Lernen mit und für die Natur

Feb 18, 2021 | LEBENSRAUM

Was fällt euch spontan beim Wort „Umweltstation“ ein? Wir bei ELMA dachten ja zuerst an meteorologische Messgeräte und Menschen, die dreimal am Tag an entlegenen Orten Niederschlagsmengen prüfen. Weit gefehlt! Die staatlich anerkannten bayerischen Umweltstationen sind spannende Lernorte für jedermann. Natur und Nachhaltigkeitsbildung stehen im Mittelpunkt, und das wird vor allem ganz praktisch vermittelt. Ausprobieren, forschen und selbst erleben gehört zum Konzept. Denn das wusste schon Goethe: „Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden.“ 

Text: Manuela Prill

58 durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz anerkannte und geförderte Umweltstationen gibt es aktuell im Freistaat – elf davon allein in der Metropolregion. Sie werden von unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Institutionen wie Kommunen, Umweltverbänden oder Vereinen betrieben. Die Definition des Ministeriums wirkt etwas sperrig: „Umweltstationen sind Einrichtungen der außerschulischen Bildung.“ Puh! Klingt nicht so prickelnd. Auch der Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE), der das übergeordnete Konzept aller Umweltstationen beschreibt, lockt nicht unmittelbar hinterm Ofen hervor. Interessant wird’s aber durchaus, wenn man entdeckt, was alles hinter dem trockenen Bürokratensprech steckt. Was also bedeutet „nachhaltige Bildung“ und welche Ziele sind damit verknüpft? Natürlich ist uns das Thema „Nachhaltigkeit“ inzwischen vertraut, es ist in unserem Alltag angekommen. Wir versuchen Plastik zu vermeiden, kaufen regional ein oder überlegen kritischer, wo bzw. wie wir Urlaub machen. Wir denken mehr darüber nach, welche Auswirkungen unser Konsumverhalten auf unsere Umwelt hat. Wir tun das auch, weil wir mittlerweile mehr über die globalen Zusammenhänge wissen. Und genau da setzt nachhaltige Bildung an: Es braucht Wissen, um die Welt besser zu machen. Man muss verstehen, wie Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft sich gegenseitig beeinflussen. Dann, so die Idee, setzen auch Bewusstsein und Verständnis dafür ein, dass das eigene Handeln immer Konsequenzen hat – für einen selbst und andere, die eigene direkte Umgebung und weit darüber hinaus. „Ein solches Denken ist dringend notwendig, um Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme wie den Raubbau an der Natur oder die ungleiche Verteilung von Reichtum anzugehen“, formuliert man es bei der Umweltstation Jugendfarm Erlangen. BNE will Menschen fit darin machen, zukunftsfähig zu denken und zu handeln. Und das auf ganz unmittelbare, spielerische und interaktive Art. Hier kommt endlich der Spaß ins Spiel! Denn die praktische Umsetzung von BNE bedeutet in allen Umweltstationen: mitmachen, selber ausprobieren, forschen, entdecken und verstehen. Übrigens: Ums Wetter geht’s hier tatsächlich auch manchmal …

 

ELMA stellt euch acht Umweltstationen in der Metropolregion vor.

Bitte beachtet online die jeweils aktuellen Hinweise hinsichtlich coronabedingter Einschränkungen!

LBV Umweltstation Altmühlsee
Muhr am See

Für Hobby-Ornithologen und alle, die es werden wollen! Das rund 200 Hektar große Naturschutzgebiet „Vogelinsel im Altmühlsee“ ist Lebensraum für zahlreiche, zum Teil sehr seltene Vogelarten. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) Bayern betreut das Gebiet seit seiner Entstehung vor über 30 Jahren gemäß dem Motto „Wir bringen Naturschutz und Tourismus zusammen“. Die Insel kann auf einem Rundweg mit Aussichtsturm auf eigene Faust erkundet werden. Wer mehr darüber wissen möchte, was da alles flattert, brütet, singt und schwimmt, dem seien die natur- und vogelkundlichen Führungen ans Herz gelegt, die ab Mitte März wieder starten. Mehr über die Entstehung des Altmühlsees und seine Bedeutung für Flora und Fauna lässt sich in einer interaktiven und multimedialen Ausstellung in der Station erfahren.
>> altmuehlsee.lbv.de

 

