Hersbruck

Aug 20, 2020 | AKTUELLES

Kalorienweg und Eselsrennen

Jeder kennt die Fränkische Schweiz, wo eine heilige Allianz Wanderer und Bier zu immer neuen Höchstleistungen anspornt. Die östlich von Nürnberg gelegene „Hersbrucker Schweiz“ hingegen ist noch immer Geheimtipp. Dabei hat die Region rund um die „Cittaslow“ Hersbruck jede Menge Lebensqualität zu bieten: nicht nur für Spaziergänger, Wanderer und Freizeitsportler, sondern auch für Familien. Cittaslow? Genau! Hersbruck war 2001 die erste Stadt Deutschlands, die sich einer bewussten Entschleunigung nach italienischem Vorbild verschrieb. Drum wird hier nach wie vor urbanes Grün, Kunst im öffentlichen Raum, Kaffee-Kultur, und nachhaltige Gemütlichkeit groß geschrieben. Ein Ort, der zum Spielen und Durchatmen einlädt.

Text Anna Schwarm

Rund 12.600 Menschen leben an der von Fachwerkhäusern gesäumten Pegnitz. Hersbruck liegt auf der „Goldenen Straße“ zwischen Prag und Nürnberg, einer der wichtigsten Handelsrouten im Spätmittelalter unter Kaiser Karl IV. Historische Spuren finden sich überall. Ein kleiner Spaziergang übers Kopfsteinpflaster, der die drei noch bestehenden Stadttore, die alte Stadtmauer mit Wehrgang und das Schloss einbezieht, lädt zugleich zum Bummeln ein. Hersbruck beherbergt viele, individuell geführte Geschäfte wie das „Cocoyoc“ (Eine-Welt-Laden), „Die Krämerei“ (Second-Hand) und das „Rundherum Schöne Dinge“ in der Prager Straße oder den zeitgemäßen  Unverpacktladen „GreenHorn“ am Oberen Markt. Auf den Marktplätzen und in den beiden Einkaufsstraßen laden mehrere Biergärten, Cafés und Eisdielen zum Verweilen ein. Die Angebotspalette reicht von klassisch fränkisch über italienisch bis hin zur indischen Küche. Mindestens eine Kugel Eis sollte man sich im „Eisladen“ von Oskar Maxa auf der Zunge zergehen lassen. 

