Badeotitis – eine typische Sommer-Erkrankung

Jun 14, 2021 | GESUNDHEIT UND FITNESS

Badeotitis – das klingt ein bisschen wie eine Aktion in einem Eventschwimmbad, ist aber eigentlich genau das Gegenteil davon. Denn wenn man sich so etwas eingefangen hat, ist es mit dem Schwimm- und Plantschspaß gleich vorbei. Es handelt sich nämlich um eine ziemlich schmerzhafte Entzündung des äußeren Gehörgangs. 

Text: Simone Blaß

Schwimmen, Stand-up-Paddling, Tauchen, Schnorcheln und mit Karacho vom Dreier springen – endlich wieder in den See oder das Schwimmbad, endlich Urlaub, Sonne, Wasser … und dann das! Das Kind klagt über starke Ohrenschmerzen, jammert und weint, hört möglicherweise schlechter. Ziemlich sicher hat es sich eine Badeotitis eingefangen, eine Infektion der Haut im Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell, die vor allem nach dem Baden und Schwimmen auftritt und daher auch als „Swimmer’s Ear“ bezeichnet wird. Bakterien haben es gerne feucht und warm. Die Atmosphäre, die in Schwimmbädern herrscht, Kinder, die im Wasser herumtoben und sich danach nicht richtig abtrocknen – ein Paradies für Mikroorganismen. Das stundenlange Plantschen tut sein Übriges, denn dadurch wird das Ohrenschmalz im Ohr aufgeweicht und verliert so seine schützende und wasserabweisende Funktion. Am häufigsten sind Erreger namens Pseudomonas aeruginosa oder auch Staphylococcus aureus die Auslöser für eine Badeotitis. Bakterienarten, die man über den pH-Wert im Ohr austricksen kann, indem man diesen mithilfe von Essigsäure ein wenig senkt und es ihnen so ungemütlich macht. Spezielle Ohrentropfen aus der Apotheke, auch Tauchertropfen genannt, funktionieren nach diesem Prinzip und werden vor einem ausgiebigen Wasserbad ins Ohr geträufelt.
In der Regel heilt eine Badeotitis innerhalb weniger Tage wieder ab – mit etwas Glück auch ohne Medikamente. Hausmittel der Wahl ist hier das klassische Zwiebelsäckchen. Dazu eine Handvoll Zwiebeln ganz leicht andünsten und noch warm, aber nicht heiß in ein Baumwollsäckchen geben. Dieses dem Kind immer wieder mal ein paar Minuten aufs Ohr legen. Das riecht zwar etwas streng, wirkt aber desinfizierend. Wer den Geruch gar nicht abkann, probiert es vielleicht erst einmal mit gekochten Kartoffeln, zermatscht und eingeschlagen in ein Geschirrtuch – aber Vorsicht: Immer erst am eigenen Ohr testen, damit die Masse nicht zu warm ist für das Kind. „Unterstützend kann man – gewichtsangepasst – Schmerzmittel wie Ibuprofen geben und vor allem das Ohr trockenhalten“, erklärt der Erlanger Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Frank Gottwald. „Wird es aber bis zum nächsten Tag nicht besser, solltet ihr mit dem Kind zum Arzt gehen. Denn wenn sich das Ohr richtig entzündet und geschwollen ist, dann reichen gängige Mittel nicht mehr aus. Dann braucht es antibakteriell wirkende Ohrentropfen, möglicherweise auch leicht cortisonhaltige Salben oder sogar Antibiotika.“ Wird die Infektion nämlich verschleppt, kann sich die Entzündung schnell in Richtung Mittelohr ausbreiten und zu sehr starken, behandlungsbedürftigen Schmerzen führen. Trotzdem: Nicht immer ist bei einer Ohrenentzündung gleich ein Antibiotikum notwendig. Und wo man kann, sollte man es möglichst vermeiden. Denn zum einen können sich Resistenzen bilden, das heißt, wenn es wirklich gravierend wird, wirkt das Antibiotikum vielleicht nicht mehr. Und zum anderen bringen diese Medikamente bei all ihrem Segen auch die ganze Bakterienbevölkerung in
unseremDarm durcheinander. Sie töten sozusagen bei ihrem Rundumschlag auch gute Bakterien ab und schwächen so den Körper. Bis hier dann wieder alles im Lot ist, dauert es eine Weile.

Kleine Wasserratten werden am besten vor einer Badeotitis geschützt, wenn nach dem Baden die Ohren immer vorsichtig mit einem Handtuch oder um den Finger gewickelten Taschentuch im äußeren Bereich abgetrocknet, wenn möglich sogar mit entsprechendem Abstand leicht geföhnt werden. Wenn das Kind zu Ohrenentzündungen neigt, können eine festsitzende Badekappe oder Schwimmerohrenstöpsel, die es auch für
Kinder gibt, gute Dienste leisten und das Ohr eine Weile schützen. „Es kann sinnvoll sein, vor der Badesaison beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine Prophylaxe zu machen. Hat sich nämlich unbemerkt ein Ohrenschmalzpfropf angesammelt und wird dieser nicht entfernt“, so Dr. Gottwald, „dann kann sich Feuchtigkeit halten und zu Entzündungen führen.“ Und er rät, auch auf In-Ear-Kopfhörer – die man übrigens regelmäßig desinfizieren sollte – zu verzichten, um Feuchtigkeit nicht im Ohr einzuschließen. Eine Maßnahme, die für den einen oder anderen (angehenden) Jugendlichen wahrscheinlich schmerzhafter sein dürfte als die Entzündung selbst. 

Dr. Frank Gottwald Erlanger Hals-Nasen-Ohren-Arzt

 

Wattestäbchen bescheren HNO-Ärzten regelmäßig Kundschaft

Kinderohren sollten immer nur ganz vorsichtig und möglichst nur mit einem feuchten, sauberen Baumwolltuch im äußeren Bereich des Ohres gereinigt werden und nie mit einem normalen Wattestäbchen. Denn bei dem besteht die Gefahr, dass das Ohr bei der Reinigung unbemerkt verletzt wird und Bakterien so ein sehr viel leichteres Spiel haben. Allein in den USA werden jährlich 12.500 Kinder in einem Krankenhaus behandelt, weil sie sich mit Wattestäbchen verletzen – bei über 70 Prozent davon haben es die Eltern mit der Reinigung zu gut gemeint. 

 

Das sind die typischen Badeotitis-Symptome:

Starke Ohrenschmerzen

Ausfluss

Druckgefühl

Juckreiz

Leichte Schwerhörigkeit

 

So erkennt ihr das Swimmer’s Ear:

Zieht vorsichtig am Ohrläppchen eures Kindes oder drückt leicht auf den äußeren Ohrknorpel  – wird der Schmerz schlagartig schlimmer, dann ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen für eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. 

 

X