Forchheim – König, Kaiser, Mauernscheißer

Nov 18, 2020 | LEBENSRAUM

Das „Tor zur Fränkischen Schweiz“ ist ein beschauliches, fast schon betuliches Städtchen zwischen Erlangen und Bamberg, eingebettet zwischen Kirschbäumen und dem Walberla. Die Zugverbindung ist gut, wer ein Auto hat, sollte das besser auch nutzen – denn neben ein paar Highlights in der Stadt selbst ist vor allem auch die Umgebung für Kinder interessant.

Mehr als 1200 Jahre Geschichte hat das Kreisstädtchen auf dem Buckel, und wenn man einen Spaziergang durch den Stadtkern macht – am besten in flachen Schuhen, denn das Kopfsteinpflaster verträgt sich nur bedingt mit hohen Hacken  – und die alten Fachwerkhäuser oder die barocken Besonderheiten bewundert, spürt man das auch. Entsprechend alt sind die Legenden, die sich um Forchheim ranken und die von Kriegen und schweren Zeiten erzählen. 

Wie der Tod von Forchheim will man in Franken lieber nicht aussehen

Die Stadt, in der der Frankenherzog Konrad im Jahre 911 zum ersten deutschen König gewählt wurde und von der man sogar munkelt, Pontius Pilatus sei hier geboren worden, liegt mit ihrem Wasserreichtum strategisch so gut, dass früher dort oft zahlreiche Soldaten aus der Umgebung stationiert wurden – was zwangsläufig zu Seuchen führte. „Du siehst aus wie der Tod von Forchheim“ ist auch heute noch nicht wirklich ein Kompliment. Warum die Forchheimer auch „Mauernscheißer“ genannt werden und warum ein solcher „Mauernscheißer“ zur Freude aller Kinder direkt auf der Rathauswand verewigt ist, darüber streiten sich die Historiker ein bisschen. Es könnte aber daran liegen, dass die Forchheimer anno dazumal ihren Spaß daran hatten, Feinden auf diese Weise zu zeigen, dass sie durchaus noch genug zu essen haben und eine Belagerung daher sinnlos wäre.  

Neben Legenden erzählenden Malereien gibt es hier noch einiges anderes, das kulturell sehenswert ist: das schiefe Haus, das Nürnberger Tor oder die Kaiserpfalz aus dem 14. Jahrhundert, die heute das Pfalzmuseum beherbergt. Besonders schön aber ist Klein Venedig, der Abschnitt zwischen Spitalkirche und Brücke in der Vogelstraße. Malerische Gebäude aus dem 16. Jahrhundert mit Balkonen, die teilweise noch heute auf 300 Jahre alten Pfählen thronen, grenzen hier direkt an die Wiesent. Die davor aufgereihten Fischkästen beherbergen vor allem Karpfen, die man gleich in der Nähe auch erwerben kann. 

Einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Region

Viele kennen Forchheim als Weihnachtsprogramm-Alternative zum touristenüberfüllten Christkindlesmarkt in Nürnberg. Das alte Rathaus mit seinem Fenster-Adventskalender und dem kleinen, aber feinen Markt davor stand sogar schon im Guinness-Buch der Rekorde. Punkt 18.30 Uhr öffnet sich in den Wochen vor Weihnachten eines der beleuchteten Fenster, es gibt Weihnachtsengel und das Ende des Abends wird von einem Nachtwächter eingeläutet. Bleibt man trotzdem noch ein bisschen, dann könnte es sogar sein, dass man den sogenannten „Rathauspöpel“ zu Gesicht bekommt. Denn selbstverständlich hat ein Städtchen wie Forchheim auch ein stadteigenes Gespenst: ein ehemaliger Bürgermeister, den seine betrügerischen Handlungen während der Amtszeit noch immer nicht zur Ruhe kommen lassen. Der heutige Oberbürgermeister, Uwe Kirschstein, hat Besseres zu tun. Sein Städtchen erfreut sich nämlich gerade bei Familien – schon allein aufgrund der Lage –  zunehmender Beliebtheit. „Auch wenn wir immer wieder an unsere Grenzen stoßen: Wir haben noch Platz.“ In den letzten Jahren wurde die Wohnbautätigkeit verdoppelt, die Betreuungsplätze gerade für kleinere Kinder werden massiv ausgebaut. „Derzeit planen und bauen wir an sieben Einrichtungen gleichzeitig.“ Doch nicht nur das: Rund 60 Spielplätze für alle Altersklassen gibt es im Stadtgebiet, und um diese spannend zu halten, werden die Spielgeräte immer wieder ausgetauscht bzw. erneuert. „Wir haben“, so Uwe Kirschstein, „ein Extra-Budget und schauen uns regelmäßig auf Messen um, um interessante Ausstellungsstücke zu erwerben.“

Das „Tor zur Fränkischen Schweiz“

Wer bereits in Forchheim ist und noch Zeit mitgebracht hat, sollte einen kleinen Ausflug Richtung Pottenstein machen. Sommerrodelbahn, Felsenbad, Tretbootfahren und natürlich die Teufelshöhle mit ihrem gewaltigen Höhlenbärskelett sind die halbe Stunde Extra-Fahrt wert. Genau wie Gößweinstein, das von Pottenstein nur noch wenige Autominuten entfernt liegt und zum einen nicht nur eine Basilika und eine Burg bietet, sondern zum anderen auch ein ganz zauberhaftes Schwimmbad, bei dem man sich – mit etwas Phantasie – in einem Infinity-Pool wähnen könnte. Für kleinere Kinder das absolute Highlight ist aber die Dampfbahn. Gößweinstein ist eine der Haltestellen, und man kann von hier aus gemütlich durch die fränkische Landschaft gondeln. Und auf dem Rückweg nach Forchheim kann man auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten und ganz spontan noch gekühltes Grillfleisch aus dem Automaten ziehen. Entsprechende Angebote sind in der ganzen Region verteilt. An vielen Stellen entlang der Hauptstraßen kann man bis spätabends frische Milch in Glasflaschen zapfen, erhält Saisonobst und Gemüse, Eier, Brot und manchmal sogar Käse. 

