„Die Affen Rasen durch den Wald“

Okt 18, 2020 | ADVERTORIAL

Keine Diskussionen

„Die Affen rasen durch den Wald / Der eine macht den andern kalt / Die ganze Affenbande brüllt!“ So wie die allermeisten von uns dieses Kinderlied der 1960er fröhlich mitträllern können, ist wahrscheinlich so gut wie jedem die darin beschriebene Szene bekannt – mindestens vom letzten Besuch am Schmausenbuck, wo wir die Paviane meist schon lange hören, bevor wir sie sehen können: drohen, jagen, schreien, fliehen, beißen … Ein ewig streitendes Geschrei!

Text: Katharina Wasmeier

Man könnte meinen, wenn die Sphinx-Paviane nicht schlafen oder essen, dann wird hier ausschließlich gestritten. Dieser Eindruck ist tatsächlich gar nicht so falsch, doch statt die große Bedrohung zu sein, als die wir Menschen einen zumal handgreiflichen Dauerstreit empfinden, dient die Kabbelei unseren pelzigen Verwandten einem beneidenswert friedlichen Ziel: Gruppenzusammenhalt, Gemeinschaft und Solidarität. Denn nur wenn jeder in der Gruppe seinen Platz kennt, kann man gemeinsam gut gegen Feinde kämpfen – und von denen haben die quirligen Tiere in ihrer Heimat, der Savanne Westafrikas, genug: Leoparden, Löwen oder auch Schimpansen können den kleinen Primaten übel zusetzen. Um sich auf den Schutz der Gruppe verlassen zu können, muss ich mich in ihr behaupten und ihr anpassen – das ist bei uns Menschen gar nicht anders. Nur haben wir Ethik, Moral und vor allem Sprache, um unsere Interessen zu vertreten. Der Affe imponiert und zwickt. Das dafür in alle Richtungen, denn im Geflecht des komplexen Sozialgefüges hat man allerhand zu tun. „Was ich im Mund habe, ist meins – alles andere ist streitbar“ lautet eine Regel. Männchen streiten mit Männchen um die

05.01.2020 — Tiergarten — Besuch Tiergarten Nürnberg — Foto: Thomas Hahn

Gruppenleitung und untereinander darüber, wer der größte Macker ist. Die Weibchen erstreiten ihren Rang und den passenden Beschützer. Die Kleinen streiten, um zu üben, lernen, auszuprobieren: Wie viel kann ich mir erlauben, bis ich eins auf den Deckel bekomme? Sie ärgern die Großen, foppen die Kleinen und nerven die Eltern – bis denen der Geduldsfaden reißt. Doch während wir Menschen beginnen, zu erklären und zu diskutieren, mit Sanktionen drohen oder Liebesentzug, langt der Affe einmal zu und die Sache ist geklärt. Beleidigt sein? Fehlanzeige. Denn wer keine Wörter hat, kann auch keine Erklärungen einfordern, sondern muss sich fügen. Das kann manchmal ziemlich brutal aussehen, denn sobald der „Welpenschutz“ erlischt, geht’s mit Krallen und vor allem verdammt spitzen Zähnen zur Sache. Und Wunden, die genauso schnell geheilt wie zugefügt worden sind. Und dann? Wird gekuschelt. Oder „gelaust“, wie es eigentlich heißt. Denn wer Support braucht in der Streiterei, der tut gut daran, sich seine Koalitionen auch zu erhalten. Und wie geht das am besten? Na klaro: das Verwöhnprogramm. Mindestens so wichtig wie das konsequente und unmittelbare Klären von Konflikten ist den Affen nämlich das Vertragen. Nur, dass das ganz leise und unauffällig stattfindet. Und dank des alten Kinderliedes wissen wir ja eigentlich ohnehin schon, dass es selbst beim lautesten Geschrei und gröbsten Gebrüll meistens nur um diese eine kleine Frage geht: Wer hat die Kokosnuss geklaut? 

 

Info: Der Sphinx- oder Guinea-Pavian gehört zu den kleineren Pavianen und, man mag’s kaum glauben, den friedlichsten seiner Art. Dass der Tiergarten Nürnberg seit den 1940er Jahren die derzeit rund 40 Tiere umfassende Gruppe beherbergt, hat heutzutage weniger einen Unterhaltungswert als vielmehr einen pädagogischen Zweck: Wie lassen sich Sozialsysteme der Tierwelt besser erklären, als wenn man sie direkt vor der Nase hat?

 

Fotos: Thomas Hahn

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