LBV Umweltstation Rothsee
Hilpoltstein

Wie ein großes Vogelnest schmiegt sich die Umweltstation an das Ufer des Rothsees. Passt prima, schließlich kann man vor Ort viele heimische Piepmätze in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Überhaupt ist hier jeder richtig, der sich für Wasserbewohner interessiert, angefangen vom Wasserfloh über Muscheln und Krebse bis hin zu Raubfischen. Baumdetektive, Heckenentdecker oder Wiesenwissenschaftler kommen aber ebenfalls voll auf ihre Kosten. Eine besondere Perspektive auf den See verspricht eine Gruppentour mit dem selbst gebauten Drachenruderboot. Schult die Teamfähigkeit! Im Innenbereich der Station warten wechselnde Ausstellungen, auf dem Dach ein Deck für Klimaforscher. Innen- wie Außengelände sind barrierefrei zugänglich.
>> rothsee.lbv.de

 

LBV Umweltstation Fuchsenwiese
Bamberg

Ob sich Fuchs und Hase hier gute Nacht sagen? Denkbar wär’s, so idyllisch wie das Gelände einer ehemaligen Ziegelei am südwestlichen Stadtrand daherkommt. An die 12 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene kommen hier alljährlich der Natur näher – im vielfachen Wortsinn. Natur erleben wird verknüpft mit Natur verstehen  – von Tieren und Pflanzen bis hin zu Nachhaltigkeitsthemen wie Konsumverhalten, Ernährung, Klimaschutz oder Energie. Mit ihrem Umweltbildungs-Jahresprojekt rückt die Fuchsenwiese 2021 „Trendsportarten & Naturschutz“ in den Blickpunkt.
>> fuchsenwiese.lbv.de

 

LBV Umweltschutz-Informationszentrum Lindenhof

Bayreuth

Schon mal weiße Esel mit blauen Augen gesehen? Nicht? Dann solltet ihr Richard und Rudolf kennenlernen, zwei Barockesel, die auf der Umweltstation Lindenhof daheim sind. Ein Besuch lohnt sich auch wegen Gockel Constantin, den Weidekühen und all den anderen Tieren. Da wäre zum Beispiel noch der Igelgarten, das einzige Schaugelände zum Igel in Bayern. Hilft, den kleinen Stachler besser kennenzulernen: Was braucht er, welchen Gefahren ist er ausgesetzt, wie kann man ihm zu Hause helfen? Nicht nur gucken, anfassen ist auch im Lindenhof die Losung. In seinen Gärten mit Hochbeeten, auf dem Energiepfad, im Naturkundemuseum und nicht zuletzt auf dem Abenteuerspielplatz mit Kletterwand und Matschecke.
>> oberfranken.lbv.de/umweltstationen/lindenhof-1/

 

Umweltstation Jugendfarm Erlangen e.V.

Gut möglich, dass ihr hier selbst schon als Kinder auf Bäume gekraxelt seid oder Stockbrot gefuttert habt, denn der Ursprung der Jugendfarm geht in die 1970er Jahre zurück. Seit 2015 trägt die inklusive Einrichtung den offiziellen Titel Umweltstation. Auf dem weitläufigen Gelände mitten im Meilwald gibt es viel zu entdecken: Gartenflächen, Teichbiotop, Seilgarten, Aktivspielplatz und so einiges mehr. Etwas ganz Besonderes sind die vielen tierischen Bewohner, zum Beispiel Bienen, Katzen, Kaninchen, Ziegen, Esel und Pferde – tiergestützte Pädagogik ist einer der Eckpfeiler des Jugendfarm-Konzepts. Die Kinder können die Ponys nicht nur füttern, sondern lernen auch gleichzeitig, wo ihr Heu eigentlich herkommt – ganz im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es gibt eine „Offene Tür“, Gruppenangebote, Kurse, Projekte und Ferienprogramme u. a. zu den Themenfeldern Umweltbildung, Naturerfahrung, Erlebnispädagogik, Gesundheit und Ernährung, Handwerk und Kreatives.
>> jugendfarm-er.de

 

