Schön im Fluss

Aug 10, 2020 | AKTUELLES

Freibadbesuch nur im zuvor gebuchten Zeitslot, übervolle Seen, die unter Hitzestress gern kippen – der Sommer könnte in puncto Wasserspaß zur Herausforderung werden. Oder zur Entdeckungsreise: Durch die Region fließen hunderte Kilometer kaltes, klares Wasser mit wunderschönen Ufern, von denen aus es sich vorzüglich erfrischen lässt. Es gilt die Faustregel: „Baden ist überall dort erlaubt, wo es nicht verboten ist.“

Text Katharina Wasmeier

Badekultur ist ziemlich alt. Ungefähr genauso alt wie die Menschheit selbst, die sich schon im Jahr 2000 v. Chr. eigens für rituelle Handlungen, zum Waschen und: puren Vergnügen Badeanlagen baute wie in Mohenjo-Daro im heutigen Pakistan. Es folgte eine jahrhundertelange Geschichte der Wannen und Thermen, der Badestuben und Badehäuser, der Jungbrunnen, See- und Kurbäder und schließlich Badeschiffe und Aalkästen, bei denen schon durchblitzt, was bald wieder in Vergessenheit gerät: Weil im frühen 18. Jahrhundert  nur noch fließendes Wasser als unbedenklich galt, wurde das Baden in offenen Gewässern bei allen Schichten immer beliebter; zudem wurden Medizin und Ideen über Gesundheit und Hygiene dank der Aufklärung reformiert und Bewegung in der Natur ausdrücklich empfohlen, und fortan planschte man auch in Deutschland vergleichsweise gesittet in stadt- und landeigenen Naturfließgewässern, bis sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Baden in eigens errichteten Gebäuden etablierte. 

Während auf der einen Seite diese Hallen-, Spaß- und Wellnessbäder mit immer neuen Rutschen, Strudeln, Relax-Bereichen von sich reden machten, plätscherte an anderer Stelle unaufgeregt wie eh und je die natürlichste aller Freizeitbeschäftigungen durch das Land und brachte den Menschen Erfrischung in Flussschwimmbädern, deren großer Popularität die Industrialisierung und damit einhergehende starke Verschmutzung der Gewässer Mitte des 19. Jahrhunderts ein jähes Ende bereitete. Und während das Baden und Planschen in der Aare, das Sich-nach-Hause-treiben-lassen am Feierabend oder der morgendliche Kraulsprint rheinaufwärts beispielsweise in der Schweiz quasi zum guten Ton gehören, müssen fränkische Metropolregionalisten zähneknirschend auf die Suche gehen, wenn ihnen nach der Flussnatur der Sinn steht. 

Denn zwar ist in Artikel 18 „Gemeingebrauch“ des Bayerischen Wasserschutzgesetzes vermerkt, „Jede Person darf […] oberirdische Gewässer zum Baden […] benutzen“, doch leider auch, dass das letzte Wort die jeweils zuständige Kreisverwaltungsbehörde hat. Das bedeutet: Ob im Sommer im Flüsschen vor der Tür gebadet werden darf, gilt es sicherheitshalber erst einmal herauszufinden. Für Nürnberg, immerhin 15 Kilometer pegnitzreich, heißt das: bitte nicht. Denn zwar ist das Baden im Stadtfluss alljährlich Thema, an dem hoffnungsvolle Nasen freudig schnuppern und im Geiste schon längst die perfekten Einstiegsstellen memorieren, doch nach wie vor, so die Stadt, sei vom Badespaß wegen allzu hoher Schmutz- und Keimbelastung dringend abzuraten. Das Gleiche gilt für Main-Donau-Kanal und Fürth, obgleich ausgerechnet in der Uferstadt noch ein Restchen steht vom alten Badehaus, über das die Süddeutsche Zeitung 2019 schrieb: „In Fürth ist Schwimmen zwar auch verboten, trotzdem haben die Fürther ihr früheres Rednitz-Freibad wiederbelebt. Dort gibt es heute ein Café, in dessen Nachbarschaft man ebenso inoffiziell wie beherzt ins Wasser springt.“

Und das hat oftmals durchaus seinen Grund: Auf den Wasserstraßen queren Schiffe mit gefährlichem Sog, in Flüsse kann beispielsweise starker Regen Gifte aus der Landwirtschaft einspülen – und schon gibt’s Ausschlag oder Parasiten: „Die Besonderheiten der Flüsse führen allerdings oftmals, insbesondere witterungsbedingt, zu einer schwankenden hygienischen Qualität des Wassers“, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, das die Badestellen regelmäßig prüft. Doch längst nicht alle Flüsse der Region kommen so mies beleumundet dahergeschwommen: Viele Gemeinden geben ihr Gewässer guten Gewissens frei (beispielsweise entlang des Mains), manche installieren mühe- wie liebevoll richtige Badestellen mit allem Pipapo. Und so tüpfeln sich kreuz und quer durch Franken waschechte Flussbäder auf die Landkarte und ergänzen das Schwimmangebot der Bäder und Seen. Hier ist das Baden garantiert erlaubt – und so herrlich erfrischend! 