Die kleine Natureismanufaktur hat neben Klassikern auch immer wieder überraschende Geschmackskreationen wie Rosmarin oder Erdnuss-Chili parat. Wer gut zu Fuß ist und die Kinder motivieren kann, nimmt den „Kalorienweg“ (Start: Hersbrucker Pflegschloss). Die Kurzwanderung führt auf sieben Kilometern mit schlagfertig gereimten Wegweisern und Durchhalteparolen auf den Hersbrucker Hausberg „Michelsberg“. Dort kann man im gleichnamigen Gasthof Aussicht und – auf dem Hinweg bereits abtrainierte – fränkische Schmankerln gänzlich ohne Reue genießen. Die Kleinstadt Hersbruck erfreut sich einer ungewöhnlich hohen Museumsdichte: In Kunstmuseum (Spitaltor) und K5 beschäftigen sich die Ausstellungen wechselnd mit regionalen, historischen und zeitgenössischen Themen. Oft werden diese auch in den Stadtraum umgesetzt wie  zuletzt bei „Kunst im Fluß“ mit spannenden Installationen in der Pegnitz. Die KZ-Gedenkstätte Hersbruck im Wildzirkelturm beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des größten KZ-Außenlagers von Flossenbürg. Das Lager in Hersbruck diente der Unterbringung von Zwangsarbeitern, die im nahe Happurg gelegenen Berg Houbirg eine unterirdische Produktionsstätte für  Flugzeugmotoren bauen sollten. In nur zehn Monaten verloren rund 10.000 Menschen aus 23 Nationen ihr Leben. Von hier aus werden auch ein begehbarer, multimedialer Info-Kubus unweit der Therme und eine Gedenkstätte in Happurg unterhalb der Houbirg betreut. Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte macht im verwinkelten Gewölbe der Stadtmauer, die schwarze Kunst des klassischen Buchdrucks erlebbar. Und das Hirtenmuseum im Eisenhüttlein, das einzige seiner Art in Deutschland, widmet sich neben der Dauerausstellung zum Hirtenwesen in aller Welt, längst vergangener Alltagskultur wie Hopfenanbau, Feuerwehr und Ur-Omas Küche. Für Kinder besonders reizvoll ist die Museumsschau „Mensch und Tier“. Hör- und Filmstationen berichten von früher und heute. Besucher können Fell, Leder und Wolle verschiedener Tiere erfühlen und anderes mehr. Zwei Mal im Jahr gibt es Aktionstage: Der „Hirtentag“ am 6. Januar und das „Schaffest“ am 1. Mai. Vor dem Museum und im Innenhof gibt es Märkte, Mitmachaktionen, Musik und Speisen aus dem Holzofen. Schafe, Lamas und Alpakas sind zum Anfassen da. Im Januar wird auch die beeindruckende Tradition des „Patschens“, des Knallens mit der Hirtenpeitsche, gezeigt. Durch den zum Kunstmuseum gehörigen Skulpturenweg gelangt man ein Stück außerhalb der Stadtmauer ins sehenswerte Mühlenviertel. Unweit davon befindet sich das Schulzentrum mit einer  großen öffentlichen Sportanlage mit Skate- und Spielplatz, Basketball- und Volleyballfeld sowie Fahrrad-Verkehrsübungsplatz. Eine besonders bei Jugendlichen beliebte Ecke. Ein klassisches Jugendzentrum gibt es nicht, mobile Streetworker betreuen die Kids vor Ort und bieten Workshop-Formate wie freies Bauen und Urban Gardening an. Seit drei Jahren gibt es das „Herzschlagfestival“, das von der evangelischen Dekanatsjugend am Großparkplatz Plärrer organisiert wird und jugendliche Gäste aus der ganzen Metropolregion anlockt. Ganz neu ist die „Kletterwelt“ des Deutschen Alpenvereins. Kletterer wählen zwischen 51 Routen in allen Schwierigkeitsgraden und kommen in der Bouldergrotte auf ihre Kosten. Im Sommer steht eine Outdoor-Kletterfläche zur Verfügung. Auch die Hersbrucker Segelflieger starten unweit von hier. Man kann ihnen zusehen, einen Rundflug buchen oder eine halbe Stunde dem Weg entlang der Flugwiese zum Happurger Baggersee folgen. Anders als im benachbarten Stausee darf man hier auch offiziell baden und mit entsprechendem Schein  Angeln. Gelegenheit zum Schwimmen und Abkühlen bieten zudem die Fackelmann-Therme und das Strudelbad, eines der schönsten Freibäder Nordbayerns, dessen Grünfläche sich romantisch entlang der Pegnitz entfaltet. Im „Dauphin Speed Event“ (Industriegebiet) warten 160 Oldtimer und 240 Motorräder auf große und kleine Fans. Ausgestellt sind frühe Kleinwagen wie „Isetta“ oder „Goggomobil“ und Klassiker wie „Daytona Spider“ und „Bugatti Atlantic“. Insgesamt sind die Hersbrucker übrigens ein feierfreudiges Völkchen. Neben Kirchweih und Sommerfest besonders beliebt, ist das „Altstadtfest“ (1. Augustwochenende). Dann wird die „Cittaslow“ zur „Rockcity“ mit stadtgroßem Biergarten und vielen Bühnen. Familien-Highlight ist das urkomische „Eselrennen“ am Sonntag. Die Treiber haben alle Hände voll zu tun, ihre störrischen und der schnellen Bewegung eher abgeneigten Vierbeiner zur Ziellinie zu bewegen. Bestechungsversuche mit Möhren und Angriffe auf die Lachmuskeln garantiert.

Kunstmuseum
Amberger Str. 2
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/86 25 75
kunstmuseum-hersbruck.de

Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e. V.
Mauerweg 17 (Wildzirkelturm)
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/82 29 20
kz-hersbruck-info.de

Original Hersbrucker Bücherwerkstätte
Mauerweg 17a
91217 Hersbruck
Tel. 01 57/53 41 28 99
hersbrucker-buecherwerkstaette.de

Deutsches Hirtenmuseum
Eisenhüttlein 7
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/21 61
deutsches-hirtenmuseum.de

Dauphin Speed Event
Industriestr. 11
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/81 48 90
dauphinspeedevent.de

Der Eisladen
Natureis
Prager Str. 13
91217 Hersbruck

Gasthof Restaurant Café Bauer
Fränkisch
Martin-Luther-Str. 16
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/8 18 80
restaurant-cafe-bauer.de

Gasthaus und Metzgerei Michelmühle
Flussbiergarten im Mühlenviertel
Obermühlweg 30
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/15 00
michelmuehle.de

Fackelmann Therme und Strudelbad
Badstr. 16
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/8 39 30
fackelmanntherme.de

Raiffeisenbank Kletterwelt Hersbruck
Happurger Str. 17
91217 Hersbruck
Tel. 0 91 51/9 05 89 38
raiffeisenbank-kletterwelt.de

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