Yoga mit Kindern

Feb 14, 2020 | BEWEG DICH

Chill mal

Text Verena Junker   Gespräch Astrid Schmitt

Klavier, Fußball und Nachhilfe. Kinder und Jugendliche haben oftmals ein volles Programm, und zehn bis zwölf Stundentage sind keine Seltenheit. Vor dem Fernseher oder bei Videospielen wird dann entspannt. Kein Wunder, dass Kinder zunehmend unkonzentriert und unruhig sind. Die Yogalehrerin Verena Junker kennt einen Ausweg aus dem Dilemma: Yoga mit Kindern. 

 

Warum tut Kindern Yoga gut?

Verena Wir alle sind in unserer schnelllebigen und informationsbeladenen Zeit einem zunehmenden Leistungsdruck und einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt. Wenn es uns Erwachsenen schon häufig schwerfällt, das eigene Stresslevel zu senken, wieso sollte es unseren Kindern dann anders gehen? Yoga ist eine wunderbare und sanfte Möglichkeit, um Stress abzubauen. Yoga spricht Kinder auf verschiedenen Ebenen an. Neben der kreativen und phantasiefördernden Wirkung, hilft die körperliche Aktivität, das Körpergefühl und die Koordination zu verbessern und Spannungen abzubauen. Die Verbindung von Anspannung und Entspannung ist hier elementar. Bei verschiedenen Bewegungen und Entspannungsübungen lernen Kinder, sich zu konzentrieren, ihren Körper besser wahrzunehmen und wenn es Außen zu viel wird, die innere Balance wiederzufinden.

Mit welchem Alter können Kinder mit Yoga beginnen?

Verena Es gibt nicht das perfekte Alter, um mit Yoga zu beginnen. Ich selbst habe meine Kinder schon im Babyalter in meine Yogapraxis auf der heimischen Matte eingebunden – ob auf der Matte vor mir liegend, auf dem Schoß oder Bauch ruhend, in Entspannungshaltungen oder später einzelne Asanas, die Übungen, mit ihnen gemeinsam praktizierend. Mal krabbeln sie bei den Asanas auf mir herum oder unter mir durch, mal versuchen sie selbst, den herabschauenden Hund, die Kobra oder den Baum. Etwa mit fünf Jahren können sich Kinder auch länger konzentrieren, so dass ausdauerndere Yogaeinheiten, zum Beispiel in einem Kinderyogakurs, sinnvoll sind.

Lässt sich Kinderyoga in das Familienleben integrieren, ohne einen Kinderyogakurs zu besuchen?

Verena Yogakurse für Kinder sind klasse, in der Metropolregion gibt es ein großes Kinderyogaangebot. Aber nicht immer lassen sich feste Kurszeiten in den Wochenplan einbinden. Yoga für Kinder aber kann perfekt in das Familienleben integriert werden – auch wenn Mutter oder Vater selbst kein Yoga praktizieren. Ich mache gerne mit meinen Kindern im Pyjama vor dem Zubettgehen ein paar Asanas. Das ist die perfekte Brücke vom hektischen Alltag zum erholsamen Schlaf.

Verena hat uns fünf Asanas zusammengestellt, die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern üben können

01 Asana Macht eure Herzen weit

Setze dich mit geradem Rücken und gespreizten Beinen auf dem Boden. Dein Kind setzt sich im Schneidersitz eng vor dich. Deine Beine führst du anschließend vor den Beinen des Kindes zu einer Raute zusammen.

Atmet ein und hebt beide dabei die Arme nach oben und außen. Schiebt dabei das Brustbein nach vorn, macht euren gesamten Rücken lang, während ihr in eine leichte Rückbeuge geht. Wenn ihr mögt, könnt ihr jetzt noch eure Blicke  nach oben richten. Das ist die Herzöffnung. Atmet aus und kreuzt dabei die Arme vor der Brust des Kindes. Beugt euch dabei vor zu euren Füßen. Du umarmst dabei dein Kind. Zieht euch zu einem kleinen Päckchen zusammen. Wiederholt die Übung noch viermal. 