Umweltstation Lias-Grube
Eggolsheim

Einst ein Abbaugebiet für Ton, jetzt ein 17 Hektar großes Eldorado für Frösche, Vögel, Insekten – und Naturforscher. Hier kommen insbesondere Fernglas, Becherlupe oder Kescher gerne zum Einsatz. Und logo, dass man auch mit Lehm auf Matschtuchfühlung gehen kann! Der Veranstaltungskalender ist ganzjährig prall gefüllt, ebenso das Portfolio an buchbaren Angeboten für Schulen, Kitas und Gruppen. Unser Favorit: „Outdoor Survival: Lautlos durch’s Gelände pirschen, ein Abenteuer durch den Wald erleben und danach einen Unterschlupf bauen.“ Selbst an die ganz Kleinen bis sechs Jahre wurde gedacht. Die „Schnullermäuse“ und die „Lias-Zwerge“ gehen regelmäßig auf Expedition. Wer die Station nächtens erleben will, kann im Hüttendorf in einem kuscheligen Holz- und Lehmhäuschen übernachten.
>> umweltstation-liasgrube.de

 

Umweltstation Hämmerleinsmühle

Werkstatt für Ökologie und Sozialarbeit  e. V.

Georgensgmünd

Umweltbewusstes Denken und konkretes Handeln zu fördern, hat sich der Verein schon bei seiner Gründung 1988 als Ziel auf die Fahne geschrieben. Und setzt dieses seitdem ganz praktisch um: in der „Kunterbunten Kinder-Werkstatt“ erfahren 6- bis 11-Jährige Spannendes über Lebensmittel und wie man sie retten kann. Sie rollen Samenbomben, kreieren Neues aus alten Klamotten oder machen sich auf die Suche nach Strom fressenden „Energiemonstern“ im Haushalt. Auch Mama und Papa dürfen alleine oder gemeinsam mit dem Nachwuchs kreativ werden, etwa beim ursprünglichen Filzen, in der Spinnstube, in Workshops zur Seifenherstellung oder beim Obstbaum-Schneidekurs. Und das alles umrahmt von einem herrlich grünen, rund 2000 Quadratmeter großen Kulturgarten.
>> haemmerleinsmuehle.de

 

Umweltstation Kinder- und Jugendmuseum Nürnberg

Die Tier-Expertern vom Kindermuseum Nürnberg Konrad, Jonas und Julian (vlnr) beobachten eine Achatschnecke, wie sie über eine scharfe Klinge kricht.
Foto: Manuela Prill; 28.09.2020

„Hands on – Minds on“ ist die Devise, also anfassen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht! Wer einmal ausprobiert hat, wie schweißtreibend Uroma einst Wäsche gewaschen hat oder wie eigentlich aus Getreide Mehl entsteht, wird eher begreifen, wie wertvoll Wasser und Brot sind. Man kann im Regenwaldhaus hautnah tropische Tiere erleben, sich am neuen Modellbaum die Photosynthese erkurbeln oder Nachwuchsforscher in Sachen „Schatzkammer Erde“ werden. Aber nicht nur drinnen hat das Kindermuseum einiges zu bieten. Ab dem Frühjahr summen auf dem Außengelände wieder fleißige Honigbienen. Als „Museum im Koffer“ ist das Kindermuseum übrigens auch mobil unterwegs.

 >> kindermuseum-nuernberg.de

 

Surftipp

Corona macht es den Umweltstationen zurzeit nicht leicht. Darum haben die LBV-Bildungseinrichtungen mit „Naturschwärmer“ ein gemeinsames Online-Angebot an den Start gebracht. Hier gibt’s jeden Monat Naturvideos, Podcasts, Bastelanleitungen, Spiele, Rezepte und Nachhaltigkeits-Challenges für zu Hause.
>> naturschwaermer.lbv.de

 

Alle Texte: Manuela Prill

 

Fotonachweise: 

Altmühlsee, Blick auf Vogelinselturm: Martina Widuch

Altmühlsee, Kinder vorm Vogelinselturm: Hilde Bickel

Fuchsenwiese, Fuchswiesenteich: Umweltstation Fuchsenwiese

Fuchsenwiese, Lagerfeuer: Umweltstation Fuchsenwiese

Fuchsenwiese, Tomatenernte: Umweltstation Fuchsenwiese

Hämmerleinsmühle, Filzen: Werkstatt für Ökologie und Sozialarbeit e. V.

Hämmerleinsmühle, Nachhaltigkeitskoffer: Werkstatt für Ökologie und Sozialarbeit e. V.

Kindermuseum Nürnberg: beide Manuela Prill

Liasgrube, Ansicht Hüttendorf: Umweltstation Lias-Grube

Liasgrube, Kindergruppe: Umweltstation Lias-Grube

Liasgrube, Teich: Umweltstation Lias-Grube

Lindenhof: LBV Umweltstation Lindenhof

Rothsee, Hauptgebäude: LBV Umweltstation Rothsee

 

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