Lehrer fürs Kreative

Feb 14, 2020 | Bildung & Erziehung

Schauspielern, singen und tanzen lernen Kinder seit über 20 Jahren bei Nigel Greenhalgh. Doch nicht nur das: Der Gründer der deutschen Musical-Schulen von Stagecoach und StageWorld verknüpft Bühnenkunst mit einem pädagogischen Konzept. Kinder, die bei ihm Theaterluft schnuppern, sollen vor allem fürs Leben lernen. So auch Emma Watson – die Hermine aus Harry Potter.  

Gespräch Manuela Prill

Nigel, was ist Deine Philosophie bei StageWorld?

NIGEL Wir sehen die kreativen Seiten eines Kindes gleichwertig mit den wissenschaftlichen. Also seine Talente in Fächern wie Deutsch oder Mathe. Jedes Kind singt, tanzt und spielt. Wir fördern die Fähigkeiten, mit denen wir geboren werden und die wir manchmal leider verlernen. Mein Leitspruch bei StageWorld ist ein Zitat von Albert Einstein: Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Warum ist es Dir so wichtig, dass Kinder nicht nur Schauspieltechniken oder Tanzschritte lernen?

NIGEL Gesang, Schauspiel und Tanz sind drei von unseren wichtigsten kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Und diese formt die Persönlichkeit, den Charakter eines Kindes. Theater ist immer eine gemeinsame Sache, soziale Fähigkeiten und Teamgeist sind hier sehr wichtig. Man erfährt miteinander, wie man seine Instrumente – Augen, Stimme, Körpersprache – verwenden kann, um zu kommunizieren. Dabei gibt es kein Muss, kein Richtig oder Falsch.

Was nehmen Deine Schüler noch für‘s Leben mit?

NIGEL Heutzutage erhalten wir alle paar Sekunden Informationen. Ein Theaterstück oder ein Musical auf die Bühne zu bringen, kann aber nicht innerhalb von Sekunden stattfinden. Viele missverstehen das anfangs und denken, dass es sofort auf die Bühne geht. 95 Prozent der Zeit arbeitet man aber im Studio. Die Schüler nehmen mit, dass es Geduld braucht und dass man etwas investieren muss für wirkliche Erfolgserlebnisse.

Kann man eure jungen Talente auch live erleben?

NIGEL Wir machen einmal im Jahr eine Aufführung für Familien und Freunde. Aber das ist nicht das erste Ziel von StageWorld. Unser Motto ist eher: Der Weg ist das Ziel. Nicht nur vor Publikum, auch bei der kreativen Arbeit lernen Kinder, Hemmungen abzubauen und das Selbstbewusstsein wird gestärkt. Oft haben Kinder davon viel zu wenig.

In Deinen Anfängen in Deutschland vor zwanzig Jahren war eine Schule für Bühnenkünste mit pädagogischem Ansatz einzigartig. Woher kommt die Idee?

Das Konzept, Schauspiel, Gesang und Tanz zu kombinieren, gab es schon länger erfolgreich in England unter dem Namen Stagecoach. Als ich 1999 angefangen habe, in Deutschland Schulen zu gründen und ein Netzwerk aufzubauen, gab es hier Tanzschulen oder Musikschulen, aber die Kombination war einzigartig und ist es eigentlich bis heute. 

Für welche Altersklassen bietet StageWorld Kurse an?

NIGEL Ab dem Kindergartenalter geht’s los. Im Moment haben wir Kurse ab vier Jahren, unsere Little Stars. Im Schulalter sind es dann die Young Stars, von denen es drei verschiedene Altersgruppen gibt: sieben bis neun, zehn bis zwölf Jahre und 13 plus. Junge Erwachsen ab 17 Jahren haben die Möglichkeit, zu den Superstars zu kommen.

Für die ganz Kleinen ist doch auch etwas in Planung, oder?

NIGEL Ja, wir entwickeln gerade einen neuen Eltern-Kind-Kurs (für Kinder bis 4 Jahre), der voraussichtlich ab April startet. Interessierte können sich schon jetzt dafür anmelden. Bekannter machen wollen wir zudem, dass bei uns nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene die Vorteile von Tanz-, Schauspiel- und Gesangskursen erleben können.

Ist schon mal einer Deiner Schüler am Broadway gelandet?

NIGEL Meine bekannteste Schülerin ist Emma Watson. Das war damals in Oxford, als sie noch sehr jung war. Sie hat dann ja die Hermine in den Harry Potter-Filmen gespielt und ist heute ein Weltstar. Eine schöne Geschichte ist auch, dass Madina Frey, eine meiner ersten Schülerinnen in Deutschland, in der Musical-Fortsetzung von Harry Potter ab März in Hamburg Hermines Tochter spielen wird.

Wie bist Du in Franken gelandet?

NIGEL Ich war in Deutschland auf Tournee mit einem etwas klamaukigen Stück, in dem ich einen Vampir spielte. Ich musste in einer Szene immer jemanden aus dem Publikum auf die Bühne holen als Opfer für den Vampirkuss. Einmal war es eine wunderschöne Frau. Wir haben uns hinterher getroffen, besser kennengelernt und geheiratet (lacht). In der Vampirgeschichte dauert der Kuss übrigens für die Ewigkeit – das hat sich bei mir tatsächlich bewahrheitet.

www.stageworld.info

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