Buchrezensionen

Apr 6, 2021 | Medien

„Ein klein wenig anders“

Schon mal etwas von einem Pluter gehört? Von diesen kleinen Wesen, die sooo stolz darauf sind, dass sie, wenn sie nur lang genug proben, alle gemeinsam und ganz synchron dunkle Wolken in die Luft pluuuufen können? Doch als sie das dem kleinen Leser vorführen wollen, tanzt einer aus der Reihe, und statt dunklem Rauch kommt erst mal gar nichts – und dann, mit einem dicken „Schuuuuf“, ein regenbogenfarbenes Herz. 

Das finden die anderen Pluter dann doch etwas befremdlich und wenden sich ab. Und wäre da nicht jemand, der den wahren Wert der schönen bunten Wolke erkennt, wer weiß, vielleicht hätte sich dann der kleine Aus-der-Reihe-tanz-Pluter anpassen müssen, um wieder mitspielen zu dürfen. Und wäre dabei sehr unglücklich geworden. Aber so ändert sein kleines buntes Herz bald die ganze Welt. Zumindest die der Pluter. Und ein bisschen auch die von Bilderbuchliebhabern aller Altersklassen. 

 

Geeignet für Kinder ab 2 Jahren 

Autorin/Illustratorin: Claire Alexander

Verlag: Loewe (ISBN: 978-3-7432-0888-9)

 

„Alles über Roboter“

Wieso-weshalb-warum: Das sind Bücher, die sich zwar nicht zum eigentlichen Lesen eignen, dafür umso mehr zum Stöbern, zum Immer-wieder-Drinherumlesen, und durch die zahlreich platzierten Infoklappen auch zum spielerischen Lernen. Und somit auch Bücher, die selbst besonders lesefaule Grundschulkids animieren, sie mal in die Hand zu nehmen, wenn das Thema passt. In diesem Band geht es um Roboter. Wo in unserem Alltag verstecken sie sich bereits schon, wie sind sie aufgebaut, was können sie, wo sind sie uns überlegen, und vor allem warum? Man erfährt, wieso Roboter ins Weltall fliegen und was sie dort machen, wie es ihnen gelingt, zu musizieren und wie sie heißen, wenn sie dem menschlichen Körper genau nachempfunden sind. Was leider nicht behandelt wird, ist die Frage, was sich daraus in anderen, zum Beispiel asiatischen Ländern, bereits entwickelt hat und was sich vor allem daraus noch entwickeln könnte. Nicht nur im positiven Sinne. Aber das ist vielleicht auch zu viel verlangt für ein Buch, dessen Zielgruppe sich im Grundschulbereich ansiedelt. Aber nur vielleicht. Denn vielleicht sollte man auch früh genug damit anfangen, Kinder mit dem, was sie definitiv später erwarten wird, vertraut zu machen. 

 

Geeignet für Kinder ab 6 Jahren

Verlag: Ravensburger

Band 47 aus der Reihe Wieso-Weshalb-Warum

ISBN: 978-3-473329854

 

„Voll relativ“

Dass die Eltern komisch werden, wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt – das ist ja nichts Neues. Auch nicht in Schnellbach. Aber Elli, Max und Basti sind noch gar nicht in der Pubertät und ihre Eltern verhalten sich trotzdem total seltsam. Packen alte Pantoffeln in Brotdosen, verteilen statt Strafzetteln Glitzersticker, geben den Kindern Kaffee statt Kakao – und dabei ist weder Freitag, der 13., noch Vollmond noch sonst irgendetwas, was so ein Verhalten vielleicht im Entferntesten entschuldigen würde. Und dann stellen die Kids auch noch fest, dass überall die Uhren geklaut wurden. In der Schule – und bei ihnen zuhause auch. Den Kindern scheint das nichts auszumachen, aber die Erwachsenen macht es im wahrsten Sinne des Wortes verrückt, wenn sie ihr Tun nicht mehr in Schemata pressen können. Professor Einstock, den die Kinder zufällig kennenlernen, scheint der Einzige zu sein, der nicht durchdreht. Und er hat eine Theorie: Was nicht existiert, kann auch nicht gestohlen werden. Denn eigentlich ist Zeit an sich völlig sinnlos, vor allem, wenn man niemanden hat, mit dem man sie teilen kann. Doch es gilt, Schnellbach zu retten, und so kommt es zu einer spektakulären Zeitreise.

Dieses Buch ist nicht schwer zu lesen. Kurze, einfache Sätze, einige Bilder, ein paar Fieslinge, düstere Zeitmaschinengeheimnisse und nicht zuletzt ein paar auflockernde Darmwinde – der eine oder andere Grundschüler dürfte begeistert sein.

 

Geeignet für Jungs und Mädchen ab 9 Jahren

Autor: Anastasia Braun

Verlag: Atrium – Woow Books (ISBN: 978-3-96177-076-2)

 

„Der Zwillings-Code“

Das Internet der Dinge ist doch eine geniale Sache: Der Kühlschrank kauft von selbst ein, die Heizung läuft schon, wenn wir verfroren nach Hause kommen, die Rollos gehen pünktlich abends runter und das Licht geht an, obwohl wir gar nicht da sind. Ist cool, aber auch nicht ungefährlich. Zumindest dann nicht, wenn die Algorithmen sich selbstständig machen und die Menschen und ihren Sozialstand – ähnlich dem, den es in China bereits gibt – für sie nicht mehr nachvollziehbar, up- aber auch downgraden. Und wenn von diesem Punktestand abhängt, wo man leben und was man lernen bzw. arbeiten darf, kann es heikel werden. So wie bei Vincent. Er ist siebzehn und jetzt schon bei Doppel-C. Sehr viel tiefer geht es nicht mehr. Als er – nicht zuletzt dank der verborgenen Hinweise seiner toten Mutter – einer Parallelwelt auf die Spur kommt, wird es gefährlich. Nicht nur für ihn … Denn er und seine Freunde müssen den Code finden, den Zwillings-Code, von dem die Zukunft der Menschen abhängt. 

Wer auf Dystopien steht, ist hier genau richtig. Und endlich geht es mal nicht um Viren. Das Szenario allerdings ist fast noch düsterer. Und vielleicht ebenfalls gar nicht so weit von uns entfernt, wie wir mal wieder denken. 

 

Geeignet für Jugendliche ab 13 Jahren

Autor: Margit Ruile  

Verlag: Loewe (ISBN: 978-3-74320324-2)

 

Text: Simone Blaß

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