Buchrezensionen

Feb 22, 2021 | Medien

„Nino, das Glühwürmchen“

Nino, das Kinderglühwürmchen, ärgert sich. Da gibt er sich nächtelang Mühe, ganz toll zu leuchten, und anstatt dass das jemand zur Kenntnis nimmt, bewundern alle nur den Mond. Mama Glühwurm hat wenig Verständnis für das Gejammer ihres Sohnes. Schließlich ist es nicht seine Aufgabe, die Nacht zu erhellen, sondern sie zu verzaubern. Der Mond aber hat Mitleid mit dem erbosten kleinen Kerl und bittet Nino daher, ihn für eine Nacht zu vertreten. Er brauche eine Pause. Das lässt sich das kleine Glühwürmchen nicht zweimal sagen. Es trommelt alle seine Freunde zusammen, um sie zu überreden, ihm zu helfen. Doch die sind erst mal ziemlich skeptisch …

Ein wunderschönes kleines Bilderbuch, das nicht nur durch seine mutmachende Geschichte, sondern vor allem auch durch die Zeichnungen von Giuliano Ferri lebt. Wie kaum ein anderer versteht er es, unserer Phantasie Spielraum zu geben für die tierischen Charaktere. Besonders schön dazu: die Haptik des Buches, bei der man mit etwas Phantasie jedes einzelne Glühwürmchen erspüren kann. 

 

Geeignet für Kinder ab 2 Jahren 

Autorin: Sueli Menezes

Illustrator: Giuliano Ferri  

Verlag: Minedition 

ISBN: 978-3039343683

 

„Das NEINhorn“

Das kann einem ja vielleicht auf den Keks gehen, wenn alle immer gut gelaunt sind, die Sonne dauernd scheint und die Wolken aus Zuckerwatte sind. Das NEINhorn will nicht mit den Knuddelengeln kuscheln, nicht vom Glücksklee fressen, und schon gar nicht will es an rosa glasierten Äpfeln lutschend funkelnde Regenbogen runterrutschen. Es will weg. Und es geht. Gemeinsam mit dem WASbär, dem NAhUND und der störrischen KönigsDOCHter entschließt es sich, sein Leben bockig zu verbringen. Doch das klappt nicht so ganz, denn immer wieder schleicht sich diese blöde gute Laune ganz fies von hinten an. 

Neben „Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat“ und „Prinzessin Popelkopf“ ist das „Neinhorn“ ein weiteres Kinderbuch aus der Feder des Tausendsassas und ausgemachten Sprachwitzkönigs Marc-Uwe Kling. Seine Känguru-Chroniken haben Kultstatus bei Jugendlichen und sind vor allem als Hörbuch absolut genial. 

Nettes Extra: Unter www.dasneinhorn.de gibt es passend zum Bilderbuch Ausmalbilder und Bastelanleitungen. 

 

Geeignet für Kinder ab 3 Jahren

Autor: Marc-Uwe Kling

Illustratorin: Astrid Henn

Verlag: Carlsen

ISBN: 978-3551518415

 

„Burg Tollkühn“

Wenn die eigenen Eltern berühmt sind, dann kann das ja eine Menge Vorteile haben. Kann, muss aber nicht. Für Siggi jedenfalls ist es nicht so toll, wenn jeder bei Eltern wie Siegfried und Kriemhild von ihm erwartet, dass er das Heldentum sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat, den Sprössling aber bereits kleine Mäuschen oder Spinnen in die Panik treiben. Was da los ist, wenn auf dem Stundenplan der Heldenschule das Fangen kantropischer Killerhasen oder der Umgang mit Krallenwürgern steht, kann man sich ausmalen. Aber all diese Monster sind gar nichts im Vergleich zu Hagen, eingebildeter Heldennachwuchs und Lebensschwermacher. Doch Siggi ist nicht allein, ihm zur Seite stehen die ehrgeizige Brünhild, der tollpatschige, aber herzensgute Elf Filas und ein Geist – da fallen Heldentaten gar nicht so schwer. Selbst dann, wenn sie eigentlich so nicht geplant waren. 

Dieses Buch hat das Potenzial, selbst Lesefaule einzufangen. Und notfalls lässt es sich auch ganz wunderbar vorlesen. Die Charaktere sind mega-sympathisch, und auch wenn die kleinen Helden noch Eingewöhnungsschwierigkeiten haben, diese Schule hat Zukunft – das zeigt sich schon in Band zwei, der bereits erschienen ist und sicher nicht der letzte war. 

 

Geeignet für Jungs und Mädchen ab 8 Jahren

Autor: Andreas Völlinger

Verlag: Baumhaus 

ISBN: 978-3833905964

 

„Scheiße bauen: sehr gut“

Vor kurzem war Paul noch ein ganz normaler Achtklässler an einem ganz normalen Gymnasium. Doch plötzlich findet sich der Vierzehnjährige in einem Förderzentrum wieder. Eigentlich zum Schnupperpraktikum, aber aufgrund einer Verwechslung sitzt Paul auf einmal als Per, der Neue, in einer Klasse mit geistig und teilweise auch körperlich eingeschränkten Mitschülern. Was er gar nicht so schlecht findet, bedeutet es doch, dass er nicht nur ums Arbeiten herumkommt, sondern auch noch ganz offiziell zocken und chillen kann. „Fatih zwinkert mir zu. Ich zwinker übertrieben zwinkertickmäßig zurück. ‚Bist du behindert?‘, fragt er. Vielleicht bin ich ja in Wirklichkeit auch behindert. Woher weiß ich das? Wissen die Behinderten denn überhaupt, dass die behindert sind?“ Diese Frage und die Frage, ob nicht vielleicht alle anderen, und zwar die, die sich für ‚normal‘ halten, viel behinderter sind, fragt sich der Per-Paul in den nächsten Tagen immer öfter. Er freundet sich mit Fatih an – eine Freundschaft, die gravierende Folgen hat. Denn auch hier gibt es fürs Scheiße bauen keine Eins. 

Der Autor dieses Buches, Tobias Steinfeld, jobbte während seines Studiums an einer Förderschule, sein Coming-of-Age-Roman ist sozusagen so eine Art authentischer Einblick. In eine Schulform, die – wie jede andere auch – aus der Individualität der Individuen besteht. 

 

Geeignet für junge Leute ab 12 Jahren

Autor: Tobias Steinfeld  

Verlag: Thienemann 

ISBN: 978-3522202473

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