Teil 2: Streiten leicht gemacht

Dez 10, 2020 | TITELTHEMA

Debatten einer Alleinerziehenden

Streit kommt in den besten Familien vor – ach, was sag ich, in allen Familien! ELMA hat sich gefragt: Wie ist das in einer Kleinstfamilie? Fehlt da ein zweiter Erwachsener als Blitzableiter? Und wie sorgt man als Alleinerziehende für Harmonie im familiären Mikrokosmos? Danke an Anna Sankowski (39) aus Fürth! Die Mama von Leonie und Anoushka (drei und fünf) hat mit uns über Zankäpfel und Versöhnung gesprochen.

Protokoll: Manuela Prill

Häufig gibt es bei uns am Morgen Streit, wenn wir uns fertig machen zum Rausgehen. Es kommt drauf an, wie entspannt ich bin. Aber meistens bin ich eher gestresst, weil halt alles so lange dauert. Meine Große ist sehr eigen, hat ganz genaue Vorstellungen über die Beschaffenheit ihrer Klamotten. Die Socken sind nicht lang genug, die Hose muss genau bis zum Knöchel reichen … Für sie ist das der totale Frust, ich hab’ in dem Moment dafür kein Verständnis, weil ich weiß, der Bus fährt gleich, ich muss pünktlich zur Arbeit … Im Prinzip macht man dann aus einem Drama noch ein zweites, ich gebe meiner Tochter dann ja das Gefühl, dass etwas nicht stimmt oder sie etwas falsch macht. Das ist mir kürzlich bewusst geworden, und ich habe sie stattdessen in den Arm genommen. Meine Kleine wollte nie ihren Schneeanzug anziehen. Jetzt will sie es unbedingt alleine machen, und ich muss tiiief durchatmen, um nicht dazwischenzufunken. Ja, es wäre zu 100 Prozent einfacher, wenn in solchen Momenten noch jemand da wäre, dem ich sagen könnte: Übernimm du mal, ich muss mal kurz durchschnaufen. Es ist für mich sehr oft fühlbar, dass ich die einzige Erwachsene bin.  

 

„MITEINANDER REDEN UND ZUHÖREN

SIND AM ALLERWICHTIGSTEN!“

Anna Sankowski

 

Zankapfel Nummer eins bei uns ist Spielzeug. Selbst wenn Anoushka und Leonie die gleiche Puppe hätten, dann wäre es eben ein Puppenkleid, das es nur einmal gibt, und das jede unbedingt jetzt ihrer Puppe anziehen will. Mittlerweile mische ich mich aber kaum noch ein, wenn die Mädels über so etwas streiten, das müssen sie unter sich regeln. Was ich nicht mag: Kinder zu zwingen, sich zu entschuldigen, das finde ich irgendwie Fake. Zum Abreagieren hatten wir mal eine Wutkiste mit zerknülltem Papier und Luftpolsterfolie zum Kaputtmachen. Ein super Streitvermeider ist für mich der Wald. Dort bin ich viel entspannter, und es gibt auch kein Spielzeug! (lacht) Meistens dauert ein Streit bei uns nicht lange. Mir ist immer ganz wichtig, hinterher darüber zu reden. Ich gehe hin zu meinen Töchtern, sage „es tut mir leid“ und versuche zu erklären, warum ich genervt war, zum Beispiel, weil ich Angst hatte, den Bus zu verpassen. Reden und Zuhören sind am allerwichtigsten!

X