Corona-Alternativprogramm

Forchheim gilt mit seiner Nähe zum Naherholungsgebiet als Paradies für Mountainbiker. Teenager begeistern sich aber auch für die Kletterhalle, Adventure Minigolf, die Afrika-Kulturtage oder den Jugendzeltplatz auf der Schleuseninsel. Fragt man allerdings den zehnjährigen Felix, was er an Forchheim am coolsten findet, ist es eindeutig das Königsbad mit seinen drei Erlebnisrutschen. Die darf der dreijährige Silas zwar noch nicht benutzen, aber den Wasserspielgarten findet er auch nicht schlecht. Viel besser allerdings gefällt ihm die Waschanlage im Einkaufszentrum am Rande der Stadt: „Da sitz’ ich mit der Mama im Auto, und dann kommt die große Rolle und dann schreien wir ein bisschen.“ Ein Thrill, mit dem wahrscheinlich nicht mal die Geisterbahn auf dem Annafest mithalten könnte. Der Konjunktiv ist hier ganz bewusst gewählt, denn das Fest im Forchheimer Kellerwald, bei dem es in über 20 Bierkellern 15 verschiedene Festbiere gibt und das jedes Jahr zahlreiche Besucher nach Forchheim lockt, musste 2020 Corona weichen. Ob allerdings die Autowaschanlage die passende Alternative zu den Fahrgeschäften ist, das müssen die Eltern selbst entscheiden. Günstiger ist es wahrscheinlich. 

Wiesenttal mit Burg Gößweinstein im Hintergrund. Klassische Ansicht, mind 20 Jahre alt.

 

Sehenswerte Führungen: 

 

Stadtführung

Die Geschichte der historischen Altstadt

April bis Oktober

Mittwoch:  15 Uhr

Samstag:  10:30 Uhr

 

Schon mal einplanen für die Weihnachtszeit:

Altstadt- und Krippenführung

Während des Weihnachtsmarktes immer mittwochs und freitags um 17.00 Uhr. 

 

Dauer: jeweils 1,5 Stunden

Preis: 12 Euro für Familien, 6 Euro Erwachsene, 5 Euro ermäßigt. Gäste haben die Möglichkeit, unter Vorlage des Tickets zu einem Sonderpreis von 1 Euro das Pfalzmuseum zu besuchen. 

Treffpunkt: Touristeninformation, Kapellenstraße 16

Es werden auch spezielle Kinderführungen angeboten, allerdings nur auf Nachfrage und für Gruppen. Man kann mit den Kids aber Forchheim auch auf eigene Faust erkunden – eine entsprechende Broschüre mit Rätseln zu den einzelnen Stationen erhält man in der Touristeninformation (Tel.: 09191/714338).

 

Alle weiteren Führungen unter www.forchheim-erleben.de

 

Forchheim: 

  • Forchheimer Rathaus
    Hauptstraße 24
  • Das schiefe Haus (Restaurant Kammerer’s Mühle)
    Wiesentstr. 10
    Montag bis Samstag: 17–22 Uhr
    Für Reservierungen: 09191 – 702 48 38
    kammerers-muehle.de
  • Nürnberger Tor
    Torstraße 7
  • Die Kaiserpfalz (Pfalzmuseum)
    Kapellenstraße 16
    Dienstag bis Sonntag: 10–17 Uhr
    kaiserpfalz.forchheim.de
  • Kletterhalle Magnesia
    Trettlachstraße 1
    magnesia-klettern.de
  • Adventure Minigolf
    Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 14
    up-sports.de/adventure-golf.html
  • Die Afrika-Kulturtage rund um die Kaiserpfalz
    finden wieder statt vom 2. bis 4. Juli 2021.
  • Jugendzeltplatz
    Staustufe 21
    Coronabedingt bleibt der Zeltplatz in diesem Jahr geschlossen.
    Buchungen für das nächste Jahr unter jugendzeltplatz@forchheim.de oder 0173/3210152
  • Königsbad
    Käsröthe 4
    täglich 9.30–21 Uhr
    koenigsbad-forchheim.de
  • Annafest
    Auf den Kellern 7
    annafest-forchheim.de
    23. Juli bis 2. August 2021

Pottenstein: 

Gößweinstein:

  • Basilika Gößweinstein
    Balthasar-Neumann-Str. 2
    täglich geöffnet von 8 bis 18 Uhr
    Führung mit Orgelkonzert von Mai bis Oktober jeden Freitag um 10.30 Uhr
  • Burg Gößweinstein
    Burgstraße 30
    Museum täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr
    burg-goessweinstein.de
  • Natur- und Höhenschwimmbad
    Schützenstraße 1
    Bleibt im Sommer 2020 coronabedingt geschlossen.
  • Metzgerei Lamm (Wurst- und Grillfleischautomat)
    Egloffsteinerstr. 1
    91362 Pretzfeld

 

Dampfbahn Fränkische Schweiz

Die Züge der Museumsbahn fahren bis Ende Oktober 2020 an jedem Sonn- und Feiertag. Unter dampfbahn.net/fahrplan sind die Abfahrtszeiten zu finden. Jetzt schon vormerken: An den ersten beiden Adventswochenenden gibt es spezielle Nikolausfahrten.

 

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