Wunschgroßeltern Projekte in der Region

Dez 10, 2020 | RECHT UND SOZIALES

Ich wünsch mir eine Oma

Sie springen ein, wenn der Nachwuchs krank ist, sie sind vertraute Bezugspersonen und ihre Erfahrungsschatzkisten sind einfach unbezahlbar – Großeltern. Großartig, wenn man sie (in der Nähe) hat. Und wenn nicht? Kann man sich Omas und Opas leihen? Man kann! Wunschgroßelternprojekte, wie das des Nürnberger Vereins „Großeltern stiften Zukunft“, vermitteln Wahlverwandtschaften.

Text: Manuela Prill

„Mama, die sind toll! Dürfen wir die behalten?“ Kerstin Zernentsch wird auch fünf Jahre nach diesem Ausspruch ihres Sohnes warm ums Herz. Acht war Hannes damals, und was fremde Menschen anbelangt, eigentlich sehr zurückhaltend. Zu Astrid und Gerhard Berndt aber hatte Hannes gleich beim ersten Aufeinandertreffen einen guten Draht. Für ihn war klar: die beiden sollten seine Wunschgroßeltern werden. Und genau so kam es. Denn alle Beteiligten hatten das gleiche positive Gefühl. Die Erwachsenen fanden sich auf Anhieb sympathisch, Hannes und Schwesterchen Milla, damals vier, fassten flugs Vertrauen. „Es hat einfach gefunkt“, beschreibt es Kerstin Zernentsch. Kennengelernt haben sich die Familien bei einem Wunschgroßeltern-Treffen des Nürnberger Vereins „Großeltern stiften Zukunft“. Beide hatten in der Zeitung von dem Projekt gelesen und jeder darin für sich eine große Chance gesehen. „Wir lieben Kinder, doch unser Sohn ist mit einem Mann verheiratet und wir dachten, dass wir keine Enkelkinder haben werden“, berichtet Astrid Berndt (65). Ihre Erfahrungen und Werte nicht an die übernächste Generation weitergeben zu können, fanden sie und ihr Mann Gerhard (70) eine recht traurige Vorstellung. Mutter Kerstin erzählt: „Es ging meinem Mann und mir nicht darum, jemanden zum Babysitten zu finden. Uns war wichtig, dass unsere Kinder auch ältere Personen in ihrem Leben haben, mit denen sie gemeinsam Zeit verbringen können.“ Die eigenen Eltern wohnen zu weit weg oder können sich krankheitsbedingt nicht so aktiv um die Enkelkinder kümmern. Mit ihrer Leihoma und ihrem Leihopa gehen Milla und Hannes nun raus in die Natur, zum Fußballspielen, sie backen gemeinsam Kuchen oder verbringen gemütliche Filmabende.

 

„DAS BESTE MITTEL GEGEN DEMENZ

SIND ENKELKINDER. WER KEINE HAT,

LEIHT SICH WELCHE.“

MANFRED SPITZER, HIRNFORSCHER

 

Ein perfektes Match, fast schon eine Bilderbuchstory. Nicht immer funktioniert das Zusammenbringen der Generationen so geschmeidig, weiß Yasmin Chaudhri, die bei „Großeltern stiften Zukunft“ das Wunschgroßeltern-Projekt koordiniert. Im Vorfeld scheitere es schon daran,

dass es viel mehr Anfragen von Eltern gibt als Senioren, die sich die Rolle als Leihoma oder -opa vorstellen können. Woran liegt das? „Viele denken, dass sie sich dadurch einschränken“, meint Chaudhri. Die heutige ältere Generation sei aktiv, pflege Hobbys, reise gerne. „Sie wollen sich nicht festlegen.“ Dabei ist es eine falsche Vorstellung, dass Wunschgroßeltern nur ehrenamtliche Babysitter sind, die stets oder immer am gleichen Tag verfügbar sein müssen. „Nicht nur die Senioren liefern Zeit, es ist ein Geben und Nehmen, alle Seiten profitieren davon“, betont die Koordinatorin. Yasmin Chaudhri zitiert in diesem Zusammenhang gerne den Hirnforscher Manfred Spitzer. Der hat in einem seiner Bücher geschrieben: „Das beste Mittel gegen Demenz sind Enkelkinder. Wer keine hat, leiht sich welche.“ Anders ausgedrückt: Kinder halten geistig und körperlich fit. Sie fordern und fördern die Neugier, Neues kennenzulernen. Sie halten Oma und Opa nicht nur bewegungsmäßig auf Trab, sondern auch über moderne Errungenschaften auf dem Laufenden. Ein anderer wichtiger Aspekt: Die Leih-Großeltern fühlen sich gebraucht. „Für viele Senioren wäre das ein Weg raus aus der Isolation“, sagt Gerhard Berndt, der sich bei „Großeltern stiften Zukunft“ auch im Vorstand engagiert und von dem Konzept nicht nur wegen der eigenen positiven Erfahrungen voll überzeugt ist. Fragt man ihn und seine Frau, was Hannes und Milla ihnen zurückgeben, sagen sie spontan: „In erster Linie Spaß.“ Doch man merkt schnell, dass es viel mehr ist als das. In den letzten fünf Jahren haben sie eine enge Verbindung zu den Kindern aufgebaut, sie begleitet und wachsen sehen. Astrid Berndt blättert sich durch die Fotos auf ihrem Handy: Hannes als kleiner Pimpf in Gummistiefeln, sie und Milla beim Basteln und Kuchenbacken, zuletzt alle gemeinsam auf der Kommunion der Kinder. Sie sind zu Freunden geworden, gehören zur Familie, auch ohne gemeinsamen Stammbaum. „Familie muss nicht immer Verwandtschaft bedeuten“, meint Kerstin Zernentsch. 

