Immer voll mitgehen

Mrz 31, 2021 | HELDENREICH

Die E-Sport-Community wächst weltweit, und auch Frankens Zocker mischen kräftig mit. Lars Gröpl, 17 Jahre aus Nürnberg, ist einer dieser digitalen Sportskanonen. Zwar noch nicht in der Profi-Liga, aber mit großen Ambitionen. Ein Gespräch über krachende Niederlagen, Fitness und Gemeinschaft am Bildschirm.

Text: Manuela Prill

„Mein erstes Turnier?“ Lars muss lachen. „Tja, da hab ich ganz schön auf die Schnauze gekriegt und gar nichts gewonnen.“ Gut zwei Jahre ist das her. Nintendo hatte gerade das Strategie-Kampfspiel „Super Smash Bros. Ultimate“ neu auf den Markt gebracht. „Ein Schulkamerad, der schon länger auf Turnieren dabei war, hat es mir gezeigt und gemeint, das könnte auch was für mich sein“, erinnert sich der 17-Jährige. Der Kumpel sollte recht behalten, Lars war angefixt: nicht nur von dem „unglaublich komplizierten“ Spiel, sondern auch vom Wettkampf und besonders von der Gamer-Gemeinschaft. Da kommt er ziemlich ins Schwärmen. „Man trifft super viele nette Leute, das ist schon sehr, sehr toll!“

Als es los ging mit digitalen Spielewelten, da war Lars noch lange nicht geboren. Erinnert sich jemand an „Pong“ – den Videospiel-Urknall aus den 70ern? Mit zwei beweglichen Balken und einem weißen Punkt konnte man zusammen via Konsole auf dem Bildschirm Tennis spielen. Kaum zwei Jahrzehnte später wurde auf LAN-Partys mittels lokaler Netzwerke schon in größerer Runde am PC gezockt – weitaus komplexere Spiele natürlich. Zu dieser Zeit etablierte sich auch der Begriff „E-Sport“, erste nationale Ligen und Wettbewerbe entstanden. Dank Internet ist die Community heute weltweit vernetzt.

Lars’ Anfänge waren Gameboy und Pokémon. „Schon seit ich ganz klein war, habe ich es geliebt, diese Welten zu erkunden“, erzählt er. Allein daheim im Kinderzimmer und einfach nur „just for fun“. Bis eben jener Freund den Wettkampfgeist in ihm geweckt hat. Lars ist „Super Smash Bros.“ trotz der anfänglichen krachenden Niederlage treu geblieben und arbeitet sich seitdem langsam nach oben. „Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich mein erstes Turnier gewonnen habe.“ Das war zwar nur ein kleiner Wettbewerb in Fürth, aber mit starker Konkurrenz: „Es gibt ziemlich viele gute Spieler hier in Nürnberg und Umgebung“, betont Lars, der mittlerweile auch bundesweit an E-Sport-Events teilnimmt, zum Beispiel in Düsseldorf, Köln oder Frankfurt. Das Ziel des Super Smashers? „Unter die Top 20 im Bayerischen Powerranking zu kommen, wäre schon cool, aber das ist noch ein langer Weg“, ist ihm bewusst. Völlig okay für den jungen Mittelfranken, weil der Weg mit ziemlich viel Spaß gepflastert sein dürfte. E-Sportler haben ja den Ruf, einsame Nerds zu sein. Stimmt so nicht. Lars spielt und trainiert am liebsten in Gemeinschaft. Er findet: „Es ist einfach was ganz anderes, wenn du neben einem Menschen sitzt und gegen ihn spielst, als wenn du allein online auf deinen Bildschirm starrst.“ Weil es sich so viel besser „übers Leben und so“ quatschen lasse. Vor Corona war der 17-Jährige, der gerade im zweiten Ausbildungsjahr zum Anlagenmechaniker steckt, aktives Mitglied im Verein „Project HIVE“, einer recht rührigen E-Sport- und Gaming-Community für den Raum Nürnberg. Das Kollektiv trifft sich im Nürnberger „Haus des Spiels“ und veranstaltet dort selbst Turniere. Sidekick: Das „Haus des Spiels“ war lange eine Hochburg des analogen Spielens: Mehr als 300 000 Brett- und Kartenspiele lagern im Archiv. 2018 ist man mit der Vision gestartet, ein „innovativer kultureller Leuchtturm der analogen wie auch der digitalen Spielkultur zu werden“. Verstärkt sollen also ebenfalls jene Welten abgebildet werden, in die per Smartphone, Konsole und Computer eingetaucht wird. Doch mit dem Lockdown war es dort auch für die E-Gamer Essig mit Treffen, Spiele-Sessions und Wettkämpfen im nicht-virtuellen Raum. Lars hat das sehr vermisst.

E-Sportler kämpfen gegen noch ein Vorurteil: Sie seien ja gar keine „richtigen“ Sportler. In Deutschland gibt es inzwischen zwar einen E-Sportbund (ESBD) und darunter organisierte „Clans“, also Mannschaften, aber offiziell anerkannt sind ihre Disziplinen (darunter Sportsimulationen, Echtzeit-Strategie- und Ego-Shooter-Spiele) nur in einigen wenigen Ländern wie Südkorea, China oder Frankreich. Die Szene wächst hierzulande trotzdem kontinuierlich; laut ESBD begeistert E-Sport rund drei Millionen deutsche Spieler. Mehr und mehr klassische große Sportvereine richten eigene E-Sport-Abteilungen ein. Beim 1. FC Nürnberg etwa kickt man schon seit 2017 auch in der virtuellen Bundesliga. Gamer Lars geht mit Zweiflern auf seine ganz eigene Art um. „Ich drück denen meine ‚Switch‘ in die Hand und sag: Versuch mich zu schlagen; wenn du es schaffst, mir nur ein einziges Leben abzuziehen, kriegst du zehn Euro.“ Hat bisher noch kein Laie geschafft. Es braucht halt doch ein wenig mehr als nur fitte, flinke Finger am Controller. Nämlich? „Eine sehr gute Konzentration, Wachsamkeit, weil man auf so vieles gleichzeitig achten muss.“ Nicht zu vergessen eine gute Portion Cleverness, um schlaue Strategien und Taktiken zu entwickeln – wie halt auf dem echten Sportplatz auch. Und was ist mit körperlicher Fitness? Lars grinst. „Also ich würde mich beim Spielen als hyperaktiv bezeichnen, weil ich immer voll mitgehe!“

 

E-Sport zum Anklicken:

ESBD – eSport-Bund Deutschland e.V.

>> esportbund.de

Aktuelles von den E-Sportlern des 1. FCN
>> twitter.com/fcn_esports

E-Sport-Abteilung des 1. FC Bamberg
>> fce2010.de/esports-abteilung/

Project HIVE Nürnberg
>> facebook.com/ProjectHIVEnbg/

Franken Finals
Das größte E-Sport-Turnier Nordbayerns (Spiel: League of Legends) findet auch 2021 wieder statt, voraussichtlich im Sommer.
>> frankenfinals.de

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