Zu Herrschaftszeiten

Okt 28, 2019 | Schau ins Land

Zu Herrschaftszeiten! in der Cadolzburg holt Euch das Flair der Vergangenheit mit all seinen Sinnen ein.

Text Simone Blaß

Es stinkt wie in einem mittelalterlichen Gefängnisloch, es wird gestöhnt und gejammert – gleich der erste Raum zeigt deutlich, warum das Museum auf der Cadolzburg ein Erlebnismuseum ist. In allen Gemächern werden die Besucher von technischen Spielereien überrascht. Geleitet durch den kleinen Contz, der in Filmen, auf Hinweisschildern und überall wieder versteckt als Figur durch die Ausstellung führt. Der Besucher erfährt, wie die Hohenzollern vor über 600 Jahren ausgesehen, gelebt, gearbeitet, regiert und auch, was sie gerochen haben. Also schnell die Tür zu machen und wieder eintauchen in den Rosenduft der feinen Gesellschaft, der bereits den Kassenbereich erfüllt. Gerüche, geräuschaktivierende Bewegungsmelder in den Wänden und auf der Brücke sowie VR-Brillen, die die Besucher in mittelalterliche Welten entführen – wenn man das Erlebnismuseum der Cadolzburg betritt, holt einen das Flair der Vergangenheit mit allen Sinnen ein.

FREE WLAN – SCHLIESSLICH SOLLEN DIE BESUCHER ALLE ANGEBOTE NUTZEN
Spiele, Medien, Fühlstationen – den Zugbrückenschlag zwischen Mittelalter und Moderne erleben die Besucher der Cadolzburg sowohl aktiv als auch interaktiv. Auf rund 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche und über mehrere Etagen des Alten Schlosses verteilt, können große und kleine Neugierige anhand von Originalen aus dem Mittelalter, aufwändigen Reproduktionen, verschiedenen Inszenierungen und zahlreichen Medienanwendungen das Burgleben erkunden. Historisches wurde mit Digitalem verbunden und viel Know-how eingebracht. Und zwar nicht nur das von den Museumsfachleuten, son-dern auch das der Generation, die sich am besten mit Medien, Apps und Co. auskennt. Schüler der gesamten Region wurden in die Projektarbeit eingebunden, um das Ergebnis so zu gestalten, damit es alle anspricht – auch die, die sonst nicht zu einem Museumsbesuch zu bewegen sind.

SICH FÜHLEN WIE ECHTE PRINZESSINNEN UND RITTER
Bitte nicht berühren – dieses Warnschild findet man auf der Cadolzburg nirgends. Hier darf alles angefasst und ausprobiert werden. Wie schwer war ein Ritterhelm, wie fühlt sich eine königliche Mütze an und wie die typischen metallbesetzten Handschuhe? Schläft es sich auf einem Strohsack besser oder auf Daunen und wie hat sich der Kurfürst gebettet? Einfach mal ausprobieren, unter die Decke schlüpfen und nachspüren, wie es sich so im Sitzen schläft. Der wohlhabende Bürger von damals schützte sein Bett übrigens des Nachts vor Kälte durch viel Stoff. Kam es hinter diesen Himmelbettgardinen zum Ehestreit, dann sprach man von einer Gardinenpredigt. Solche und andere Dinge lernt man ganz nebenbei auf der Burg.
Besonders beeindruckend ist das sogenannte neue Schloss, das der älteste Teil des Gebäudes ist und über die Jahr-hunderte immer wieder verändert und erweitert wurde. Eine Klanginstallation beschallt das circa 15 Meter hohe Gemäuer und führt mithilfe von Tönen durch die Geschichte der Burg. Eine Videoproduktion – mitten im leeren Raum, umgeben von Sandsteinblöcken – lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die sich bewegend daran erinnern, was aus der Burg im Zweiten Weltkrieg wurde und wie sie dann am 17. April 1945 niederbrannte.

JAHRZEHNTELANGE ARBEIT HAT SICH GELOHNT
Doch nicht nur das Erlebnismuseum, auch die mächtige Burgkulisse an sich mit ihrem Burggarten, der alten Linde und den Terrassen lädt zum Verweilen ein. Und zum Päuschen vom Alltag. Es gibt zahlreiche Picknickmöglichkeiten mit wunderschönem Ausblick und wo die einen flanieren, schlendern und entspannen, können die anderen so richtig rumtoben. Angepflanzt wurden Zier- und Nutzpflanzen des Mittelalters und der Renaissance. Der Garten wurde so gestaltet, wie er damals ausgesehen hat. Auch das Areal außerhalb des Burggeländes ist sehenswert. Kleine hübsch hergerichtete Fachwerkhäuschen runden den mittelalterlichen Eindruck ab. Dass aus dieser Burg, die erstmals im Jahr 1157 urkundlich erwähnt wurde, einmal wieder so ein Schmuckstück werden würde, hätte Ende der 70er Jahre übrigens niemand gedacht. Aber gehofft hat man es und daher den Wiederauf-bau des in den Kriegsjahren komplett zerstörten Gebäudes beschlossen. Eine weise Entscheidung.

DA IST WAS LOS AUF DER CADOLZBURG

30. November – 14 – 16 Uhr
Bienenfleißig und lecker – Lebkuchenbackaktion für Groß und Klein

1. Dezember – 14- 16 Uhr
So eine Spinnerei – wie Kleidung entsteht

Öffnungszeiten
Oktober bis März: 10-16 Uhr (letzter Einlass 15:15 Uhr)
April bis Oktober: 9-18 Uhr (letzter Einlass 17:15 Uhr)
Montag ist Ruhetag
Eintrittspreise
Erwachsene: 7 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie alle Schüler, auch Berufsschüler, haben freien Eintritt.

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