Kultur statt Hauptstadt Die europäische Kulturhaupstadt 2025 heißt Chemnitz

Dez 10, 2020 | NEWS

Text: Katharina Wasmeier

Die Hoffnung stirbt als letztes. In jüngster Vergangenheit starb sie am 28. Oktober, nämlich als eine schlaue Jury ihre Entscheidung bekanntgab, den Staffelstab „Europäische Kulturhaupstadt“, der bis zuletzt immer wieder als Auszeichnung für einen Status Quo fehlinterpretiert wurde, an Chemnitz abzugeben statt Nürnberg und der Metropolregion mit dem Titel auch die vielen schönen Euros Zuwendung zu verleihen. Dem Unsieg zum Trotz versichern Verantwortliche aller Ressorts, die angestoßenen und anvisierten Projekte selbstverständlich weiterzuverfolgen. Während man wenig Grund hat, dem Bewerbungsbüro keinen Glauben zu schenken, führt die Stadtspitze sich selbst an der Spießbürger herum: Ein in der Nacht zur Entscheidung still, heimlich und leise agierendes Künstlerkollektiv setzte den nimmerendenden Diskussionen um korrekte Behandlung und millionenschwere Projekte ums Reichsparteitagsgelände kurzerhand ein Ende und pinselte im Hintergrund der Führerkanzel heiter LGBTIQ* in Regenbogenwasserfarben an. Die Freude währte so kurz wie der Schaden lange nachwirken wird. Nicht wegen der Verschmutzung des grässlichen Baus – sondern weil den politischen Entscheidern nichts besseres einfiel, als noch am selben Tag emsig Hochdruckreiniger zu entsenden. Kultur statt Haupstadt? Wohl eher Stadt statt Kultur.
n2025.eu

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