Anbetungswürde in der fränkischen Schweiz

Dez 9, 2020 | SCHAU INS LAND

Jedes Jahr am 6. Januar wird ein kleiner Luftkurort in der Fränkischen Schweiz zur Wallfahrtsstätte: Mit der Lichterprozession der ewigen Anbetung und dem Abbrennen unzähliger Bergfeuer an den Hängen des kleinen Tals hat sich Pottenstein in den letzten Jahren zum Flutlichtscheinwerfer unter den traditionellen Lichterfesten gemausert. Das Fest, zu dem zuletzt 20 000 Besucher kamen, wird 2021 erstmals nicht stattfinden. Hinfahren können wir trotzdem. Oder gerade deshalb. 

Text: Katharina Wasmeier 

Denn wo Ehrfurcht (und Feuerrauch) uns den Blick nicht verschleiert, können wir sehr deutlich erkennen, was der eigentliche einstige Grund der Bedeutsamkeit ist: Mit der Burg Pottenstein nämlich wacht hier eine der ältesten Burganlagen der Fränkischen Schweiz über das lichterlohe Getümmel und bildet damit gleichsam den Mittelpunkt gleich einer ganzen Burgversammlung, bei der einem vorzügliche Geschichten von Rittern, Schlachten und Gelagen in den Sinn kommen. Die sogenannte „Spornburg“, die diesen Namen nicht wegen einer adligen Fersenkrankheit trägt, sondern aufgrund ihrer heiklen Lage am steil abfallenden Gelände, hat beinahe 1000 Jahre auf dem steinigen Buckel und sieht, das muss man ihr lassen, dafür ziemlich frisch aus. Das muss zum einen an der guten Kurortluft liegen, zum anderen daran, dass seit jeher auf, um und in Burg Pottenstein reichlich gelebt wird. Einst zur Sicherung des Gebiets gegründet, ist über Jahrhunderte hinweg ein weitestgehend friedliches Taubenschlagleben ohne größere Katastrophen verzeichnet, was vielleicht dazu beigetragen hat, dass eine gewisse Elisabeth von Thüringen sich 1227 dort niederließ und damit für späten Glanz in der bescheidenen Hütte sorgte: Die Namenspatronin von Thüringen und Hessen galt lang als Nationalheilige der Deutschen und wird bis heute als Sinnbild der tätigen Nächstenliebe verehrt. Dass man diesem besonderen Gast bis heute Wertschätzung entgegenbringt, zeigt nicht zuletzt die Dauerausstellung „Krone, Brot und Rosen – 800 Jahre Elisabeth von Thüringen (1207-2007)“ im burgeigenen Museum. 

Neben Elisabethzimmer, Rittersaal und Rotem Salon im oberen Hauptgebäude sind Reste des Bergfrieds, das Brunnenhaus mit allerlei volkskundlichen Objekten sowie die sogenannte „Zehntscheune“, in der die Geschichte des „Zehntwesens“, also einer bestimmten Form der Steuerabgabe, beleuchtet wird, und auch die Burganlage an sich so pompös wie sehenswert. Durch die Kriegsschauplätze und Wirrungen der Jahrhunderte trotzig hindurchgerettet, macht Burg Pottenstein einen vergnügten Eindruck und präsentiert dem Besucher des parkartigen Burggartens herrliche Blicke über Stadt und Natur, die im Lauf der Zeit Adel, Klerus und Bürgertum zu schätzen wussten, weswegen die Anlage nach einem kurzen Intermezzo als Getreidespeicher Ende des 18. Jahrhunderts zwar verfiel, doch von einem Nürnberger Apotheker Ende des 19. Jahrhunderts gerettet, erworben und aufgepäppelt wurde. 

Burg Pottenstein

Heute ist Burg Pottenstein ein von privater Hand geführtes und bewohntes Museum, dessen Erscheinungsbild nicht unwesentlich von einem Mann geprägt wurde, der zwar dem Namen nach ein waschechter Ritter, eigentlich aber ein berühmter Nürnberger Künstler war: Paul Ritter, 1829 in Nürnberg geboren, gilt als der wichtigste Architekturmaler des deutschen Historismus und gründete 1870 aus vermutlich sehr persönlichen Beweggründen – mit vier Jahren verlor Paul Ritter das Gehör – einen Taubstummenverein. Als Maler hat er sich in Burg Pottenstein verewigt – als Mensch die Tradition der Nächstenliebe fortgeführt. Da kann einem schon mal ein Licht aufgehen. Ganz ohne ewige Anbetung.

Burg Pottenstein
Burgstraße 13
91278 Pottenstein
burgpottenstein.de

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