Immer auf dem Sprung

Nov 18, 2020 | Gesundheit & Fitness, HALTET DIE KLAPPE

Ein Junge wie Ethan setzt kein Moos an. Der 11-Jährige aus der Nähe von Bamberg ist dauernd in Bewegung, Sport ist seine absolute Lieblingsbeschäftigung. Wie hat er den Lockdown erlebt? Wo eckt er mit seinem Bewegungsdrang an? Und was ist seine Message an Couchpotatos? Im ELMA-Interview durfte Ethan sich verbal austoben.

Ethan, welche Sportarten treibst du denn so?

Ganz oft fahre ich Scooter mit meinen Freunden. Trampolinspringen finde ich auch toll, weil ich da gute Tricks kann. Seit ich ungefähr vier bin, spiele ich im Verein Fußball, da bin ich der Abwehrchef vorm Torwart.

Was genau findest du so toll am Trampolinspringen?

Tricks zu lernen macht total Spaß, und wenn man dann die Tricks kann, ist das voll cool! Da freut man sich richtig, dass man das geschafft hat.

Zum Beispiel?
Einen Rückwärtssalto mit Schraube. Dabei springe ich in die Luft und drehe mich seitlich einmal um die eigene Achse und lande wieder auf den Beinen. 


Macht es einen Unterschied für dich, ob du alleine oder in einer Mannschaft sportelst?

Schon. Wenn man mit Freunden zusammen ist, macht’s mehr Spaß. Ich bin in einer Skatergruppe, wir gehen jeden Tag ein paar Stunden in den Skaterpark und lernen zusammen Tricks und machen Videos. Alleine wäre das nicht so schön.

Hast du dich beim Sport schon mal schlimm verletzt?

Oh ja! Beim Fußball war ich mal im Tor und jemand hat so hart geschossen, dass meine ganze Hand umgeknickt ist. Gott sei Dank war sie nicht gebrochen. Und beim Springen mit dem Scooter mache ich öfters einen Tailwhip. Das ist ein Trick, wo man hochspringt und das Deck, also das Trittbrett, einmal um den Lenker rumdreht. Das Deck schlägt manchmal voll gegen den Knöchel – das tut sauweh! Wenn man Sport macht, muss man schon hart im Nehmen sein.

Welche sportlichen Vorbilder hast du?

Es gibt einen Skaterprofi, den ich von YouTube kenne. Er heißt Claudius. Der kann so viele Tricks! Ich will unbedingt mal so gut sein wie er.

Meinst du, das könnte ein Berufsziel für dich sein?

Joah! Als Profiskater oder Fußballer kann man ja sehr viel Geld verdienen und dabei Spaß haben.

Ein Cristiano Ronaldo zum Beispiel bekommt einige Millionen. Findest du das fair?

Ich finde es nicht schlimm, aber irgendwie auch nicht gut. Ich meine, die spielen und trainieren dafür ja jeden Tag sehr hart. Ich hab mal gehört, Cristiano Ronaldo bekommt pro Spiel 200.000 Euro oder so. Das ist schon sehr viel. Wenn ich im Verein spiele, bekomme ich kein Geld.

Als wegen Corona alle zu Hause bleiben mussten – wie war das für dich?

Es war nicht schön, weil ich viel daheimsitzen musste. Ich wollte immer raus, aber das ging ja nicht so einfach. Der Sportplatz war zugesperrt. Der Verein, die Skaterbahn, alles war zu. Schlimm war, dass ich mich am Anfang nicht mit meinen Freunden treffen durfte.

Ich habe gehört, dass sich euer Sportlehrer während der Homeschooling-Zeit was Tolles ausgedacht hat.

Ja, wir haben Sport-Hausaufgaben bekommen. 25 Minuten Joggen oder mit dem Fahrrad fahren. Wir sollten uns auf der Straße Sachen suchen, wo man rüberspringen kann, oder im Garten Handstand üben. Er hat uns gute Ideen gegeben, was wir daheim machen können. 

Was magst du am Sportunterricht in der Schule?

Ich liebe den Sportunterricht! Am meisten, wenn wir Ballspiele machen wie Handball. Oder wenn wir die Trampolins aufbauen. Bockspringen und so macht mir auch Spaß. Cool fände ich, wenn wir im Pausenhof eine Skaterbahn hätten oder Parkour machen würden.

Du hast bestimmt eine Eins in Sport. Aber es gibt ja Kinder, die nicht so gut sind. Wie denkst du über Sportnoten?

Bei mir in der Klasse ist einer, der bekommt oft eine Vier oder Fünf und er weint dann. Er tut mir schon leid, das fühlt sich bestimmt blöd an. Aber ich finde es trotzdem gerecht, weil die Lehrer machen das ja, damit man sich verbessert. Vielleicht kann er draus lernen und mehr Sport machen.

Wie fühlst du dich, wenn du dich nicht genug bewegen kannst?

Es fühlt sich dann an, wie wenn ich auf einmal irgendwie unsportlich wäre. Wenn ich eine Stunde stillsitze, habe ich in mir so einen Drang, dass ich raus will und was machen MUSS! Schlechte Laune kriege ich nicht, aber es fällt mir dann sehr schwer, sitzen zu bleiben.

Erwachsene haben dafür manchmal wenig Verständnis. Hast du wegen deinem Bewegungsdrang schon was Blödes erlebt?

In einem Restaurant bin ich mal rumgerannt und gegen meinen Bruder gelaufen. Er ist deswegen umgefallen und hat jemanden angerempelt. Der Erwachsene hat mich dann voll angeschrien und Ärger gemacht. 

Was hättest du ihm am liebsten gesagt?

Ich will keinem was tun oder stören. Ich brauch’ das halt, ich will rumlaufen, weil ich so viel Power habe. Wenn ihn das stört, dann soll er es mir ruhig sagen, dann geh’ ich raus oder mach’s halt nicht. Ich find’s blöd, wenn Erwachsene von Kindern wollen, dass sie immer nur stillsitzen sollen.

Ist „Zappelphilipp“ ein Schimpfwort für dich?

Nein, das finde ich nicht schlimm. Meine Oma sagt das manchmal zu mir, aber sie meint es nicht böse.

Deine Botschaft an Couchpotatos?

Die ganze Zeit auf dem Sofa sitzen und Fernsehen gucken ist schlecht für den Körper. Man muss nicht super sportlich sein, man kann einfach ein bisschen was machen, und wenn man nicht mehr kann, ist das auch okay. Joggen zum Beispiel kann jeder, das ist gut für die Muskeln und die Lunge. Man fühlt sich nach dem Sport richtig toll und ist stolz, wenn man was geschafft hat.   

 Interview: Manuela Prill

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