Es grünt so grün …

Jul 12, 2020 | DAS WOLLEN WIR WISSEN

… wenn Stadtgärten erblühn

Text Katharina Wasmeier

Salat im U-Bahn-Schacht, Bienen auf dem Flachdach und Kräuter aus der Baumscheibe – das alles sind Beispiele für „Urban Gardening“, was so viel bedeutet wie „Gärtnern in der Stadt“. Was auf der einen Seite eine tolle Möglichkeit ist, der zunehmenden Betonierung, Verbauung und Entgrünung innenstädtischer Flächen mit kreativen Ideen entgegenzutreten, bietet auf der anderen Seite einen schlichtweg praktischen Vorteil: nämlich für alle diejenigen unter euch, die keinen eigenen Garten und Balkon haben und trotzdem gerne säen, anbauen, in der Erde buddeln und vor allem Blüh- und Nutzpflanzen beim Wachsen und Gedeihen zugucken wollen. Und im besten Fall die leckere Ernte naschen! 

Doch wohin mit diesem Wunsch? Einfach zum nächstgelegenen Park gehen und Kräuter einsetzen oder eine Handvoll Blumensamen auf die triste Verkehrsinsel gegenüber streuen geht natürlich nicht, denn die meisten Städte haben strenge Vorschriften für beispielsweise Grünanlagen. Aber natürlich wissen wir uns auch anderweitig zu helfen – und das oft für wenig Geld.

Was sich nämlich bis vor wenigen Jahren noch tapfer wie ein Löwenzahn durch Ritzen im Beton arbeiten musste, gedeiht mittlerweile in ungefähr jeder Stadt in der Region: Die sogenannten „Stadtgärten“ oder „Nachbarschaftsgärten“ schlüpfen aus kleinen Höfen, versteckten Winkeln oder vergessenen Brachen, renaturieren oder versorgen sie mit geeigneten Pflanzgefäßen (was ungefähr alles vom alten Holzfass über den vereinsamten Stiefel bis zum kaputten Piano sein kann) und kultivieren Obst, Gemüse, Salat, Kräuter oder einfach nur schöne Blühpflanzen. Meistens übernimmt man ähnlich wie bei der sogenannten „Baumpatenschaft“, einem Projekt des BUND Naturschutz, das in immer mehr Städten angeboten oder auf private Initiative in Kooperation mit dem BN realisiert wird, die Verantwortung für ein kleines Stück Natur. 


Sommergemüse am balkon?

Gundula Holm von der Bayerischen Gartenakademie LWG Veitshöchheim verrät euch, wie’s auch auf kleinem Raum bunt und lecker wird – und brummig noch dazu!

Text Gundula Holm 

Gemäß dem Motto „Wissen wie‘s wächst“ ist es gerade für die Jüngsten in unserer Gesellschaft wichtig, sich wieder mit der natürlichen Herkunft unserer Lebensmittel zu beschäftigen. Dabei haben gerade Kinder besonders viel Freude am „garteln“. Zu sehen, wie aus dem kleinen Samenkorn die ersten zarten Radieschen sprießen und die Tomatenpflanze im Laufe des Sommers ihre zunächst grünen, dann roten Früchte entwickelt, kann richtig spannend sein. Schnittlauchblüten lassen sich nicht nur zum Garnieren verwenden – sie zählen zu den „Essbaren Blüten“, die auch noch richtig lecker schmecken. Nicht zuletzt wird der gärtnerische Erfolg gekrönt durch die eigene Ernte. Und was schmeckt leckerer als ein selbst geerntetes Radieschen oder der frische Kohlrabi aus dem eigenen Kistenbeet? 

Am besten gedeihen auf einem sonnigen Balkon Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Thymian, Majoran, Rosmarin, Salbei und viele mehr. Dort fühlen sich auch viele Fruchtgemüse wohl: Ob Tomaten, Paprika, Chili oder Mini-Auberginen – gepflanzt werden darf, was schmeckt. Bei der Auswahl der Sorten sollte man jedenfalls ein paar „Naschgemüse“ wie z.B. kleine Cocktailtomaten, Snackpaprika oder Minigurken mit einplanen, die als gesunder Pausensnack in die Brotdose passen. Für eine fruchtige Variante sorgen in Säcken oder Kübeln getopfte Erdbeeren.

Die besten Ernteerfolge verbucht, wer die Pflanzen in vorgedüngte Erde (möglichst torffrei oder torfreduziert) setzt. Ein Blumenkasten oder eine (ausrangierte) Bäckerkiste sind als Beet für Radieschen, Kohlrabi, Rote Beete oder Salate geeignet. In größeren Blumentöpfen oder Pflanzsäcken fühlen sich nach den Eisheiligen Kräuter, Tomaten, Paprika, Chili & Co. wohl. In Pflanzsäcken kultivierte Kartoffeln, Auberginen oder Süßkartoffeln können variabel dazugestellt werden. So entsteht im Nu ein kleiner Garten. Erlaubt ist, was gefällt und schmeckt! 

Bei der Anpflanzung auf dem Balkon sollte man immer darauf achten, ein paar Blütenpflanzen für Bienen und andere Insekten vorzuhalten. Dazu gehören u.a. verschiedene Salbeiarten, Katzenminze, Lavendel, Kapuzinerkresse und verschiedene bienenfreundliche Saatgut-Mischungen, die im Handel angeboten werden. Auch die Blüten zahlreicher Kräuter bieten Futter für die Bienen. Also am besten nicht alles abernten und etwas für die Insekten blühen lassen. Die Kinder können diese dann bei ihrem „Honigflug“ beobachten.

Wer wissen will, wie’s geht, kann sich auf der Urban Gardening Internetseite der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim informieren. Unter lwg.bayern.de/urban-gardening gibt’s viele Anregungen zum Gärtnern in der Stadt und einen Link zum Gemüseblog der Bayerischen Gartenakademie.



			
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