Theater Pfütze: Duftwolke 3 bis 3000

Okt 22, 2020 | NEWS

„ICH HÖRE, ICH RIECH‘ WAS, SIEHST DU DAS AUCH?“

Eigentlich war ein ganz anderes Stück geplant, aber weil Duftwolke 3 bis 3000 so perfekt in diese Zeit passt, zog das Ensemble der Pfütze die Inszenierung vor und entwickelte über Monate gemeinsam mit der Regisseurin Gineke Pranger ein Klangtheater, das eingefleischte Kindertheater-Fans ziemlich überraschen dürfte. 

Text: Simone Blass

Bei manchen Menschen sind wir ja vielleicht sogar ganz froh, wenn wir sie aufgrund der aha-Regeln nicht mehr riechen müssen, einfach weil wir sie schon vorher nicht riechen konnten, aber bei den meisten ist es schade. Der Geruchssinn ist der ursprünglichste aller Sinne – denn nur dieser Sinn wird direkt da im Gehirn verarbeitet, wo die Emotionen wohnen. Unsere Nase ist in der Lage, mehr als 10.000 unterschiedliche Duftnoten wahrzunehmen und schon der Hauch eines Geruchs kann eine Flut von Erinnerungen und Gefühlen auslösen. Wie schlimm muss es da sein, wenn die Düfte, Gerüche und auch der Gestank der Welt plötzlich ausgelöscht wären? Wenn die Menschheit ihren Geruchssinn tatsächlich verlieren würde?

DuftwolkePrint37_kl
DuftwolkePrint53_kl
DuftwolkePrint47_kl
DuftwolkePrint49_kl
DuftwolkePrint58_kl
DuftwolkePrint90_kl
DuftwolkePrint85_kl
DuftwolkePrint59_kl
DuftwolkePrint60_kl
DuftwolkePrint89_kl
DuftwolkePrint98_kl
DuftwolkePrint75_kl
previous arrow
next arrow
DuftwolkePrint37_kl
DuftwolkePrint53_kl
DuftwolkePrint47_kl
DuftwolkePrint49_kl
DuftwolkePrint58_kl
DuftwolkePrint90_kl
DuftwolkePrint85_kl
DuftwolkePrint59_kl
DuftwolkePrint60_kl
DuftwolkePrint89_kl
DuftwolkePrint98_kl
DuftwolkePrint75_kl
previous arrow
next arrow

Damit das nicht passiert haben drei Menschen – jeder lebt für sich allein isoliert in einem Raum weit über den Wolken und doch verbunden mit den anderen – sich dem Rekonstruieren, Erhalten und Weitergeben von Gerüchen verschrieben. Während unten auf der Erde dicker Nebel alles Riechbare in sich aufgesaugt hat, kämpfen die drei gegen das Vergessen. Im täglichen Geruchfunk beschreiben sie ihre Arbeit, versuchen sie, der Menschheit das Gefühl, den Eindruck verschiedener Gerüche nahe zu bringen, um diese und vor allem ihre Auswirkungen auf die Seele nicht vergessen zu lassen. Denn was wäre ein Freibad ohne den Geruch von Pommes, Chlor und Schweiß? Wie riecht noch mal ein Morgenpups? Und wer sind denn die Nasalnooses? Mit jedem „On Air“ begeben sich Baldini, Fromage und Pheromona in die Gefahr, erwischt zu werden – aus Leidenschaft, Verzweiflung und mit einem letzten Rest Hoffnung.

In diesem Stück begegnen einem 90 Minuten lang nicht nur die abenteuerlichsten Geruchsbeschreibungen, sondern auch die dazu passenden Töne. „Düfte haben unterschiedliche Geräusche: sie können laut und leise sein, harmonisch oder dissonant, luftig oder schrill. Düfte inspirieren zur Musik“, davon ist Regisseurin Gineke Pranger überzeugt. Musikalisch umgesetzt werden die Geräusch-Ideen des Ensembles direkt auf der Bühne, begleitet durch die Gitarren-Klänge von Dominik Vogl.

Das Stück ist noch bis Anfang November im Theater Pfütze zu sehen/zu hören/zu erleben. Und obwohl sonst die Altersfreigaben gerade hier immer besonders genau sind – 10 Jahre ist vielleicht ein klein bisschen zu früh angesetzt. Denn das Stück ist, auch wenn es faszinierend ist, weder typisches Kindertheater noch leichte Kost.

Theater Pfütze
Äußerer Laufer Platz 22
90403 Nürnberg
www.theater-pfuetze.de

X