Wandern mit Wow!

Nov 18, 2020 | Schau ins Land

Text: Manuela Prill

Kinder, wir gehen wandern! In der Regel löst diese Ankündigung beim Nachwuchs keine Begeisterungsstürme aus. Durch die Gegend latschen – langweilig! Wie wäre es mit: Kinder, wir führen Esel aus! Wir haben ein Date mit einem Märchenwesen! Oder: Auf zur Waldexpedition! ELMA hat für euch ein paar Tipps zusammengestellt, die garantiert die Familien-Wanderlust wecken.

„Es war einmal …“  Märchenspaziergang

Andrea Gonze ist professionelle Geschichtenerzählerin. Regelmäßig lädt sie zu Märchenspaziergängen in den Hersbrucker Forst und verbindet dabei Bewegung an der frischen Luft mit spannendem Hörvergnügen. „Wir spazieren durch unseren schönen Wald und genießen, was das Rauschen der Blätter und das Knacken und Ächzen der Äste uns mitteilen: Was droben in den Wipfeln rauscht, das wird unten ausgetauscht“, sagt sie geheimnisvoll. Zwei Stopps macht sie auf der kleinen Wanderung und erzählt dann klassische oder auch mal moderne Märchen und Geschichten. „Zauberhaft verträumt und spritzig frech“ können die sein, verspricht Andrea Gonze. Sie passt ihr Repertoire stets an ihr jeweiliges Publikum und die Stimmung rundum an. Ziel der Tour ist der Arzbergturm, wo weitere Märchen wispernd, flüsternd, lachend … zum Leben erweckt werden. Dann geht es mit Taschenlampen und beflügelter Fantasie durch den dunklen Wald zurück zum Ausgangspunkt. 

Termine:
Freitag, 2. Oktober ab 17 Uhr
Freitag, 6. November ab 16 Uhr
Freitag, 4. Dezember ab 15 Uhr
Dauer jeweils ca. 1,5 bis 2 Stunden
(nicht kinderwagentauglich)
Kosten: 5 Euro pro Person
Treffpunkt: Am Parkplatz der Edelweißhütte, Deckersberg 34 in Happurg
Anmeldung unter Telefon: 01 79 – 2 29 26 40
andrea-gonze-erzählt.de

 

Esel- statt Ochsentour

Pepsi, Penny und Pablo heißen die drei grauen Huftiere, mit denen man ganz entspannt die Fränkische Schweiz erkunden kann – bei einer geführten Tour oder auf eigene Faust. Denn die Esel der beiden Tierärzte Gisela Bolbecher und Andreas Striezel aus Bräuningshof bei Erlangen kann man sich für eine Wanderung auch ausleihen. Bevor man losstiefelt, bekommt man eine kleine Einführung, denn natürlich muss man wissen, wie so ein Esel tickt und wie man ihn richtig führt. Anders als Pferde sind Esel keine Fluchttiere und daher prima geeignet als Wanderbegleitung. Kinder ab dem Grundschulalter können sie gut händeln, zwei Erwachsene müssen aber immer dabei sein. Und was, wenn die Esel auf stur schalten, wofür sie ja sprichwörtlich berühmt sind? „Esel sind nicht stur, sie denken nur nach, wenn sie plötzlich stehen bleiben“, erklärt Andreas Striezel. Dann haben sie vielleicht ein Problem mit einem Hindernis auf dem Weg und überlegen, was zu tun ist. Was kleine und große Zweibeiner dabei lernen? Führungsqualitäten, Einfühlungsvermögen und Geduld – sehr entschleunigend, so eine Eseltour!

Infos:
Eine geführte Esel-Wanderung mit einem Begleiter kostet 60 Euro pro Stunde. Ausleihen kann man Pepsi, Penny und Pablo stundenweise für Kurztrips, meist gebucht sind Halb- oder Ganztagestouren (mit einem Esel 135 bzw. 215 Euro, jeweils inklusive Einführung). Auch Mehrtagestouren sind möglich. Länge und Schwierigkeitsgrad der Touren können individuell angepasst werden, manche Strecken sind auch mit dem Kinderwagen begehbar. Hunde sind erlaubt, wenn sie nicht zu wild sind. Anfragen per Mail an buero@eselwandern-franken.de
eselwandern-franken.de

 

Walderlebnispfade

Riecht der Herbst irgendwo intensiver als im Wald? Beste Zeit also für einen ausgedehnten Ausflug in den Forst. Wer dabei nicht nur seine Lungen mit frischer Waldluft, sondern auch den Kopf mit frischem Wissen auffüllen will, dem seien die Natur- und Walderlebnispfade in unserer Region ans Herz gelegt. Hier kann man jede Menge über Bäume, Pflanzen und Tiere erfahren, ganz viel selber ausprobieren und erforschen. Das Motto ist stets: die Natur mit allen Sinnen entdecken.

