Ab in die Tiefe – unsere Höhlen entdecken

Mrz 31, 2021 | LEBENSRAUM

„Da ist eine Höhle!“ – und schwupps, schon sind die Kinder in einem dunklen Loch verschwunden, um wenig später aufgekratzt und mit dreckigen Hosenbeinen wieder daraus hervorzukriechen. Eine zufällig entdeckte Höhle am Wegesrand bei einer Wanderung weckt bei den Kleinen den Entdeckerdrang – und, seien wir ehrlich, auch oft bei den Großen. Dann ist es höchste Zeit, auch die schönsten Schauhöhlen in der Region als Ausflugsziele ins Visier zu nehmen.

Text: Alisa Müller

Mit der Fränkischen Schweiz haben Höhlenbegeisterte der Region ein Paradies direkt vor der Haustür: Knapp 4000 (!) bekannte Höhlen gibt es hier, und sicher viele, die noch unentdeckt geblieben sind. Denn bis heute existiert kein Verfahren, um Höhlen zuverlässig aufzuspüren. Doch warum gibt es gerade hier so viele Höhlen? Die Fränkische Schweiz besteht aus Kalk: Vor 150 Millionen Jahren war dort, wo wir heute leben, noch ein flaches Meer, auf dessen Boden sich Kalkschlamm absetzte. Und Kalk löst sich im Wasser – die unschönen Schlieren an den Wänden von Wasserkochern zum Beispiel zeigen, wie viel Kalk in unserem Trinkwasser gelöst ist. Wenn ein unterirdischer Fluss über Jahrmillionen Kalk aus dem Gestein wäscht, entstehen Hohlräume, die zu großen Höhlen anwachsen können.

„Das, was wir in Höhlen zu Gesicht bekommen, ist älter als alles, was wir kennen“, erklärt Birgit Hoffmann von der Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken e. V. (FHKF) die Faszination, die von Höhlen ausgeht. „Vielleicht denken wir, das Sandsteinhaus in Nürnberg ist alt oder das Kolosseum in Rom. Aber eine Höhle ist noch zig Millionen Mal älter.“ 

Am deutlichsten werden die unfassbar langen geologischen Zeiträume an den Tropfsteinen, die sich als imposante Gebilde in vielen Schauhöhlen in der Region finden. Als Schauhöhlen werden im Gegensatz zu Naturhöhlen solche Höhlen bezeichnet, die zum Beispiel mit Lichtinstallation und markierten Wegen extra für Besucher aufbereitet wurden. Tropfsteine entstehen, wenn Wasser mit gelöstem Kalk durch die Höhlendecke dringt. Ein wenig Kalk bleibt an der Decke zurück, genauso wie auf dem Boden, auf den der Tropfen fällt. In einem für uns Menschen unsichtbaren, weil unendlich langsamen Prozess entstehen so Tropfen für Tropfen beeindruckende, meterhohe Strukturen – die Stalaktiten und Stalagmiten.

Höhlen gewähren uns so einen Blick zurück in die Erdgeschichte: Anhand des Gesteins, winzig kleiner Kristalle und des Wachstums der Tropfsteine können wir herausfinden, wie das Klima in unserer Region vor Jahrmillionen war. Tierknochen verraten, welche Tiere einst in Höhlen gelebt haben. Und auch heute noch sind viele heimische Tierarten auf Höhlen angewiesen – die bekanntesten sind sicher die Fledermäuse. Zu ihrem Schutz ist das Betreten von Höhlen von Oktober bis März, wenn die kleinen Säuger Winterschlaf halten, verboten.

Wen jetzt die Abenteuerlust gepackt hat, dem rät die Höhlen-Expertin Birgit Hoffmann, am besten mit einer Schauhöhle anzufangen: „Da kann jeder testen, ob einem die Dunkelheit und Kälte behagt.“ Auch bei vielen Wanderwegen liegen Höhlen, die meterweit in den Fels führen, am Wegesrand. Aber Achtung, der Boden kann uneben sein und plötzlich abfallen! Wer noch mehr will und Interesse an der Höhlenforschung entwickelt, sollte sich an einen Verein wie die FHKF wenden.

 

Ein paar der schönsten Schauhöhlen der Region haben wir uns für euch ein bisschen genauer angeschaut – wer wird das Quartett gewinnen?

 

Checkliste für die Höhlentour

  • eine oder besser zwei Taschenlampen – nicht das Handy!
  • warme Kleidung, die dreckig werden darf
  • festes Schuhwerk
  • Ehrfurcht und Neugierde

 

Sophienhöhle

Bei Kirchahorn (Landkreis Bayreuth)

Führungsdauer 

  1. 40 Minuten

Länge des Besichtigungswegs 

200 Meter

Wann entdeckt? 

