MÄH, MÄH… Roboter?

Jun 11, 2021 | LEBENSRAUM

Text: Sebastian Plischke

Wenn ihr die ersten Frühlingsgelegenheiten schon genutzt habt, um über weite Wiesen zu streifen, dann habt ihr vielleicht hier und dort schon mal bemerkt, dass nicht nur ihr eine Herde Kinder durchs satte Grün treibt, sondern auch: ein Schäfer seine Tiere. Die wolkigen Paarhufer sehen ulkig aus und machen noch ulkigere Geräusche, und dabei haben sie noch einen ganz anderen Auftrag, als bei euch Entzücken auszulösen: Sie mäh, mäh, määäh…en nämlich auf ganz natürlichem Weg die Wiesen und Felder, düngen sie ganz nebenbei und sorgen dafür, dass neue, kräftige Pflanzen nachwachsen können. 

Ich sag’s mal so: Nichts davon kann der kleine automatisierte Kumpel, den sich immer mehr Menschen zulegen, und der für mehr Unheil sorgt als er Gutes tut. Zumindest, wenn man nicht ganz genau hinschaut. Denn während sogenannte „Rasenroboter“ von Gartenmärkten & Co. zunehmend schlau als das Nonplusultra für jede noch so kleine Grünfläche angepriesen werden, werden auf der anderen Seite Warnungen laut: Die automatische Mähmaschine bringt Gefahr für die pflanzliche Artenvielfalt und die Tiere in eurem Garten – aber auch für Kleinkinder! 

Es ist klaro superpraktisch: Man geht ins Bett und wacht am nächsten Morgen in frisch gestutztem Rasengrün auf. Ganz bequem über Nacht hat der Roboter aber nicht nur zu langes Gras ausgemerzt, sondern dabei auch ziemlich viel Natur. Durch das meist sehr regelmäßige Mähen wächst zwar euer Rasen dicht und buschig, es verhindert aber gleichzeitig, dass Wildblumen, Kräuter und überhaupt alles, was Vielfalt gibt und blüht, zum Zuge kommt. Das ist vielleicht gut auf dem Golfplatz, aber nicht so gut für die Wildtiere, die in der Monokultur keine Nahrung mehr finden. 

Wer nicht nur keine Nahrung, sondern auf der Suche danach immer öfter schlimme Verletzungen oder gar den Tod findet, sind kleine stachlige Mitbewohner, die uns eigentlich am Herzen liegen: Weil sie so klein sind, werden Igel und vor allem Igelbabys von den meisten Robotern nicht erkannt – und weil die Automaten so leise sind, von den Tieren nicht gehört. Zerfetzte Schnauzen, aufgerissene Bäuche, skalpierte Köpfe oder abgetrennte Pfoten: Die schrecklichen Verletzungen, sagt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV), häufen sich, und die süßen Stacheltiere, die in Städten ohnehin kaum Platz zum Leben finden, landen immer häufiger beim Igelnotarzt. Unter igel-in-bayern.de findet ihr ganz viele Infos und Tipps, wie ihr dem Igel stattdessen helfen könnt. 

Festes Schuhwerk und ganz weit weg von kleinen Kindern – was fürs Handling herkömmlicher Rasenmäher gilt, ist beim Umgang mit Robotern erst recht superwichtig: Wie die Stiftung Warentest gezeigt hat, erkennen die meisten Geräte nicht nur keine Kleintiere, sondern auch keine Ärmchen oder Beinchen, die auf einer Wiese krabbeln. Alarmstufe dunkelrot also, die zeigt: Wenn schon Roboter, dann niemals ohne Aufsicht! 

Das Schöne ist: Wenn ihr also ohnehin im Garten sein müsst, dann könnt ihr euren Rasen eigentlich auch gleich selber stutzen. Es muss ja nicht gleich der Mähtraktor sein – ein mechanisch betriebenes Gerät reicht für kleine Gärten völlig aus. Oder ihr legt euch ein schönes dickes Wolkenschaf zu. Das kann auch mähen – und ist dabei garantiert kuschliger als der böse Roboter.

Sebastian Plischke ist nicht nur Fachmann im Garten- und Landschaftsbau, sondern auch in der ELMA

 

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