Wo? Zum Beispiel hier:

Nürnberg, Walderlebnispfad Zerzabelshof
Was entdecken? Kannst du so weit springen wie ein Reh? Wer spricht da am Baumtelefon? Welches Lied spielt der Wind auf seiner Harfe?
Startpunkt am Tiergarten oder am Valznerweiher (Valznerweiherstraße 111)

Bamberg, Walderlebnispfad „Erlebe-Bruder-Wald“
Was entdecken? Was wird aus den Blättern, die im Herbst von den Bäumen fallen? Wo verstecken sich kleine Waldbewohner? Wie macht ein Luchs auf der Pirsch?
Startpunkt Höhe Bushaltestelle Am Bruderwald, Nähe Buger Straße
erlebe-bruder-wald.de

Erlangen, Naturerlebnispfad am Walderlebniszentrum Tennenlohe
Was entdecken? Kletterbäume, Niederseilgarten, Lauschecke, Labyrinth.
Startpunkt Bushaltestelle Walderlebniszentrum, Weinstraße 100

Fürth, Waldlehrpfad Oberfürberg
Was entdecken? Was für Bäume wachen im Fürther Stadtwald? Welche Geschichten erzählt ein Baumstamm? Warum duftet es im Wald so gut?
Startpunkt bei der Stadtförsterei, Heilstättenstraße 130, Bushaltestelle Heilstättenstraße ca. 10 Minuten entfernt. Audiodateien zu allen Stationen zum Download aufs Handy unter stadtwald.fuerth.de/waldlehrpfad


Kunst am Wegesrand entdecken

Kennt ihr das von Familienspaziergängen? Die Kids trödeln unlustig hinterher, weil sie es ziemlich öde finden, „einfach nur so rumzulaufen“? Beim Kunstweg in Rednitzhembach stehen die Chancen gut, dass sie euch mit Siebenmeilenstiefeln voraneilen. Warum? Weil es hier alle paar Meter etwas Neues zu entdecken gibt. Kunst unterschiedlichster Art, um genau zu sein. Von imposanten Metallinstallationen über Steinskulpturen bis hin zu Holzplastiken und Wandmalereien – die Open-Air-Galerie erstreckt sich über einen zehn Kilometer langen Rundweg, der gesäumt ist von rund 60 Werken nationaler und internationaler Künstler. Einsteigen kann man zum Beispiel am bunt bemalten Trafohaus nahe der Walpersdorfer Straße. Nicht weit davon entfernt stößt man auch schon auf das erste Objekt, eine Installation aus Rohren, das den Mainbach überspannt. Rechts davon befindet sich ein neuer Naturspielplatz, und ja, auch der „Tausendfüßler“ dort ist ein Kunstwerk – anfassen erlaubt! Der Weg führt kunstgespickt durch den Wiesengrund und biegt dann in den Wald ab, wo es unter anderem ein geheimnisvolles „Eisenhaus“ zu bestaunen gibt. Und einen „Wald-Fisch“, 7500 Pfund schwer und fast sechs Meter lang! Was wollte der Künstler uns damit sagen? Infotafeln an jedem Objekt geben kurzweilig Auskunft über Schöpfer, Werk und seine Entstehungsgeschichten. 

Übersichtspläne zum Download unter kunstweg-rednitzhembach.de

 

Auf den Spuren der alten Römer

Altmühlfranken ist bekannt für sein römisches Erbe, schließlich war die Gegend rund um Weißenburg seinerzeit Grenzgebiet zwischen dem römischen Weltreich und germanischem Territorium. Und ist heute quasi immer noch ein riesiges Freilandmuseum. Ideal für eine Wandertour für historisch interessierte Spürnasen. Der Weg ist das Ziel! Gut, das stammt von Konfuzius, würde sich auf Latein aber sicher auch gut machen. Auf jeden Fall passt es als Motto motus perfectus zum Römererlebnispfad in Burgsalach. Denn entlang des Weges durch Wald und Wiesen sind zwölf Mitmach-Stationen, Modelle und kindgerechte Infotafeln platziert, an denen sich so einiges über das Leben der alten Römer entdecken lässt. Wie war ein Wachturm am Limes aufgebaut? Führten wirklich alle Wege nach Rom? Wie sah es im Innern eines Kastells aus? Zwischendrin stößt man in einem Wäldchen auf die Ausgrabungen des „Burgus“, ein kleines Fort, das wohl einst als militärisches Lager genutzt wurde. Wenn diese Steine erzählen könnten! Zwischendrin begegnet man übrigens immer wieder „echten“ Römern in Form von lebensgroßen Metallfiguren. Ausschau halten lohnt sich!

