Betreutes Forschen nach dem Mittagessen

Feb 18, 2021 | BILDUNG UND ERZIEHUNG

Nach der Schule in den Kinderhort: Für viele Kinder ist das Alltag. Doch wie läuft der Nachmittag im Kinderhort ab? Wer arbeitet dort und was ist wichtig bei der Arbeit mit Kindern im Kinderhort? Wie unterscheiden sich ein Kinderhort und eine Mittagsbetreuung? ELMA hat sich schlau gemacht und in der Hort-Einrichtung des Sozialunternehmens Diakoneo vorbeigeschaut.

Text: Katharina Wasmeier 

„Schätzel“ ist neidisch: Zu gerne würde er auch in die Schule gehen. Aber leider ist er zu jung dafür. Und als er versucht hat, sich älter zu zaubern, ging das gründlich in die Hose: Denn jetzt ist er noch ein Jahr jünger und muss lange warten, bis er in der Schule spannende Dinge erleben kann. So lange muss sich die lustige bunte Handpuppe mit Erfahrungen aus zweiter Hand begnügen: Jeden Mittag, wenn die Kinder der Gebrüder-Grimm-Schule im Nürnberger Vorort Erlenstegen in den Kinderhort kommen, wartet Schätzel im Musik- undBewegungsraum. Mit ein wenig Hilfe von Kinderpfleger Oliver Baum heißt er die Kinder im Hort willkommen und lässt sich erzählen, was am Vormittag in dem benachbarten roten Backsteingebäude der Schule so passiert ist. „Wenn die Kinder dem Schätzel von ihrem Schulalltag erzählen, kommen sie aus sich heraus und lernen, ihre Gefühle auszudrücken“, erzählt Sandra Kohlmann. Sie leitet den Kinderhort und die Mittagsbetreuung. Beide Einrichtungen haben seit Schuljahresbeginn im September 2020 ihren Betrieb aufgenommen. Träger ist Diakoneo, ein großes diakonisches  Sozialunternehmen mit Hauptsitz in Neuendettelsau. In die beiden Gruppen der Mittagsbetreuung gehen derzeit 24 Kinder, 150 besuchen die sechs Hortgruppen. Im Kinderhort können die Kinder bereits morgens vor der Schule und bis 17.30 Uhr am Nachmittag betreut werden. Die Mittagsbetreuung endet um 14.30 Uhr.

Die beiden Ausgangstreppen der Gebrüder-Grimm-Schule sind ein wichtiger Treffpunkt: Dort warten die
Horterzieher auf die Kinder aus ihrer jeweiligen Hortgruppe. Gemeinsam gehen dann alle in den Hort, der direkt neben der Schule liegt. Je nachdem, wann die Schule zu Ende ist, haben die Kinder zunächst Zeit, sich auf
einem der beiden Kletterspielplätze, im Sommer auf dem Wasserspielplatz auszutoben. Das Abholen der Kinder und die Gemeinsamkeit sind Sandra Kohlmann wichtig: „Die Kinder müssen viele Übergange bewältigen: von der Kita in die Schule, von der Schule in den Hort.“ Feste Rituale sind hier sehr hilfreich. Die jüngeren Kinder haben außerdem ihre Verabredung mit Schätzel. Im Musik- und Bewegungsraum singen sie mit ihm. Oliver Baum hat dafür extra einen „Schätzel-Song“ geschrieben.

