alle Flügel hängen, die dabei unweigerlich der Flugunfähigkeit geweiht sind. Gleiches gilt übrigens auch für längs gebohrtes Weichholz, das im Bohrloch Fasern wirft. Nicht gut. Lösung: Schnittkanten mit Schmirgelpapier und/oder Feile glattschleifen.

Ein weiterer Unfug sind in eine der Etagen geworfene Holzklötzchen oder Zapfen, die mit Hasendraht am Rausfallen gehindert werden. Dass sich darin eine Spinne ein Schlafzimmer baut oder eine Milbe mal ein Nickerchen macht, mag noch sein. Ein Insektennest wird sich darin aber niemand anlegen, dafür lassen sich die aufgefächerten Zapfen einfach zu schlecht verschließen. Wer schläft schon gern bei offener Wohnungstür? Und am Wichtigsten: Nur weil wir Menschen auf dem Schirm haben, dass wir vor drei Tagen da hinten in der Ecke eine Nisthilfe aufgehängt haben, wissen das Wildbiene & Co. noch lange nicht.

Das ideale Insektenhotel

Diese suchen primär nach natürlichen, seit Jahrtausenden in ihre DNA gestanzte Nisthilfen, nämlich: Äste, Zweige, Baumstämme, Baumstümpfe, Schilf- oder Bambusschnitt undundund. Wenn also die nächste Gartenpflege ansteht, sei es im Herbst (auch da wird noch genistet, vor allem von zum Beispiel Käfern zur Überwinterung) oder natürlich im Frühjahr: recht den ganzen Baum- und Strauchschnitt (oder je nach Menge eben einen Teil davon) auf einen Haufen in einer ruhigen, versteckten Ecke des Gartens.
Dann ist’s auch gleich nicht so viel zum Wegfahren, und wie sich ja inzwischen rumgesprochen hat, mögen Igel solche Haufen auch ganz gerne zum Verstecken. Lasst außerdem Baumstümpfe stehen, gerne auch einen Meter hoch. Die lassen sich doch auch noch wunderbar mit den Kindern und ein wenig Farbe verschönern. Löcher oben rein, Zweige reinstecken, dann hat der Stumpf auch noch Frisur.

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