HOCH HINAUS

Feb 14, 2020 | Schau ins Land

Kinder lieben es zu klettern. In der Metropolregion gibt es zahlreiche Möglichkeiten, es als Familie auszuprobieren – entweder in einer der zahlreichen Hallen oder in der Fränkischen Schweiz,
einem der schönsten Klettergebiete Deutschlands.

Text Kerstin Smirr

Keine Lust auf Indoor-Spielplatz und Schwimmbad? Wer bei schlechtem Wetter trotzdem einige aktive Stunden mit dem Nachwuchs verbringen möchte, findet in den Boulder- und Kletterhallen der Region eine gute Alternative. Sich an den Wänden auszutoben, unterstützt nicht nur den natürlichen Bewegungsdrang der Kleinen. Es fördert auch ihr Selbstbewusstsein sowie ihre Koordination und lässt sie ihre Grenzen austesten. „Mit seinen Kindern zu klettern, ist sehr ver-trauensbildend. Es sind gemeinsame Erlebnisse, die man teilt“, sagt Bastian Wurm-Trageiser. Der Inhaber der Outdoor-Läden travel & trek ist begeisterter Kletterer und geht mit seiner Tochter regelmäßig zum Bouldern.
Mehrere Boulder- und Kletterhallen haben sich in den vergangenen Jahren in der Metropolregion angesiedelt. Noch vor Frühlingsbeginn kommt eine neue hinzu: „Der Steinbock“, bereits in Zirndorf vertreten, wird eine Boulder-Halle in Nürnberg mit einem separaten Kinderbereich eröffnen. „Seit fünf bis acht Jahren steigt der Zulauf zum Boulder-Sport stetig. Das sieht man auch an der Zahl der Boulder-Hallen in der Region, die weiter zunimmt. Sie sind alle dauerhaft gut besucht“, sagt Axel Niermann, Betriebsleiter des Standorts Zirndorf.„Das Klettern ist vom Individual- zum Volkssport geworden. Daran haben die Hallen sicherlich ihren Anteil“, meint Bastian Wurm-Trageiser. Neben der ganzjährigen Verfügbarkeit sieht er weitere Gründe für den Erfolg: „Gerade das Bouldern ist einfach, weil keine Sicherungstechniken notwendig sind und die Hallen in unmittelbarer Nähe liegen.“ Die Ausrüstung ist minimal: Allein Sportbekleidung müssen Eltern einpacken. Kletterschuhe wer-den vor Ort verliehen. Für all jene, die regelmäßig bouldern, lohnt sich der Kauf eines eigenen Paars. „Einsteiger-Kletterschuhe für Kinder kosten zwischen 50 und 80 Euro“, erklärt Bastian Wurm-Trageiser. Die Hallen sind auf die Kleinen ausgerichtet, entweder mit speziellen Kinderbereichen oder farbig markierten Routen, die sich für sie eignen. Oftmals organisieren die Betreiber auch Kindergeburtstage und bieten Kurse an, bei denen Mütter und Väter mit ihrem Nachwuchs oder Kindergruppen unter Anleitung die Wände erobern.

WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN BOULDERN UND KLETTERN? Das Bouldern ist eine Form des Kletterns, bei der der Sportler un-gesichert ist. Am Ziel angekommen, springt er hinab und landet auf einer weichen Matte. In Hallen sind die Wände auf eine Höhe von drei bis vier Meter begrenzt. Auch im Freien lässt sich bouldern, allerdings werden geeignete Gebiete in der Fränkischen Schweiz aus Gründen des Naturschutzes nicht ausgewiesen. Das Seilklettern ist ein partner-schaftlicher Sport: Einer klettert, der andere sichert.

„Ich empfehle Eltern, das Bouldern mit dem Kind zunächst einmal für sich selbst oder in einem Schnupperkurs auszuprobieren und zu schauen, ob es ihm liegt“, sagt Sabrina Wiest, die Kinder in der Boulder-Halle „Der Steinbock“ in Zirndorf trainiert. „Bei unseren Kursen liegt das Einstiegsalter bei fünf bis sechs Jahren, weil eine gewisse Konzent-rationsfähigkeit erforderlich ist. Für das Bouldern an sich gibt es aber keine Altersbeschränkung. Das können auch schon Jüngere.“

 

KLETTERN AUCH IM FREIEN MÖGLICH
Auch beim Klettern mit Seil ist das richtige Einstiegsalter Erwägungssache. Erwachsene, die selbst darin geübt sind, nehmen ihre Kids viel-leicht schon früh mit zum Felsen. Am besten zu einem, der leicht zugänglich ist, rundherum keine Abhänge aufweist und sich für ein Picknick anbietet. Um einen Felsen zu finden, empfiehlt sich ein Blick in die beiden Bände des Kletterführers „Frankenjura“ von Sebastian Schwertner. Darin enthalten sind für jeden Felsen Informationen zur Kindertauglichkeit. Auch die Inter-netseite www.frankenjura.com so-wie die dazugehörige App geben solche Hinweise. „Felsen, die in der Sonne liegen und einen geringen Schwierigkeitsgrad haben, gibt es in der Fränkischen Schweiz nur weni-ge“, sagt Jutta Strom-Haensch, die Kinder- und Jugendgruppen beim Deutschen Alpenverein in Forchheim betreut. Für Kinder geeignet seien die „Breitenberg Südwand“ bei Gößweinstein sowie der „Wolfstein“ und die „Schda Schdum“ bei Bärnfels. „Wenn Eltern selbst nicht klettern können, sollten sie einen Kurs besuchen, in dem sie lernen, wie sie ihr Kind sichern. Alles andere ist zu gefährlich“, sagt Jutta Strom-Haensch. Zudem bieten sich reine Kinderkurse an, die in der Regel ab dem Alter von acht Jahren starten. Kursanbieter sind die Kletterhallen in der Region, verschiedene Ortssektionen des Deutschen Alpenvereins, aber auch Kletterschulen in der Fränkischen Schweiz. Sinnvoll ist es, sich Technik und Fitness zu-nächst indoor anzueignen. Im Anschluss steht einem Ausflug in die Natur nichts mehr im Wege.

BOULDER- UND KLETTERHALLEN IM 20-KM-UMKREIS VON NÜRNBERG

E4
Nürnberg
www.boulderhalle-e4.de

Climbing Factory
Nürnberg
www.climbing-factory.de

Boulderhalle des TSV 1846
Nürnberg (nur für Mitglieder)
www.tsvbouldern.de

Sportcentrum
Nürnberg
www.sportcentrum-nbg.de

Der Steinbock
Nürnberg (baldige Eröffnung)
www.dersteinbock-nuernberg.de

Blockhelden
Erlangen
www.blockhelden.de

DAV-Kletterzentrum
Erlangen (nur für Mitglieder)
www.alpenverein-erlangen.de

Boulderia
Neunkirchen am Brand
www.boulderia.de

Der Steinbock
Zirndorf
www.dersteinbock-zirndorf.de

DAV-Kletterhalle
Schwabach
www.dav-sc.de

DAV-Kletterzentrum
Feucht
www.dav-feucht.de

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