„Baden ist überall erlaubt, wo es nicht verboten ist“ – und in diesen sieben beispielhaften Riesenplanschbecken definitiv erwünscht:

Flussbad Lichtenfels

Freier Eintritt, große Liegewiese mit vielen Schattenplätzen, abgegrenzter Schwimmbereich am Ufer, kleine Bucht mit Sandspielplatz, Toiletten, Umkleidekabinen, Volleyballfeld und Grillplatz – wer idyllisch im Main schwimmen möchte, den erwartet im Flussbad Lichtenfels zum Badeerlebnis auch der beinah vollständige Freibad-Service. Inanspruchnahme ab Mai bis September täglich von 9 bis 20 Uhr erwünscht – fortgeschrittene Schwimmerfähigkeiten ebenso! 

lichtenfels.de/flussbad

Hainbadestelle Bamberg

80 Jahre alt und supersexy – das Hainbad ist Kult, darf es doch nach Runderneuerung im Jahr 2018 in der seit 1935 bestehenden Bauform existieren und seine Holzterrasse in den linken Regnitzarm baumeln lassen. Eingerahmt vom Bamberger Stadtpark mit seinen alten Baum- und Heckenbeständen, bietet das Hainbad nicht nur Duschen, Spielfeld und Liegewiese, sondern auch einen berauschend schönen Ausblick auf die Stadt. Kostenpunkt: 2,50 Euro für Planscher ab 4 Jahren.

stadtwerke-bamberg.de

Rednitzhembach

Dass man sich des Heimatflusses sehr verbunden fühlt, zeigt ja schon der Name des pittoresken Städtchens. Ein richtiges Flussbad hat man hier zwar nicht, doch baden, planschen, schwimmen ist nachgerade gern gesehen. Und wie es der Zufall will, verfügt ein angedockter Kanu- und SUP-Verleih über Umkleiden und einen Steg. Denn wer beim Paddeln hineinfällt, muss ja auch wieder rauskommen und sich umziehen können …

kahnfahrt-rednitzhembach.de 

Wörnitzfreibad Oettingen

Weil die Wörtnitz nicht nur sehr sauber, sondern über 130 Kilometer lang ist, hat sie ein großes Wasserherz für Badenixen. So auch im eher bierbekannten Oettingen, das zwar außerhalb der Metropolregion, hier jedoch in Streichelnähe liegt. Dank Altwasserarm (das ist nichts Schlimmes) bildet der Fluss hier eine Insel, die zu allerlei Freizeitaktivitäten genutzt wird, so auch zum Baden unter altem Baumbestand, Kanufahren, Minigolfen und Kneippen.

oettingen.de/baden

Altmühlflussbad Leutershausen

Fast 230 Kilometer gräbt sich die Altmühl durch Bayern, kurz hinter Ansbach macht sie einen kleinen Stopp, um Energie zu tanken. Dazu hat sie sich in Leutershausen ein eigenes Bad installiert, mit Wassertrampolin und Kneipp-Becken, mit Surfbrettern und Liegewiese – und vor allem mit dem Idyll, für das das Altmühltal nun mal berühmt ist.  

altmuehlbad.de

Wörnitz-Flussbad Wassertrüdingen

Ebenfalls mit gemächlichem Fließwasseridyll gesegnet ist das kleine Wassertrüdingen, das sich eines neu aufgewerteten Flussbades mit Naturlagune, Kinderschlammbereich, Wasserrutsche und Badehaus-Kiosk nebst Veranstaltungskalender mit Schafkopfrunden, Irish-Beer-Weekend und Fässerrallye erfreut. Ein Campingplatz gehört auch gleich mit dazu. 

woernitz-flussbad.de

Wörnitzstrandbad Dinkelsbühl

Als wäre die „große Kreisstadt Dinkelsbühl“ mit dem Titel „schönste Altstadt Deutschlands“ nicht schon genug gesegnet, gibt es hier auch noch ein wundervolles Strandbad, das mit Bootsverleih („welcher in den Sommermonaten von Groß und Klein gerne angenommen wird und zu einer ‚Spritztour‘ an der Stadtmauer entlang einlädt“) und Wassertrampolin, Flussrutsche und Spielbereich (Volleyball, Kinder-Fußballplatz, Kinderspielplatz, Boccia, Matschspielplatz und Klettergarten), Jahrhundertwende-Charme und unbedingtem Kiosk die Augen feucht glänzen lässt vor Neid. Ach, und natürlich: „Der Besucher hat einen wunderschönen Blick direkt auf die Kulisse der Dinkelsbühler Altstadt.“ 

dinkelsbuehl.de

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