TEIL 2: VORBILD, SPARPLAN, MITTELWEGE

Okt 18, 2020 | TITELTHEMA

Drei ganz unterschiedlichen Banken haben wir viele ganz gleiche Fragen gestellt – und interessante Antworten bekommen.

Interwiew Katharina Wasmeier

Andreas Rau, Sparkasse Nürnberg Geschäftsstellenleiter

 

Joachim Pietzcker, Oikocredit Förderkreis Bayern E.V. Geschäftsführer

 

Eike Wilhelm Siemers, Umweltbank AG Nürnberg Mitarbeiter Marketing & PR

 

„Geld verdirbt den Charakter“ – wie viel Wahrheit steckt in diesem Spruch? 

Andreas RAU (AR) Das ist nicht meine Erfahrung – aber es kommt sicher auf den Charakter an.

Über Geld spricht man bekanntlich nicht. Gibt es einen guten Grund, es doch zu tun?
Eike Wilhelm Siemers (ES) Natürlich! Viele Menschen wissen z. B. gar nicht, was mit Ihrem Geld auf der Bank passiert. Dass viele Banken damit Öl, Kohle, Waffen oder gar Kinderarbeit finanzieren, sollte immer wieder thematisiert werden. Außerdem hilft es, wenn sich Menschen jeder Altersgruppe über Anlagemöglichkeiten – insbesondere fürs Alter – austauschen. Altersarmut ist ein weit verbreitetes Problem, das durch Scham und Zurückhaltung bei Fragen zur Geldanlage verstärkt wird. Jede Person kann mit ein paar Euro im Monat etwas für seine Zukunft tun und der Austausch darüber gibt Sicherheit.

Kinder lange fernhalten vom Geld oder möglichst bald zusammenbringen – was raten Sie?
Joachim Pietzcker (JP) So früh wie möglich zusammenbringen – aber jeweils altersgemäß darüber reden!

Wie erklären Sie Kindern, dass man nicht alles haben muss, was man haben will? 
AR Kinder haben viele Wünsche, doch oft sinkt das Interesse daran schon nach kurzer Zeit. Große Wünsche also immer ausführlich besprechen und das Kind auch – zumindest anteilig – dafür sparen lassen. Nur dann kann es den Wert richtig schätzen.

JP Was ist wirklich wichtig im Leben? Materielle Güter? Kinder geben selbst die richtige Antwort – man muss nur mit Ihnen darüber sprechen.

Und wie, dass man nicht alles haben kann?
AR Wichtig ist, den Kindern ein Gefühl zu vermitteln für: Was ist teuer oder überteuert und was kann ich mir leisten. Ist es ein großer Wunsch, muss man vielleicht auch einfach mal lange darauf sparen oder merkt, dass man es gar nicht haben muss. 

JP Passe deine Wünsche deinen Möglichkeiten an und du wirst glücklich! Ich mache es genauso.

Früher war Sparbuch und Schweinchenknacken beim Weltspartag. Was ist heute?
ES Ob das Schweinchenknacken ganz verschwinden wird, kann ich nicht beurteilen, aber sicherlich wird alles digitaler. Ich stelle mir aber auch das gemeinsame „plündern“ eines digitalen Sparschweins spannend vor. Gemeinsam kann dann überlegt werden, wofür das Geld verwendet wird. Weiter sparen oder anlegen – große oder kleine Träume erfüllen.

JP Sparen ist nach wie vor gut und richtig. Aber was geschieht mit dem Geld, solange ich es nicht brauche? Dient es nachhaltigen Zwecken?

Banken haben nicht den besten Leumund. Warum sollten junge Leute ihnen dennoch vertrauen? ‚
JP Ich war noch nie ein Freund von Verallgemeinerungen. Es gibt auch faire Banken – und ohne Banken funktioniert unser Wirtschaftsleben nicht.

ES Das Ansehen von Banken hat in der Tat in den letzten Jahren – insbesondere nach der Finanzkrise – stark gelitten. Dabei darf man aber nicht alle Banken über einen Kamm scheren. Die meisten Banken haben mit den Geschäften von Lehman Brothers oder Wirecard gar nichts zu tun. Es geht auch anders: Beratung ohne Vertriebsdruck oder klassische Kreditvergabe als Kerngeschäft. 

AR Wir sind an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert und betreuen Familien teilweise über Generationen hinweg bei ihren finanziellen Fragen.

Wie leben Sie Ihren Kindern (Nichten, Neffen, Patenkindern … ) ein Geldbewusstsein vor? 
ES Für Kinder ist man eine natürliche Bezugsperson. Sie eifern einen mehr oder weniger bewusst nach. Deswegen ist es in meinen Augen wichtig, Kindern den Wert von Geld durch sein eigenes Verhalten zu vermitteln. Das geht im Kleinen los. Natürlich können wir in unserer Gesellschaft viele Dinge einfach und günstig nachkaufen, aber das darf den Wert nicht schmälern. Ein Beispiel: Eine Milch ist schnell verdorben, wenn sie unachtsam stehen bleibt. Das muss aber nicht sein. Wenn der Wert des Produkts geachtet wird, schätzt man auch den Wert von Geld besser ein.

Geizkragen oder Lebemann – wo liegt das gesunde Mittel?
JP Mal so, mal so, es kommt auf das „Was“ an: Geizig im Überflüssigen, großzügig in der Weltverbesserung! 

AR Das muss jeder selbst für sich definieren. Wichtig ist, dass man nicht über seine Verhältnisse lebt.

Jungen Menschen geht es oft um mehr als blankes Geldanlegen, sie wünschen einen Mehrwert. Können Sie den bieten?
JP Das ist unsere Kernkompetenz: Unsere Welt kann mit dem Geld, das über uns angelegt wird, besser und gerechter werden. Heute interessiert nachhaltige Geldanlage viele Menschen!

ES Viele Studien zeigen, dass klassische Statussymbole für junge Leute eine viel geringere Rolle spielen als gedacht. Das neue Auto muss es also nicht immer sein. Da bleibt oft der ein oder andere Euro übrig. Natürlich soll dieser aber möglichst viel bewirken – nicht nur für die eigene Zukunft, sondern auch für eine bessere Welt. Deswegen geben wir für jeden bei uns angelegten Euro die Umweltgarantie. Das heißt, dass jeder Euro ausschließlich in nachhaltige Zukunftsprojekte investiert wird. Auf diese Weise werden Solar- oder Windparks gebaut oder eben der ökologische Kindergarten um die Ecke finanziert.

AR Wir spüren verstärkt die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen und setzen diesen Anlagewunsch gemeinsam mit den Kunden um. Da gibt es gute Lösungen, die nachhaltiges Wirtschaften in Bezug auf Umwelt- und Sozialstandards sowie eine nachhaltige Unternehmensführung mit Rendite kombinieren. Auch das Thema Impact-Investing gewinnt an Bedeutung. Ziel ist es, in genau die Unternehmen zu investieren, die konkret und messbar Lösungen für gesellschaftliche, soziale oder Umweltprobleme liefern.

Omas heut noch gültiger Rat?
ES Eine Weisheit meines Opas! Er hat immer gesagt: „Von nichts kommt nichts.“ Da ist denke ich viel Wahres dran. Denn um Träume zu verwirklichen und die Zukunft zu gestalten, braucht es immer eine Person die anfängt.

AR Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.

JP Wozu ist Geld gut, wenn nicht, um die Welt zu verbessern? (Elizabeth Taylor)

 

X