„Der große böse Fuchs“

Jul 5, 2021 | NEWS

Haben wir nicht alle den eigenen Nachwuchs zum Fressen gern?

Eigentlich wollte er die Henne in ihren saftigen Allerwertesten beißen, aber dann beißt sich der Fuchs mal wieder selber in den Hintern. Denn das Federvieh hat keinerlei Respekt vor ihm. So wie auch sonst keiner auf dem nahegelegenen Bauernhof. Kein Wunder, denn der Fuchs hat nur wenig Selbstvertrauen – im Gegensatz zur Wölfin. Deren Idee, der Henne einfach die Eier zu klauen und zu warten, bis die Küken groß sind, findet der Fuchs genial, schließlich hat er echt keinen Bock mehr auf Steckrüben und hätte wirklich gerne mal wieder was Richtiges zwischen den Zähnen – doch spätestens in dem Moment, in dem ihm klar wird, wer die Eier ausbrüten wird, schwindet seine Begeisterung bereits ein wenig. Richtig arg wird’s allerdings, als die kleinen, frisch geschlüpften Küken den Meister Reineke für ihre Mami halten. Denn egal, wie sehr er sich anfangs dagegen wehrt – gegen die geballte Liebe kommt auch er nicht an. Doch die Wölfin besteht auf ihrem Festmahl …

Währenddessen bleibt die um ihre Kleinen gebrachte Henne nicht tatenlos und gründet einen Verein zur Fuchsausrottung. Die dort versammelten Federviecher sind ziemlich rabiat. Und der Fuchs mag sich gar nicht ausmalen, was sie mit ihm machen, wenn sie merken, dass er sich nur als Henne verkleidet hat, um Frau Isegrimm zu entkommen.

„Der große böse Fuchs ist eine (…) Parabel auf die Zerrissenheit junger Eltern, in der Klischees ordentlich durcheinander gewirbelt werden: der neuen Aufgabe nur mit Mühe gewachsen, überfordert zwischen Selbstaufopferung, Selbstbehauptung und doch voller Liebe zum Nachwuchs“ – so beschreibt das Theater selbst sein Stück. Und der Fuchs hat es dabei ja noch deutlich schwerer als andere Eltern – denn seine Kinder sind Küken, die sich lediglich für Füchse halten.

Ein Fuchs in der Existenz- und Identitätskrise

Das Stück, bei dem man vom Stil her irgendwie erwartet, dass gleich irgendwo ein Muckla auftauchen könnte, basiert auf der Graphic Novel des Franzosen Benjamin Renner. Die Umsetzung ist kindgerecht und wie eigentlich jedes Pfütze-Stück auch ganz wunderbar für Menschen jeden Alters geeignet – nur die Wortwahl ist für die angepeilte Zielgruppe (6+) teilweise doch sehr gewählt gewählt sozusagen – denn Begriffe wie Reputation oder emotionale Bindung hätte man auch kindgerechter ausdrücken können. Das allerdings ist die einzige kleine Kritik an dem Stück, das von lustig über rührend, von einfach nur schön über schauspielerisch spannend mal wieder die ganze Bandbreite abdeckt. Schade, dass es in diesem Sommer nicht mehr auf dem Spielplan steht – aber immerhin kann man es hören (Link: https://www.theater-pfuetze.de/programm/spielplan/der-grosse-boese-fuchs). Langt eigentlich auch – ist ja ein „musikalisches Hörtheater“. Und wer es doch live sehen will: In der kommenden Spielzeit wird das Stück voraussichtlich von 9. bis 14. Dezember wieder aufgeführt.

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