In einem Bächlein helle …

Feb 22, 2021 | MAHLZEIT

Text: Katja Jäkel

…, da schoss in froher Eil, die launische Forelle vorüber wie ein Pfeil“, sang meine Mutter jedes Mal freudig, wenn bei uns Fisch auf den Tisch kam. Und erntete damit lange Gesichter. Denn, mal ehrlich, welches Kind isst freiwillig gerne Fisch in Tomatensoße? Kabeljau oder Karpfen – Fisch ist meistens „bäh“. Fischig eben. Außer man presst ihn zu gleichmäßigen Alaska-Seelachs-Stangen, paniert ihn und nennt ihn „Fischstäbchen“. Komisch. Da schmeckt er plötzlich. Es gibt aber auch (eher wenige und sehr teure) Kinder, die für ein bisschen Sushi wonnig die Augen verdrehen. Und gerade in späteren Jahren können aus kindlichen Kostverächtern durchaus leidenschaftliche Liebhaber werden. Wenn es beispielsweise um den guten alten Karpfen geht. Bereits Ende August zählen dessen Fans die Tage, bis endlich der erste Monat mit einem „r“ im Namen, der September, beginnt, die Saison eröffnet und der Weg frei ist für sonntägliche Vergnügungs-Genussfahrten in die Fränkische. Inklusive Verdauungsspaziergang danach um einen der vielen 1000 Teiche herum. Das macht auch den Kids Spaß. Bis Ende April heißt es dann „Gebacken oder blau?“ Denn nur in den R-Monaten soll der „Cyprinus carpio“ von vollkommener Qualität sein. Man sagt, bereits die Römer hätten ihn domestiziert und in Teichen gehalten, im Mittelalter gehörte er schon fest zur Esskultur. Er durfte, anders als Fleisch, während der Fastenzeit trotzdem auf den Tisch. Während die Krapfen schon „personae non gratae“ waren. 

Franken ist ja quasi eine Karpfen-Hochburg und hat eine 1000-jährige Geschichte. Vor allem der Aischgrund ist voll von dieser Spezialität. Serviert wird der Fisch als „Halber“ klassisch mit Kartoffelsalat. Da rutschen dann auch versehentlich verschluckte Gräten leichter. Wobei auch die fränkischen Wirte sich modernisiert haben. Auf der Speisekarte stehen mittlerweile knusprige Karpfenchips, Karpfen-Sushi oder Karpfen auf thailändische Art in Kokoscreme gleich neben dem Blauen. Immer öfter bestellen sich die Gäste übrigens gleich ein Filet. Denn dann lässt es sich fabelhafter parlieren, ohne sich permanent im Mund rumzufuhrwerken, um diese verflixt vielen Gräten zu fassen. Das ist halt der große Nachteil am Fischessen. Um zurück zum Nachwuchs zu kommen. Man kann versuchen, die Kinderlein zu sozialisieren, indem man ihnen die kleinen Karpfen-Bäckchen schmackhaft macht. Trotzdem. Einen traditionellen Pfefferkarpfen zu genießen und gleichzeitig den Kindern Tischmanieren beizubringen – schwierig. Am besten ist es, man gibt die süßen Kleinen bei Oma und Opa ab und macht sich einen fischig-ruhigen, harmonischen Abend zu zweit. Vorausgesetzt, es stehen keine zu diskutierenden Familien-Themen an.

Solange wir den Fisch nicht vom Porzellanteller im Lieblings-Restaurant genießen dürfen, holen wir ihn uns eben nach Hause. Das geht auch im Lockdown. Zum Beispiel beim „Willersdorfer Rittmayer“ in Hallerndorf, im „Landgasthof Niebler“ in Adelsdorf-Neuhaus. Oder – wer die Stadt nicht verlassen mag – in der „Gaststätte beim Königshof“ In Nürnberg. Und streamen für die Kids „Findet Nemo“. 

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