Wir haben uns getrennt, was jetzt?

Jun 15, 2021 | RECHT UND SOZIALES

Text: Wolf von Rosenstiel

Vorweg: Eine Trennung ist bekanntlich eher selten konfliktfrei. Erfahrungsgemäß läuft ungefähr ein Drittel aller Trennungen ohne tiefergehenden gegenseitigen Groll, ein weiteres Drittel in der Kategorie „hart, aber noch im Wesentlichen sachlich“ und ein Drittel mit erbitterten Kämpfen ab. Dennoch sollten gerade Eltern mit der Situation verantwortungsbewusst umgehen und die Kinder, welche die Trennung schon genug belastet, so weit wie irgend möglich vor den Auseinandersetzungen abschirmen. Frust über den ehemaligen Partner müsst ihr bei Freunden oder Eltern herauslassen. Bei euren Kindern bitte nicht! Diese brauchen dringend weiterhin beide Elternteile. Es gibt natürlich Fälle, in denen ein Partner so verantwortungslos handelt, dass keine vernünftige Verständigung möglich ist und schnelle gerichtliche Entscheidungen herbeigeführt werden müssen, aber die sollen ein anderes Mal behandelt werden. Wenn die Trennung unabwendbar ist, geht es zunächst um die Frage, wie es für alle weitergeht. Ganz wichtig sind zunächst eine Einigung über die gemeinsame Wohnung, bei wem die Kinder bleiben, und die Ausgestaltung des Umgangsrechts.
Wer die Hauptbezugsperson der Kinder ist, sollte dies auch weiterhin bleiben. Wenn es beide Elternteile zu gleichen Teilen waren, sollte das Wechselmodell, also der hälftige Wechsel bei der Betreuung, meist im Wochenrhythmus, ins Auge gefasst werden, ggf. auf dem Wege des Nestmodells: Die Kinder bleiben in der gewohnten Umgebung und die Eltern wechseln sich bei der Betreuung ab. Das ist für die Kinder an sich ideal, birgt jedoch ob der Tatsache, dass jeweils die ganze Wohnung übergeben wird (häufig mit ungewaschener Wäsche, ggf. des neuen Partners der Beteiligten), erhebliches Konfliktpotenzial. Das Nestmodell setzt also voraus, dass die Eltern noch recht gut miteinander können. Wenn die dreckigen Socken schon in der Beziehung ein Problem waren, ist das Nestmodell eher nicht die richtige Lösung. Auch sind weder Wechsel- noch Nestmodell rechtlich vorgesehen. Können sich die Eltern nicht einigen, wird die Hauptbezugsperson nach Befragung der Kinder (sehr belastend) gerichtlich festgestellt und bekommt vorläufig die Wohnung zugesprochen. Bei einem stark beruflich eingespannten Elternteil ist das Wechselmodell ohnehin schwer umzusetzen. Dennoch sollte auch in diesem Fall versucht werden, dass die Kinder möglichst viel Umgang mit dem Elternteil behalten, bei dem sie nicht wohnen. Es geht hierbei schließlich um das Wohl der Kinder, die beide Elternteile brauchen. Frust und Rachegefühle haben in Diskussionen um die Kinder nichts verloren. Entscheidungen über den Aufenthalt und auch wichtige Fragen der Erziehung sollen gemeinsam getroffen, getragen und den Kindern vermittelt werden, so schwer das manchmal auch fallen mag.
Das Jugendamt hilft bei Anfragen und vermittelt ggf. eine Mediation. Wenn die Punkte Aufenthalt und Umgang geklärt sind, ist meist die Regelung des Unterhaltes essenziell. Bei verheirateten Paaren ist vorgesehen, dass das Einkommen, unter Berücksichtigung von Verbindlichkeiten, Aufwendungen und eines Bonus für Erwerbstätigkeit, aufgeteilt wird, wobei der Unterhaltspflichtige das Notwendige behalten muss, um sein eigenes Leben finanzieren zu können. Im Gegensatz zu den Fragen von Aufenthalt und Umgang, welche die Eltern wenn möglich selbst lösen sollten, ist es hier durchaus sinnvoll, von Anfang an anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um zumindest die Rechtslage zu kennen. Auch bei unverheirateten Paaren ist der betreuende Elternteil für notwendige Betreuungsleistung finanziell zu entschädigen. Überall, wo dies vom unterhaltsverpflichteten Elternteil nicht geleistet werden kann, sollte dann staatliche Hilfe in Anspruch genommen werden, sei es Unterhaltsvorschuss oder Aufstockung des Lebensunterhaltes. Beim Sorgerecht gehen Gesetzgeber und Rechtsprechung, zumindest im Raum Nürnberg, davon aus, dass in der großen Mehrzahl der Fälle das gemeinsame Sorgerecht der richtige Weg ist. Da dieses im Alltag weniger Auswirkungen hat als die meisten Menschen denken, sollte auch hier möglichst einvernehmlich gehandelt werden. Beim Sorgerecht geht es, wenn der Aufenthalt geklärt ist, im Wesentlichen um Rechte und Pflichten bei der Mitwirkung in den Bereichen Kita und Schule. Hier gilt das Gleiche wie bei der Erziehung: Auch wenn der/die Ex nervt: Zähne zusammenbeißen und zusammenarbeiten. Schließlich sind dann Fragen wie gemeinsames Eigentum und Hausrat Punkte, die geklärt werden müssen. Der gemeinsam angeschaffte Hausrat steht beiden Partnern hälftig zu. In die Ehe eingebrachtes Gut gehört weiterhin dem ursprünglichen Eigentümer. Bei gemeinsam gekauften Immobilien kann der ausgezogene Partner in der Regel spätestens nach Scheidung der Ehe den Verkauf verlangen. Auch hier sollte aber nach Wegen gesucht werden, welche die Kinder möglichst wenig belasten. Merke: Es lässt sich alles regeln, ihr dürft euch streiten, aber haltet die Kinder so weit wie möglich raus.        

Wolf von Rosenstiel ist Rechtsanwalt für Familienrecht und teilt sein Wissen nicht nur in seiner Kanzlei, sondern auch in unserer ELMA

 

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