Den Römererlebnispfad gibt es als kurze Variante mit rund sechs Kilometern oder als lange Route mit ca. 13 Kilometern Länge. Startpunkt ist immer der Infowürfel „Barbaricum“ direkt am Sportplatz von Burgsalach (Burgusstraße); dort liegen Flyer mit Wegbeschreibung aus. Angeberwissen: Barbaricum: so nannten die Römer von ihnen nicht eroberte, germanische Gebiete. 

 

Trimmt euch fit!

Trimmy hat den Daumen schon positiv nach oben gereckt, da war Facebook noch lange nicht erfunden. Trimmy ist das Maskottchen der Trimm-Dich-Kampagne des Deutschen Sportbundes, die Anfang der 70er Jahre einen wahren Bewegungs-Boom auslöste. Plötzlich ploppten im Wald Balancierbalken und Klimmzugstangen auf und blaue Schilder forderten einen zum Knie- und Rumpfbeugen auf. Trimm-dich-Pfade waren der sportliche Renner – bis sich der Run in Fitnessstudios verlagerte. Nun erleben die Freiluftparcours eine Renaissance, auch dank eines Franken: Michael Meindl aus Heroldsbach bei Forchheim. Er hat den Trend schon lange vor Corona erkannt und sich mit seiner Firma „outgym“ auf die Renovierung und den Bau von Outdoor-Sportanlagen und Trimm-dich-Pfaden spezialisiert. Eine Kindheitserinnerung brachte ihn auf die Idee. Als Knirps war er mit seiner großen Schwester auf Trimmys Spuren unterwegs, doch wo waren die Pfade noch mal genau? „Ich habe sie nicht mehr gefunden, und auch im Netz gab es keine Infos dazu“, erzählt er. Also hat er kurzerhand selbst recherchiert und die Seite trimm-dich-pfad.com ins Leben gerufen. Mittlerweile finden sich dort mehr als 700 Eintragungen bundesweit, darunter jede Menge aus unserer Region. Michael Meindls Tipps? „Sehr schön ist der Bewegungspfad im Meilwald in Erlangen.“ Rund zweieinhalb Kilometer schlängelt er sich idyllisch durch den Wald, mit typischen Stationen-Stopps zum Hochziehen, Hangeln und Hopsen. Für alle, die dann immer noch genug Puste haben: Gleich neben dem Ausgangs-/Endpunkt gibt es einen Waldspielplatz mit Bolzwiese und Seilbahn.
> Spardorfer Straße 82, Erlangen

In seiner Heimatgegend Forchheim empfiehlt Meindl den Trimm-dich-Pfad Reuth. Ein gut erhaltener, nicht allzu langer Rundweg mit neun Stationen, die kleinen und großen Sportlern aber all das abverlangen, was man von einem Freiluftsportparcours erwartet: Geschicklichkeit, Gleichgewicht, Koordination, Kraft und Ausdauer. We like!
> Am Sportplatz 1, Forchheim

 

Schatzsuche 2.0
Schnitzeljagden kommen wohl nie aus der Mode. Noch moderner werden sie mit Apps wie „Actionbound“. Damit lassen sich eigene Rätselrouten für Smartphone und Tablet kinderleicht selbst gestalten. Gelöst werden müssen die Aufgaben dann natürlich draußen. Welche Farbe haben die Wanderwegweiser? Wie viele Bäume stehen rund um den Vesperplatz? Finde etwas, was man essen kann! Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die App beinhaltet auch einige bereits fertige interaktive Touren („Bounds“). Einfach in der Suchfunktion Ort eingeben, Thema wählen und loswandern!

 

Fotonachweis

Kunstweg: Kunstweg Rednitzhembach

Trimm-Dich: Michael Meindl

Esel: Eselwandern Franken

Römerweg: kein Hinweis nötig (hab ich gemacht)

Wald: Pixabay 

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