Das „wilde Grün“ vor der Haustür

Jul 9, 2020 | LEBENSRAUM

Im Garten, im Wald und sogar in Mauerritzen sprießt das wilde Grün. Wildkräuter wachsen überall um uns herum. Sie in der eigenen Umgebung zu entdecken, macht mit Kindern besonders viel Spaß: Sie gehen begeistert und unvoreingenommen auf Entdeckungsreise in die Natur. 

 Text & Fotos Daniela Ramsauer

Noch ein bis zwei Generationen vor uns wurden Brennnesseln für den Tee gesammelt, Enkelkinder durften der Oma beim Anrühren der Ringelblumensalbe helfen, Löwenzahnsalat kam traditionell im Frühling auf den Tisch. Handgesammelte Kräuter gehörten selbstverständlich zum Leben dazu. Vielleicht aus Bequemlichkeit, vielleicht aus Skepsis – heute kaufen wir solche Dinge lieber in der Apotheke oder im Superfood-Regal. Irgendwo zwischen damals und heute ist unser selbstverständlicher Bezug zu Wildkräutern verloren gegangen. Doch es lohnt sich, wieder Kontakt aufzunehmen und „das wilde Grün“ neu kennenzulernen. Denn Wildkräuter können in der Küche auf vielfältige Weise verwendet werden und schmecken richtig lecker. Überdies enthalten sie ein Vielfaches mehr an Vitaminen und Mineralstoffen als kultivierte Gemüse und Kräuter. Mit dem Gänseblümchen, dem Giersch, Löwenzahn und Sauerampfer haben wir vier Pflanzen ausgewählt, die ihr den Sommer über in der Natur finden und sammeln könnt. 

Tipps zum Sammeln 

Sammelt nur das, was ihr (er)kennt! Denn auch wenn viele Kräuter bei genauerer Betrachtung wunderschön anzusehen sind: Nicht alles ist essbar, einiges giftig. Für den Anfang, und besonders, wenn ihr mit Kindern sammelt: Sucht euch leicht erkennbare Pflanzen aus. Wenn ihr tiefer in die Welt eintauchen wollt: Holt euch spezielle Pflanzenführer für Wildkräuter aus dem Buchhandel oder entsprechende Apps. 

Meidet Schadstoffe! Sammelt keine Kräuter, die direkt am Rand von Straßen oder Äckern oder auf belasteten Grundstücken stehen. Die Pflanzen können durch Schadstoffe, Pflanzenschutzmittel oder andere Gifte belastet sein. 

Erntet respektvoll! Sammelt immer nur Teile, reißt nie die ganze Pflanze aus. Pflückt nur die Menge, die ihr braucht. Dann können die Wildkräuter auch nach eurem Besuch weiterleben. Tabu sind außerdem Pflanzen, die in Naturschutzgebieten wachsen.

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Löwenzahn

Wenn die kleinen Schirmchen der Pusteblume durch die Luft fliegen, jubeln die Kinder. Weniger begeistert sind Eltern von den braunen Flecken, die der Milchsaft des Löwenzahns auf der Kleidung hinterlässt. Vermutlich stammt daher die Warnung: Löwenzahn ist giftig! Stimmt aber nicht: Seine Blätter und Blüten sind vollständig essbar. Alle Teile des Löwenzahns machen sich super in Suppen, Eierspeisen, Pesto, Smoothies oder auch als Salatbeilage. Ein maßvoller Einsatz – besonders für Wildkräuter-Anfänger – ist empfehlenswert, denn: Löwenzahn schmeckt bitter.

Fund- und Sammelorte nährstoffreiche Wiesen, Weiden, Parks und Gärten

Inhaltsstoffe Die Pflanze enthält viele Bitterstoffe und Cholin, die entgiftend auf Leber und Galle wirken. Außerdem stecken die Vitamine A, B, D, E, K und viel Vitamin C drin.

Verwendbare Pflanzenteile junge Blätter, geschlossene Blütenknospen, Blüten

Geschmack leicht bitter, chicoréeähnlich

 

Gänseblümchen

Kinder lieben es, Gänseblümchen zu pflücken oder schöne Haarkränze daraus zu basteln. Doch die hübschen, zarten Blüten kann man auch essen – zum Beispiel als Deko für Salate und Süßspeisen – oder zu Tee aufbrühen. 

Fund- und Sammelorte Rasenflächen, Parkanlagen, Wiesen 

Verwendbare Pflanzenteile junge Blätter, Blattrosetten, Blüten

Geschmack nussig-mild, feldsalatähnlich

 

Giersch

Der Schreck eines jeden Gärtners: Giersch. Hat er sich einmal niedergelassen, ist es praktisch unmöglich, die Pflanze wieder aus dem Garten zu bekommen. Er verbreitet sich über tiefe, unterirdisch verzweigte Wurzelausläufer. Statt sich über das Wildkraut zu ärgern, ist die gesündere Variante: aufessen. Giersch ist ein wahres Mineralienwunder. Sein intensiver Geschmack ist nicht nur für Kinder gewöhnungsbedürftig. Die Blüten könnt ihr als aromatische Suppenwürze verwenden. Die Blätter lassen sich wie Spinat als Gemüse kochen, passen aber auch roh gut in Salate und Pesto.

Fund- und Sammelorte oft unter Bäumen, Büschen und Hecken, in Parks und im Gartenbeet

Inhaltsstoffe ätherische Öle, viel Eisen, pflanzliches Eiweiß, viel Vitamin A und Vitamin C (15-mal mehr als Petersilie) 

Verwendbare Pflanzenteile junge, frischgrüne Blätter, Blüten

Geschmack würzig-intensiv

 

Sauerampfer

Sauerampfer schmeckt wegen seines hohen Gehalts an Vitamin C und Oxalsäure überraschenderweise: sauer. Roh verzehrt, löscht er auf Sommerspaziergängen den Durst, macht wach, vital und fröhlich. Die Blätter erinnern von der Form her an jungen Spinat. Anhand der zackigen Blatt-enden ist er auch für Kinder leicht erkennbar. 

Fund- und Sammelorte lichte Wälder, Bachränder und Wiesen

Inhaltsstoffe Der Sauerampfer ist reich an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Flavonoiden. Außerdem enthält er Oxalsäure, Gerbstoffe und auch viel Vitamin C, Provitamin A und Eiweiß.

Verwendbare Pflanzenteile junge Blätter, Triebspitzen

Geschmack säuerlich-zitronig

Gute-Laune-Kräuterblütenlimonade

Erntet respektvoll! Bunte Farben, Blüten pflücken, selber mischen – die Zubereitung dieser Limonade macht Kindern Riesenspaß. Das Ergebnis: eine frisch-süße Limo, die super gesund ist. 

Zutaten
Ein Teller voll Blüten und Kräuter, die gerade Saison haben. Zum Beispiel: Blätter und Blüten vom Giersch, alle Teile der Minze, Zitronenmelisse, Ringelblumenblüten, 1 Stängel Pfefferminz, Rosenblüten, Baumblüten (von allen Bäumen, deren Früchte ihr essen könnt, sind auch die Blüten genießbar), Gänseblümchen, Löwenzahn. 1 halber Liter Apfelsaft, 1 Liter Mineralwasser, Saft einer  Zitrone.  

So wird’s gemacht: Kräuter und Blüten nach dem Pflücken eine halbe Stunde liegen lassen, damit Tierchen, die sich darin verstecken, fliehen können. Anschließend Kräuter achtsam in ein schönes Behältnis füllen. Mit Mineralwasser, Apfel- und Zitronensaft aufgießen. 3 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Fertig!. 

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