Das harmonische Miteinander funktioniert wohl auch deshalb so gut, weil sich beide Seiten von Anfang an ausgetauscht und ihre Vorstellung klar kommuniziert haben. Die Zernentschs wissen, dass die Berndts viel auf Reisen sind und nicht zu festgelegten Zeiten verfügbar sein können und möchten. „Ein Regelwerk wollten wir nicht aufstellen, es ist ja keine Arbeitsbeziehung“, betont Mama Kerstin. Für die Wunschgroßeltern war von vornherein klar, dass sie sich nicht in Erziehungsfragen einmischen. „Ich würde das selbst ja auch nicht wollen“, sagt Astrid Berndt. Natürlich bleibe es nicht aus, dass man über manche Dinge unterschiedlicher Meinung sei. Für Millas und Hannes’ Eltern ist es aber völlig in Ordnung, wenn im Haus der Leihgroßeltern ein paar andere Regeln gelten als daheim. Wenn hier eben Wert darauf gelegt wird, dass drin die Schuhe ausgezogen werden müssen oder man vom Tisch erst aufstehen darf, wenn alle fertig sind. Andere Lebenswelten kennenzulernen, ist schließlich Teil der Idee.

Noch etwas war für alle Beteiligten von großer Bedeutung: Sie haben sich das Einverständnis der leiblichen Familienmitglieder geholt, um niemandes Gefühle zu verletzen. Astrid Berndt: „Wir hätten es nicht gemacht, wenn unser Sohn es nicht gewollt hätte.“ Unverständnis nach der Art „Dass ihr das macht! Warum tut ihr euch das an?“ ernten sie bisweilen aus den Reihen ihrer Altersgenossen. Dass Kinder eher als Belastung denn als Bereicherung wahrgenommen werden, diese Sichtweise können die Wunschgroßeltern nicht teilen, im Gegenteil. Für Kerstin Zernentsch sind die beiden viel mehr als nur die Möglichkeit, mal alleine mit ihrem Mann ins Kino gehen zu können. „Wir haben sie von Anfang an als Freunde angesehen, ich betrachte das als Geschenk.“

 

Wunschgroßeltern-Projekte in der Region

 

Großeltern stiften Zukunft e. V. Nürnberg
Koordination: Yasmin Chaudhri
Telefon: 09 11 – 214 21 33
Mail: feb.grosseltern@eckstein-evangelisch.de

>> grosseltern-stiften-zukunft.de

Der Verein ging 2004 an den Start mit dem Anspruch, die Startbedingungen der jüngsten Generation zu verbessern. Neben der Wunschgroßeltern-Vermittlung initiiert und betreut er weitere Projekte, z. B. Lesepatenschaften oder Hausaufgabenbetreuung.

Wunschgroßeltern/Wunschpaten Nürnberger Land

Das Projekt ist eine Initiative von verschiedenen Partnern des Nürnberger Landes: Seniorenbeirat Nürnberger Land, Mehrgenerationenhaus Nürnberger Land, Freiwilligenagentur Altdorf e.V., Diakonisches Werk Nürnberger Land Neumarkt / Nachbarschaftshilfe Hersbruck, Evang.-Luth. Kirchengemeinde Feucht

Eine Übersicht aller Koordinationsstellen und Ansprechpartner findet man hier:
>> https://landkreis.nuernberger-land.de/index.php?id=5612

 

Wunschgroßeltern in Altmühlfranken

Koordination: Karina Milles

Telefon: 0 91 41 – 90 24 12

Mail: wunschgrosseltern@altmuehlfranken.de

>> altmuehlfranken.de/wunschgrosseltern

 

Das frühere Projekt „Leihoma – Leihopa“ im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gibt es seit 2014. Zum fünfjährigen Jubiläum verließ es den Projektstatus und wurde zu „Wunschgroßeltern in Altmühlfranken“ umbenannt. Melden können sich aus dem Landkreis Senioren, die Zeit zu verschenken haben, und Familien, die mindestens ein Kind unter drei Jahren und keine Großeltern vor Ort haben.

 

Familienpaten Erlangen
Koordination: Karin Link
Telefon: 01 79 – 415 65 42
Mail: familienpaten-erlangen@web.de

Familienpaten Erlangen-Höchstadt
Koordination: Maria Ruhfaß

Telefon: 0 15 20 – 194 19 34

Mail: familienpaten-erh@web.de

>> erlanger-familienbuendnis.de/familienpatenschaften/

 

Die Kooperation des Erlanger Bündnisses für Familien und des Kinderschutzbundes Erlangen richtet sich nicht ausschließlich an Senioren. Es kann sich jeder Interessierte ab 18 Jahre melden, der gerne für einen längeren Zeitraum einmal pro Woche für ca. drei Stunden eine Familie im Alltag unterstützen möchte. 

 

Leihgroßeltern Projekt Bamberg
Koordination Stadt: Yvonne Berberich
Telefon: 09 51 – 2 81 92
Mail: yvonne.berberich@kinderschutzbund-bamberg.de

Koordination Landkreis: Maarit Stierle
Telefon: 09 51 – 8 55 10
Mail: maarit.stierle@lra-ba.bayern.de
>> kinderschutzbund-bamberg.de

 

„Herzmensch gesucht“ ist das Motto, mit dem der Kinderschutzbund Kreisverband Bamberg Jung und Alt zusammenbringen möchte.

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