1833

Seit wann Schauhöhle? 

Angeblich schon seit 1834.

Öffnungszeiten 

  1. März bis 7. November 2021, Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:30 bis 17 Uhr durchgehend; Mai bis September außerdem „Sophie at Night“, Samstag von 18 bis 20 Uhr. Ansonsten nach Anmeldung.

Attraktionen in der Umgebung

Burg Rabenstein mit Falknerei, Promenadenweg, Klaussteinkapelle.

Preise

Erwachsene 7 Euro; Kinder (4 bis 14 Jahre) 4 Euro

Sophie at Night: Erwachsene 8,50 Euro; Kinder (4 bis 14 Jahre) 5 Euro

Webseite

burg-rabenstein.de/ausflugsspass/sophienhoehle

 

 

Maximiliansgrotte

Bei Krottensee (Landkreis Nürnberger Land)

Führungsdauer 

30-40 Minuten

Länge des Besichtigungswegs 

Ca. 500 Meter

Wann entdeckt? 

Wiederentdeckt 1833; 1703 wurde ein Tagschacht als Massengrab benutzt; vor 400 Jahren waren Soldaten von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz in der Grotte.

Seit wann Schauhöhle? 

1880

Öffnungszeiten 

Ostern oder spätestens 1. April bis 1. November, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen stündliche Führungen von 10 bis 17 Uhr, werktags nicht um 13 Uhr.

Attraktionen in der Umgebung 

Steinerne Stadt (Klettertouren), Felsenlabyrinth Weißingkuppe, Burg Veldenstein (wird derzeit renoviert).

Preise

Erwachsene 4,50 Euro; Kinder 3,50 Euro; mit Ermäßigung jeweils 50 Cent billiger

Webseite

maximiliansgrotte.de

 

 

Teufelshöhle

In Pottenstein (Landkreis Bayreuth)

Führungsdauer 

  1. 45 Minuten

Länge des Besichtigungswegs 

  1. 1500 Meter

Wann entdeckt?

Durchbruch vom Teufelsloch zum Höhlensystem 1920

Seit wann Schauhöhle? 

1922

Öffnungszeiten 

Ende März bis Anfang November (Palmsamstag bis Ende bayerische Herbstferien) täglich von 9 bis 17 Uhr; im Winterhalbjahr Sonntag von 11 bis 15 Uhr, in den Weihnachtsferien täglich außer 24.12. und 25.12. von 11 bis 15 Uhr.

Attraktionen in der Umgebung 

Pottensteiner Erlebnismeile, u. a.: Bootsverleih, Felsenbad, Sommerrodelbahn, Kletterwald, Public-Golfanlage, Elektro-Kartbahn, Minigolf, Familienbad „Juramar“, Fossilklopfplatz Hohenmirsberg, Felsengarten Klumpertal.

Preise

Erwachsene 5 Euro; Kinder (4 bis 15 Jahre) 3 Euro; Familienkarte (Eltern mit bis zu drei Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren) 13,50 Euro

Webseite

pottenstein.de/startseite-teufelshoehle

 

 

Schulerloch

In Essing (Landkreis Kehlheim)

Führungsdauer 

30 Minuten

Länge des Besichtigungswegs 

350 Meter

Wann entdeckt?

Erstmals erwähnt 1783.

Seit wann Schauhöhle? 

1828

Öffnungszeiten 

Ab 1. April bis zum Ende der bayerischen Herbstferien täglich von 10 bis 16 Uhr, im Sommer ist die letzte Führung um 16:30 Uhr.

Attraktionen in der Umgebung

Falknerei auf der Rosenburg, Ritterburg über Prunn, Wandern: Jurasteig und Altmühl-Panoramaweg.

Preise

Erwachsene 6 Euro; Kinder (4 bis 15 Jahre) 4,50 Euro

Webseite

schulerloch.de

 

 

Binghöhle

In Streitberg (Landkreis Forchheim)

Führungsdauer 

  1. 40 Minuten

Länge des Besichtigungswegs 

300 Meter

Wann entdeckt?

1905

Seit wann Schauhöhle? 

1938

Öffnungszeiten 

  1. März bis 7. November, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Attraktionen in der Umgebung 

Burgruine Neideck, Geologischer Pfad, Streitburg.

 

Preise

Erwachsene 5 Euro (ermäßigt 4,50 Euro); Kinder (4 bis 14 Jahre) 3 Euro; Schüler (15 bis 17 Jahre) 4 Euro; Familienkarte (Zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren) 14 Euro; Kinderführungen (Märchen-, Abenteuer- oder Themenführung „Alles über Fledermäuse“): Kind 3,50 Euro, Familienkarte 15,50 Euro

Webseite

binghoehle.de

 

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