02 Asana Schmetterling

Bleibt auf dem Boden sitzen, aber rutscht ein Stück auseinander und setzt euch gegenüber. Zieht mit aufgestellten Füßen die Knie zur Brust. Öffnet die Beine und lasst die Knie sanft rechts und links zur Seite fallen. Die Fußsohlen berühren sich jetzt und die Beine bilden eine Raute. Umfasst mit den Händen sanft eure Fußgelenke, atmet ein und macht dabei den Rücken lang und gerade. Jetzt beginnt ihr, die Knie leicht auf und ab zu bewegen. Stellt euch vor, eure Beine wären die Flügel eines Schmetterlings, die ihr federleicht bewegt. 

03 Asana Der umarmte Baum

Stellt euch nebeneinander, so dass sich eure Hüften berühren, und schenkt euren Füßen ein wenig Aufmerksamkeit. Spürt, wie ihr mit beiden Fußsohlen fest auf dem Boden steht. Fixiert jetzt mit dem Blick einen Punkt – das soll euch helfen, das Gleichgewicht zu wahren. Hebt nun euer jeweils äußeres Bein an und legt die Fußsohle mit der Hand an die Innenseite des Standbeines. Dabei ist egal, wie hoch ihr den Fuß anlegen könnt. Achtet aber darauf, dass der Fuß nicht auf dem Knie abgelegt wird. Ihr könnt euch nun mit den Hüften noch stärker berühren und euch aneinander lehnen. Legt den jeweils äußeren Arm locker auf das angewinkelte Knie. Wenn euer Größenunterschied nicht zu groß ist, könnt ihr diesen Arm auch vor dem Bauch zusammenführen und einander mit  euren Handflächen berühren. Den anderen Arm legt ihr jeweils um euren Rücken. Atmet tief und ruhig und versucht, euch gegenseitig nicht aus der Balance zu bringen. 

04 Asana Holzsägen

Setzt euch in einer weiten Grätsche einander gegenüber, so, dass ihr eure Hände noch gut fassen könnt. Wenn das Kind nicht sehr viel kleiner als der Erwachsene ist, könnt ihr auch die Füße berühren. Nun bewegt ihr euch: Der eine lehnt sich leicht zurück, der Blick geht zur Zimmerdecke, gleichzeitig beugt sich der andere leicht vor – den Kopf dabei nicht vergessen. Der bewegt sich mit nach vorne und der Blick richtet sich nach unten. Jetzt schwingt ihr sanft und langsam in die andere Richtung. Wer sich jetzt nach hinten lehnt, zieht den anderen vorsichtig in die Vorbeuge. Je weiter ihr dabei zum Boden kommt, umso besser. Versucht mal, die Bewegung mit eurem Atem zu verbinden: Bei der Rückbeuge einatmen, bei der Vorbeuge ausatmen.

Das Vor und Zurück einer Säge ahmt ihr bei dieser Übung nach. Mit dem fließenden Wechsel von leichter Vor- und Rückbeuge schafft einen gemeinsamen Rhythmus. Ganz nebenbei mobilisiert ihr verspannte Hüften. Wollt ihr eine Kreissäge sein? Dann gebt der Bewegung doch auch eine Kreisform.

05 Asana Der gedrehte Schneidersitz

Setzt euch aufrecht im Schneidersitz Rücken an Rücken. Atmet tief ein und hebt beide Arme nach oben. Macht euch lang und streckt euch. Atmet aus und dreht eure Oberkörper jeweils zur rechten Seite. Die rechte Hand legt ihr auf den linken Oberschenkel des anderen. Die linke Hand legt ihr auf euer rechtes Knie. Einatmen und Arme nach oben strecken. Jetzt ausatmen und die linke Hand auf den rechten Oberschenkel des anderen legen. Die rechte Hand auf das linke eigene Knie legen. Diesen Twist noch vier Mal pro Seite wiederholen. 

Zum Abschluss legt ihr euch beide, Fusssohle an Fußsohle auf den Rücken. Atmet fünfmal langsam und ruhig tief in den Bauch hinein. Legt dabei die Handflächen auf den Bauch, um zu spüren, wie sich der Bauch hebt und senkt. 

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