Also alles nur betreute Freizeit? Nicht ganz: Nach dem Mittagessen folgt eine feste Hausaufgabenzeit. In einer Stunde sollen die Kinder ihre schulischen Arbeiten erledigen. Hilfe und Begleitung inklusive. Nach der Lernzeit können die Kinder aus vielen verschiedenen Aktivitäten auswählen, die in verschiedenen Räumen des Hortes stattfinden. Das Angebot ist vielfältig: In der Experimentierwerkstatt wird geforscht und mit dem Mikroskop gearbeitet, im Sport- und Bewegungsraum gibt es verschiedene Sportangebote. Wer etwas Ruhe sucht, der kann sich in den Entspannungsraum oder in eine der beiden Leseinseln zurückziehen. Beim Forschen und Experimentieren sind auch zwei Freunde von Schätzel aktiv: Die Handpuppen „Schlau“ und „Meier“ schauen den Kindern hier über die Schulter. Die mutige Meier und der etwas hasenfüßige Schlau sind Identifikationsfiguren für die Kinder und entsprechend sehr beliebt, denn den schüchternen Kindern hilft es, zu sehen, dass auch andere ängstlich sein können. Und Meier und sein Übermut bringen die Kinder zum Lachen. Koch- und Back-AG müssen coronabedingt derzeit leider warten. Während daheim Eltern oft intuitiv entscheiden, wie der Nachwuchs am besten lernt, kümmern sich im Hort Fachleute um die Belange: 20 Mitarbeiter, die eine mindestens zweijährige Ausbildung zum Kinderpfleger oder die fünfjährige Ausbildung zum Erzieher absolviert haben, sowie Heil- und Kindheitspädagogen. 

Wie in allen Kindertageseinrichtungen ist es auch im Hort wichtig, dass das Fachpersonal gut im Blick hat, wie es dem Kind gerade geht. Die Pädagogen schauen deshalb schon mittags beim Abholen an der Schultreppe genau hin: Ist das Kind fröhlich oder eher traurig? Hat es geweint? Spielt es mit den anderen oder zieht es sich zurück? Was erzählt es aus der Schule? Diese Beobachtungen notieren die Hortpädagogen auch im sogenannten „Eltern-Begleitheft“: ein Heft, das die Kinder in der Schultasche mit sich tragen – nicht für Verweise oder um Vergehen zu notieren, sondern um den Eltern erzählen zu können, wie es ihrem Kind gerade geht. Oder um die Pädagogen wissen zu lassen, ob vielleicht in der Familie gerade eine Veränderung stattfindet. Nicht alle Kinder, erklärt Sandra Kohlmann, können von Mama oder Papa abgeholt werden. „Das Begleitheft hilft uns deshalb, die Bedürfnisse der Kinder zu kennen und darauf zu reagieren.“ Ein Hilfsmittel also, von dem viele Kinderhorte profitieren.

„Ein Kinderhort ist im Unterschied zur Mittagsbetreuung eine Bildungseinrichtung“, erklärt Sandra Kohlmann. „Das heißt, wir fördern und betreuen die Kinder nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsgesetz.“ Dieses Gesetz schreibt genau vor, in welchem Bereich die Kinder gefördert werden sollen – alle Einrichtungen müssen sich also danach richten. Kultur und Mathematik gehören genauso dazu wie digitale Medien, Gesundheit oder Werteorientierung. Um diese Vermittlungsarbeit leisten zu können, arbeitet in einem Kinderhort ausgebildetes Fachpersonal. In der Mittagsbetreuung hingegen liegt der Schwerpunkt des Angebotes auf der Betreuung der Kinder: Sie sind gut untergebracht, wenn ihre Eltern sie nicht direkt nach Schulschluss abholen können. „Die Hausaufgaben und deren Kontrolle liegen bei der Mittagsbetreuung aber in der Verantwortung der Eltern.“ Hort, könnte man sagen, ist Mittagsbetreuung plus Nachhilfe. Aber auch Schätzel, Schlau und Meier haben irgendwann mal Feierabend: Spätestens um 17.30 Uhr endet deren Arbeit. Das ist dann aber auch wirklich genug für einen Tag!  

 

KINDERHORT

Schulende bis max. 17:30 Uhr inkl. Haus- aufgabenbetreuung / in den Schulferien ganztägige Betreuung
Kosten: abhängig von der buchungszeit zwischen 150,- und 180,- + Ferienbeitrag

MITTAGSBETREUUNG

Schulende bis 14:30 Uhr / keine Betreuung in den Schulferien
Kosten: 80,- / Monat

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